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Großer Andrang bei der Anwohnerversammlung: Gut 250 Anlieger des Quartiers zwischen Hanfelder Straße und Bahnlinie waren in die Turnhalle am Hirschanger gekommen.

Starnberger Anwohnerversammlung

Was tun gegen den Schleichverkehr?

Starnberg - Was hilft gegen den Schleichverkehr in dem Quartier zwischen Hanfelder Straße und Bahnlinie? Mehr als 250 Anwohner informierten sich am Montagabend über die Pläne der Stadt und gaben ihre Meinung ab.

Am Ende der gut zwei Stunden hingen rund 30 weiße und gelbe Zettel an den Stellwänden. Darauf: Forderungen, Wünsche und Einwände der Anlieger des Quartiers zwischen Hanfelder Straße und Bahnlinie. „Radfahrer besser berücksichtigen“, stand da etwa geschrieben. Oder: „Mehr Verkehrskontrollen durch die Polizei.“ Oder auch: „Erreichbarkeit für Anwohner muss gewährleistet sein.“

Es sind quasi Hausaufgaben an die Verwaltung, Bürgermeisterin Eva John nannte sie „ganz wichtige Beiträge und Informationen“. Diese sollen jetzt gemeinsam mit den Vorschlägen des Planungsbüros SHP Ingenieure aus Hannover in ein tragfähiges Konzept gegossen werden.

Die Verkehrsplaner hatten zuvor ihre Ideen zur Diskussion gestellt, wie der Durchgangsverkehr in dem Viertel reduziert werden kann. Gut 250 von insgesamt 2150 persönlich eingeladenen Anwohnern und Eigentümern waren in die Turnhalle der Grund- und Mittelschule am Hirschanger gekommen.

Eine flächendeckende Tempo-30-Zone

Einfach umzusetzen und aus Sicht der Gutachter „empfehlenswert“, auch wenn die Durchfahrt des Quartiers zum Beispiel von der Hanfelder zur Münchner Straße weiterhin uneingeschränkt möglich wäre. Auch zahlreiche Anlieger sprachen sich dafür aus – allerdings gleich in Verbindung mit Polizeikontrollen oder sogar fest installierten Blitzern. „Ich lebe seit zehn Jahren dort und habe noch nie eine Kontrolle gesehen“, sagte ein Anwohner der Ferdinand-Maria-Straße stellvertretend für viele. Am Montag schien es, als ob es für eine flächendeckende Tempo-30-Zone breite Unterstützung gibt.

Ein- und Abbiegeverbote

Ein Vorschlag, der schnell vom Tisch war. Selbst die SHP-Ingenieure halten solche zusätzlichen Regelungen für nicht zielführend.

Sperrung der Ferdinand-Maria-Straße 

für den Autoverkehr im Bereich der Schule: „Das macht das Chaos komplett“, warnte ein Anwohner. Selbst wenn diese Sperrung die Hauptroute des Durchgangsverkehrs unterbrechen und damit das Verkehrsaufkommen gerade im Schulbereich stark verringern würde, scheint eine Zustimmung der Anwohner eher unwahrscheinlich.

Gegenläufige Einbahnstraßen

Die SHP-Planer können sich vorstellen, die Straße Am Kreuth (nach Süden), den Riedener Weg (nach Norden), die Himbselstraße (nach Westen) und die Otto-Gaßner-Straße (nach Osten) zu Einbahnstraßen zu machen. Entscheidender Vorteile nach Ansicht der Ingenieure: Eine solche Neuregelung würde die Hauptroute des Schleichverkehrs unterbrechen und diesen dadurch minimieren. Allerdings kann selbst SHP nicht ausschließen, dass sich der Durchgangsverkehr dann nach Norden verlagert.

Gerade Anwohner der Blumensiedlung befürchten so eine erhebliche Verschlechterung. „Wir werden dann abgeschnitten von Altenheim, S-Bahn und Tengelmann“, warnte eine Anwohnerin. „Wie komme ich dann aus meinem Quartier heraus?“, sorgte sich eine Nachbarin.

Auch aus dem Riedener Weg gab es kritische Stimmen, was die Einbahnregelungen anbelangt. „Wenn ich anstatt einem Kilometer dann zwei oder drei Kilometer durch das Wohngebiet fahren muss, ist das Unsinn“, sagte eine Anliegerin. Es sei schlicht unzumutbar, wenn es nicht mehr möglich sei, über den Riedener Weg Richtung B 2 zu fahren, betonte ein Anwohner aus der Oberholzstraße. „Bitte, bitte keine Einbahnstraßen“, flehte ein anderer.

„Einbahnstraßen funktionieren überall auf der Welt“, entgegnete ein ehemaliger Elternbeirat. „Wir sollten professionellen Planern eine Chance geben“, sagte ein Anwohner, der seit 30 Jahren in dem Quartier lebt. Ob diese Idee weiterverfolgt wird, scheint derzeit offen.

Vereinzelte Baumaßnahmen,

zum Beispiel Straßenverengungen (in der Grafik türkis): Die Planer können sich an drei Kreuzungen auch bauliche Veränderungen vorstellen: Leutstettener Straße/Riedener Weg, Ferdinand-Maria-Straße/Josef-Sigl-Straße/Riedener Weg sowie Ferdinand-Maria-Straße/Himbselstraße/Schulstraße. Dort seien die Kreuzungen aktuell zu breit, erklärte Diplom-Ingenieurin Sabrina Steiger. Neben Einengungen der Fahrbahnen sei auch das Anlegen von Fahrradstraßen denkbar. „Unglaublich, was sich da abspielt“, sah auch eine Schülerlotsin Handlungsbedarf.

Über die Hanfelder Straße wurde am Montagabend nicht explizit gesprochen, dennoch befürchteten mehrere Anlieger dort eine weitere Zunahme des Verkehrs, sollten Maßnahmen in dem benachbarten Quartier greifen. „Sollen wir den ganzen Verkehr schlucken?“, fragte eine gebürtige Starnbergerin, die seit 32 Jahren an der Hanfelder Straße lebt. Schon jetzt sei es dort „nicht mehr lebenswert“, sagte sie verzweifelt. Für Bürgermeisterin John eine nachvollziehbare Kritik, aber: „Die Konsequenz darf nicht sein, dass wir überall die Flügel hängen lassen, wenn wir Umfahrung oder Tunnel so schnell nicht hinkriegen.“

Genau diese große Lösung forderten aber einige Teilnehmer ein. „Mit den Maßnahmen ist nichts zu erreichen“, sagte ein Ur-Starnberger unter lautem Beifall. „Ohne Lösung des Problems auf der B 2 wird nichts rauskommen.“

Wie es jetzt weitergeht?

SHP kann sich das flächendeckende Tempo 30 sowie die gegenläufigen Einbahnstraßen in einem einjährigen Testversuch vorstellen, die kleineren Baumaßnahmen sowie eine Umgestaltung der Quartierszufahrten (in der Grafik orange, zum Beispiel als Gehwegüberfahrten markiert) gelten als „mittelfristige Maßnahmen“. Die Bürger sind aufgefordert, noch bis zum 25. November ihre Ideen, Vorschläge und Meinungen ans Rathaus zu schreiben (Stadt Starnberg, Bauamt, Vogelanger 2, 82319 Starnberg).

Bürgermeisterin John wollte bereits gestern die übergeordneten Verkehrsbehörden informieren. Das fertige Konzept will sie erneut den Anliegern und dann dem Stadtrat vorlegen. Ihr Wunsch: „Wir sollten uns auf den Weg machen, das Thema gemeinschaftlich zu lösen.“

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