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Zentimeter für Zentimeter öffnet Markus Otter die Wehrschützentafeln beim früheren Kraftwerk im Mühltal. Karlheinz Daamen, Georg Rest, die Seeanrainer Willi Lindner und Anton Dreher sowie Abteilungsleiter Markus Brandtner (v.l.) sind aufmerksame Zeugen. 

Naturversuch im Mühltal

Die Würm im freien Fluss

Starnberg - Der Naturversuch läuft: Seit gestern sind drei der vier Schützentafeln am Wehr im Mühltal geöffnet. Das soll sieben Tage so bleiben. Nicht nur das Wasserwirtschaftsamt erhofft sich Aufschluss, ob sich über die Würm der Pegel des Starnberger Sees besser regulieren lässt.

 „Für uns ist heute Weihnachten.“ Willi Lindner spricht aus, was Anton Dreher kopfnickend bestätigt. Der Seeanlieger und der Werftbesitzer (Rambeck) kämpfen schon seit Jahren dafür, die Würm als einzigen natürlichen Abfluss des Starnberger Sees effektiver zu nutzen, um ein Hochwasserereignis schneller in den Griff zu bekommen. Jahrelang war das für die beiden wie ein Kampf gegen Windmühlen. Sie fanden beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim nicht den erwünschten Widerhall.

Aber Dreher und Lindner ließen nicht locker. Sie schalteten auch die Staatsregierung ein – in Person des derzeitigen Leiters der Staatskanzlei, Minister Dr. Marcel Huber. Der war nämlich zuvor Chef im Umweltministerium und in dieser Funktion oberster Dienstherr des Wasserwirtschaftsamtes. „Der kennt sich aus“, ist sich Lindner sicher. Und sieht sich in dem jetzt angesetzten Naturversuch des Wasserwirtschaftsamtes bestätigt. Die Behörde hatte bislang auf Vorhaltungen Drehers und Lindners stets auf einen Versuch vor fünf Jahren verwiesen, der keine messbaren Erkenntnisse gebracht habe.

Die Meinung der beiden Seeanrainer, dass der damalige Versuch untauglich gewesen sei, weil zu kurz angesetzt, hat sich offensichtlich mittlerweile im Wasserwirtschaftsamt durchgesetzt. Der für den Landkreis Starnberg zuständige Abteilungsleiter Markus Brandtner (er ist seit gut einem Monat im Amt) bestätigt, der Versuch im Jahr 2011 sei bei so genanntem Mittelwasser nur auf drei Tage angesetzt gewesen. Jetzt würden drei der vier Wehrschützentafeln sieben Tage geöffnet bleiben. Die vierte Schützentafel ist nur elektrisch zu bedienen, Strom gibt es aber in dem ehemaligen Würm-Kraftwerk nicht mehr. Zudem habe man es aktuell mit einem leicht erhöhten Wasserabfluss aus dem Starnberger See zu tun, der Pegel bewege sich 19 Zentimeter über Normal.

Im Laufe des Versuchs werden Brandtners Mitarbeiter alle fünf Minuten an sechs Messpunkten den Pegelstand ablesen: beim Wehr, an der Brücke über die Würm, in Leutstetten, Petersbrunn, an der Brücke im Zuge der A 952 und am Seeauslauf. Drei 5-Minuten-Werte werden zu einem 15-Minuten-Mittelwert zusammengezogen und für die spätere Auswertung notiert.

Dreher und Lindner erhoffen sich, dass das Öffnen des Wehrs nachhaltig zur Absenkung des Seespiegels beiträgt. „In den vergangenen Jahren ist der Seepegel nach einem Hochwasser um maximal einen halben Zentimeter täglich gesunken“, sagt Werftbesitzer Dreher. „Früher war es ein Zentimeter pro Tag. Und da wollen wir wieder hin.“

Mit Lindner ist sich Dreher einig, in dem neuen Abteilungsleiter Brandtner einen „sachlichen und gewissenhaften“ Ansprechpartner gefunden zu haben. Zufrieden haben auch Josef Königsdorfer und Manfred Fleischmann das Wehr im Mühltal wieder verlassen. Die beiden Mitglieder des Kreisfischereivereins haben sich überzeugt, dass bei dem Naturversuch alles mit rechten Dingen abläuft und für die Fischzucht des Vereins, nur einen Steinwurf flussabwärts entfernt, keine Gefahr besteht.

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