Starnberger Verkehr

Verlegung auf eine B2n? Freistaat winkt ab

Starnberg - Die B 2 ist das Hauptproblem des Starnberger Verkehrs. Was wäre, gäbe es sie nicht? Ein Vorschlag, die Bundesstraße zur A 96 zu verlegen, macht derzeit die Runde – auch beim Freistaat. Der allerdings winkt ab.

Die Bundesstraße 2 hat eine lange Geschichte, in der sie sich kaum verändert hat. 845 Kilometer ist sie insgesamt lang, durchquert sechs Bundesländer zwischen der polnischen Grenze bei Stettin und Scharnitz an der Grenze zu Österreich. Früher reichte sie bis Danzig und weiter nach Osten, die ersten Abschnitte im damaligen Preußen entstanden vor genau 200 Jahren. Sie hat einige weltbekannte Abschnitte: Die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule am Großen Stern in Berlin und die dortige Prachtstraße Unter den Linden etwa sind Stücke der B 2. Ihren Namen Olympiastraße hat sie von den Spielen 1936. Es gibt unrühmliche Teilstücke und umstrittene; zu den Letztgenannten gehört die Ortsdurchfahrt Starnberg. Nun machen Gedankenspiele die Runde, die B 2 im Landkreis einfach zu verlegen – und so den Tunnel überflüssig zu machen. Ein Vorschlag des früheren BI-Vorstandsmitglieds Klaus Ferstl liegt gar dem Innenministerium zur Prüfung vor.

Ferstl ist nicht der einzige mit solchen Überlegungen. Hinter vorgehaltener Hand wird schon länger getuschelt, ob der Bund nicht auf diese Weise den Tunnel sanft für immer einschlafen lassen will. Ferstl hat ganze andere Intentionen: „Es gibt eine sehr einfache, schnelle und effiziente Verkehrslösung, die der Tunnellösung weit überlegen ist, aber auf die bisher leider noch niemand gekommen ist“, erklärt er. Mit Fertigstellung der Starnberger Westumfahrung in zwei Jahren könnte man, so sein Vorschlag, die B 2 vom Kreisel Maxhof über die heute Staatsstraße über die Maisinger Schlucht, die Westumfahrung, ein kurzes Stück Kreisstraße und dann über die Umfahrung Ober-/Unterbrunn zur A 96 leiten. „Dies ist ohne jeglichen Bau umzusetzen und nur ein Verwaltungsakt. Dann wird man sehen, wie sich die Verkehrsflüsse entwickeln und hat eine verlässliche Grundlage, statt oft unzuverlässiger und sogar falscher Prognosen.“

Vorschlag ging ans Innenministerium

Mit einer B 2-Verlegung aus der Stadt sowie einer Umwidmung der B 2 und der Staatsstraßen in der Stadt in Ortsstraßen böte sich die Möglichkeit, durch Ampelschaltung, Querungshilfen, Tempo 30 oder gar „Shared Space“ die Durchfahrt zu entschleunigen, um „die Durchfahrer auf die B 2neu zu leiten, da diese schnell vorankommen wollen“. Den Lkw-Durchgangsverkehr könne man auf Ortsstraßen aussperren und auf die B 2n ableiten. Speziell die Vergrämung der Brummis ist Ferstl wichtig, schließlich belasten diese die Gegend am stärksten – alles über 7,5 Tonnen könnte man aus Starnberg aussperren. Außer Anliegerverkehr, versteht sich. Ferstl: „Nach etwa einem Jahr wird man erkennen, ob eventuell noch Zusatzmaßnahmen, wie die Verbindung von der Waldkreuzung zur Gautinger Straße zum Gewerbegebiet, Bahnhof Nord oder zum Ostufer oder gar eine Verbindung zur A95 notwendig sind, wenngleich der Verbindungsverkehr und Mautfluchtverkehr zwischen A 95 und A 96 Angelegenheit des Bundes und Freistaates ist und nicht zu Lasten der Starnberger gehen kann.“

Ferstl sieht diese Lösung als einfach, schnell und billig an. Er hat ihn auch dem Staatssekretär im Innenministerium, Gerhard Eck, zukommen lassen. Eine Prüfung sei ihm zugesagt worden. Ferstls Idee allerdings hat ein paar Haken: Die Kreisstraße STA3 zwischen dem Ende der Westumfahrung und dem heutigen Waldkreisel ist in einem desolaten Zustand, weswegen der Landkreis einen Ausbau plant. Einen Termin gibt es dafür allerdings nicht. Zudem fehlt der Waldkreuzung als Kreisel die Kapazität, da der Bypass Richtung Süden nicht realisiert ist. Es gibt aber noch andere Probleme: Die A 952 als Zubringer zur A 95 würde dann an einer städtischen Straße enden; die Verlegung der B 2 würde allerdings nicht zu massiv weniger Verkehr dort führen. Ferstl setzt auf Grundbedürfnisse und glaubt, dass viele eine B2n annehmen würden: „Autofahrer wollen fahren und nicht stehen“, sagt er.

Experten sind skeptisch

Eine Verlegung der B 2 scheint beispielsweise dem Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Michael Kordon, kaum sinnvoll: „Ich glaube nicht, dass das eine zielführende Idee ist.“ Autofahrer interessierten sich nicht für den Status oder Namen einer Straße, sondern fürs Fortkommen. Eine solche Verbindung gebe es ja schon. Tatsache ist allerdings auch, dass die Umgehung Ober-/Unterbrunn nach der Fertigstellung schneller und stärker angenommen wurde. als Experten zuvor berechnet hatten. Dass der Bund sich durch eine Verlegung der B 2 vom Tunnel verabschieden will, hält Dr. Jürgen Busse, Vorsitzender des Vereins Umweltbewusste Verkehrsentlastung, für ausgeschlossen. Bei keinem Gespräche habe er diesen Eindruck gewonnen.

Und der Freistaat? Der winkt ab. In einer ersten Einschätzung teilte das Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit, „eine Verlegung des Verlaufs der B 2 auf andere bestehende Straßen ist aufgrund der derzeitigen Gegebenheiten demnach auf Basis des Fernstraßengesetzes rechtlich nicht möglich“. Es komme nämlich auch auf die überörtliche Rolle an und die Funktion der Straße im Gesamtnetz. „Auf kommunale verkehrspolitische Ziele kommt es dagegen nicht an“, teilte das Ministerium mit. Das hat auch Ferstl so mitgeteilt bekommen, der diese Einstellung nicht nachvollziehen kann.

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