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Orpheus auf dem Weg ins Schattenreich. Eine Szene aus der aktuellen Produktion mit Eric Vivion-Grandi in der Hauptrolle und mit Künstlern aus dem Landkreis.

Oper in Starnberg

Pompös war gestern, heute gefällt's auch pur

Starnberg - Es kamen einige glückliche Zufälle zusammen, die Glucks Orpheus und Eurydike für den Verein Oper in Starnberg zu einem Glück werden ließen. Ein glücklicher Zufall war die kurzfristige Umbesetzung.

Welch Glücksfall, dass der Verein Oper in Starnberg für Christoph Willibald Glucks Orpheus und Eurydike, ein Werk über die Macht der Musik und der Liebe, die fabelhafte Regisseurin Ada Ramzews gewinnen konnte. Die Produktion birgt so wunderbare Ideen, dass dem Verein auch im dritten Jahr seines Bestehens eine grandiose Aufführung gelungen ist. Gluck ist zum Glück für Starnberg geworden. Wer Freitag, 1. Juli, den Besuch von Orpheus und Eurydike im Sinn hat – er kann sich auf einen wunderbaren Opern- und Tanzabend freuen.

Eigentlich wollte Intendant Andreas Sczygiol in diesem Jahr die Zauberflöte inszenieren Das scheiterte am Geld. Eigentlich sollte auch ein anderer Tenor den schweren Part des Orpheus in der französischen Fassung übernehmen. Dass er zum großen Verdruss kurz vorher absagte und nun der in Italien geborene und in Südfrankreich aufgewachsene Tenor Eric Vivion-Grandi sich die Rolle binnen kürzester Zeit aneignete – auch das stellt sich nun, nach der Premiere in der Schlossberghalle, als Segen heraus. Sein Orpheus ist geradezu herzzerreißend. Was für ein Moment, wenn er niedersinkt und zum zweiten Mal um seine Eurydike trauert. Diese wird von Der Polin Martyna Cymerman verkörpert, mit einem strahlenden Sopran.

Agata Kornaga, ebenfalls aus Polen, ist ein Amor, der mit schönem Mezzosopran für die großen Versprechen sorgt. Und dann die Tänzer: Martina Wimmer als Eurydike – sie ist von schmerzhafter Anmut. Ihr Partner ist der 22-jährige Benjamin Birkner. Ein hingebungsvolles Paar, das den Erzählfaden aufnimmt und weiterspinnt. Junior-Tänzerinnen und die Dance-Company der Ballettakademie Benedikt-Manniegl aus München übernahmen den Part der Geister und Furien, auch das war wunderbar anzuschauen.

Durch zusätzliche Bühnenpräsenz des Projektchors und des Vokalensembles Fünfseenland entstand auf der Bühne zwischenzeitlich eine ziemliche Gemengelage, die Sczygiol mit dem Orchester von Oper in Starnberg klangschön und unaufgeregt zusammenhielt. Verborgen hinter einer transparenten Leinwand waren die Musiker gleichermaßen präsent wie aus dem Weg – eine hervorragende Lösung. Dazu die nackte Bühne, Könner an den Scheinwerfern und die schlichten Kostüme – pompöse Oper war gestern, es geht und gefällt auch pur.

Das Publikum folgte den Geschehnissen gleichermaßen gebannt wie gerührt – die beste Übersicht auf Orpheus’ Weg durch das Schattenreich bot sich von der Galerie aus.

Traditionsgemäß ließ Gluck seine Oper gut ausgehen – der Mythologie zum Trotz. Ada Ramzews hat dieser Vorgabe ein Schnippchen geschlagen. Ihre Fassung ist von Prolog und Epilog umschlossen. Eine puristische Version des Seligentanzes zu zarter Klaviermusik lassen das Publikum schließlich doch noch darüber ins Grübeln kommen, ob die Geschichte so gut ausgegangen ist.

Karten

für die zweite und letzte Aufführung gibt es bei MünchenTicket oder in der Schlossberghalle. Beginn: 19.30 Uhr.

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