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Schutz vor dem Biber: Barbara und Hans Zellmer wollen den Vegetarier mit einem Estrichgitter von ihrem Apfelbaum fernhalten. Doch eigentlich freut sich das Ehepaar in der Wassersportsiedlung über den Besucher.

Wassersportsiedlung

Mein Freund, der Biber

Starnberg – Ein Biber sorgt für Aufsehen bei Anwohnern der Wassersportsiedlung. Eine Expertin geht aber davon aus, dass sich das Nagetier nicht in deren Garten ansiedeln wird.

Familie Zellmer hat ein ganz besonderes Verhältnis zu einem Biber. Seit kurzem geht der Nager bei dem Ehepaar in der Starnberger Wassersportsiedlung ein und aus. „Es ist lustig, amüsant – wir freuen uns“, sagt Hans Zellmer. Der neue Freund muss sich aber an ein paar Regeln halten: Der Gartenteich ist tabu. „Um meinen 20 Jahre alten Koi-Karpfen wäre es sehr schade“, betont Zellmer. „Der frisst mir aus der Hand.“ Am 29. Juli bemerkte Barbara Zellmer das erste Mal den Besuch. Ein lautes Schmatzen um halb fünf in der Früh weckte sie. „Es hat geknackt“, erzählt die 70-Jährige. „Ich dachte, das sind die Wasserpumpen vom Nachbarn.“ 

Siedelt sich der Biber im Garten an? Expertin hält es für ausgeschlossen

Die Bissspuren sind eindeutig von einem Biber.

Es war aber der Biber, der im Garten der Zellmers neben umgeworfenen Blumentöpfen und Zwergen einige Spuren hinterließ. An acht Stellen hat er zugebissen: an Holzzäunen, am Apfelbaum, am Flieder und an der Tür zum Bootshaus. „Das ist kein Beinbruch“, sagt Hans Zellmer, „das sind ja nur kleine Schäden.“ Der ärgerlichste Biss ist nämlich ein anderer: „Das Verrückte ist, dass er auch das Kabel an der Wasserpumpe im Teich durchgebissen hat.“ Das Problem: Die Pumpe regelt den Wasserpegel des Teichs – und der wiederum sorgt dafür, dass das Haus der Zellmers auch bei Hochwasser trocken bleibt. Daher sagt der 73-Jährige: „Der Biber kann kommen, aber er soll die Stromkabel nicht durchbeißen.“ Ansonsten habe er viele Tiere im Garten. „Das ist schön, das ist Natur.“ 

Und die liebt Hans Zellmer, der, so sagt er selbst, einen Wassertick hat. Als Kind habe er am Starnberger Georgenbach jeden Tag einen Damm gebaut – wie sein neuer tierischer Freund. Das Ehepaar Zellmer erzählt gerne Geschichten, auch über ihre Tiere im Garten – sogar Witze mit Tieren haben sie auf Lager. Der Biber im eigenen Garten ist eine weitere schöne Anekdote für sie. Ihre Hoffnung: „Wenn wir nur ein Foto von ihm machen könnten.“ Eine Befürchtung gibt es aber: Dass sich das geschützte Tier den Garten mitsamt Teich nach seinen mittlerweile drei Besuchen als neue Heimat ausgesucht hat und demnächst seine Familie mitbringt. Das hält Biberberaterin Ursula Madecker von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt aber für ausgeschlossen. „Er wird im Garten was gefunden haben, was ihm schmeckt.“ Die Expertin war bei Familie Zellmer vor Ort und urteilt: „Der Teich ist sehr nahe am Haus. Im Umfeld gibt es geeignetere Lebensräume.“ 

Zellmer hat auch einen Marder: "Der will schlafen, also spiele ich Trompete"

Den Bissspuren zufolge handele es sich „um keinen ganz kleinen Biber“. Den Irrweg durch den Garten der Zellmers mitsamt der freigebissenen Löcher im Gartenzaun erklärt sich Madeck so: „Eigentlich ist es ein sehr intelligentes Tier, aber er fand wohl nicht wieder zurück.“ Der Biber habe gar einen Intelligenzquotienten, der einem Kleinkind ähnelt. Der schlaue Vegetarier sucht sich für seine Besuche aber alltagsunfreundliche Zeiten heraus. „Ich würde ihn gerne beobachten“, sagt Hans Zellmer, „aber er kommt immer nachts.“ Sollte die Freundschaft vor der ersten Begegnung dann doch lästig werden, weiß sich Zellmer zu helfen. „Wir haben auch einen Marder. Der will schlafen, also spiele ich Trompete.“ Schön hört sich das dann nicht an, gibt Zellmer zu. Aber er ist sicher, dass sich damit auch der Biber vertreiben lassen würde.

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