Alois Obermayr aus Oberpfaffenhofen war zwei Stunden lang in den Fängen eines Trickbetrügers, fiel letzten Endes auf die üble Masche aber nicht herein. Foto: Stefan Schuhbauer-von Jena

Vorsicht, falscher Rechtsanwalt!

Trickbetrüger entlarvt: Jetzt will er alle warnen

Oberpfaffenhofen - Trickbetrügern am Telefon fallen immer neue Gemeinheiten ein, wie sie Menschen übers Ohr hauen wollen. Alois Obermayr aus Oberpfaffenhofen hat so einen Anruf erlebt – und will jetzt alle warnen.

Alois Obermayr (77) ist keiner, der auf der Brennsuppn dahergschwommen ist. 40 Jahre hat er bei Dornier gearbeitet, hat Instandsetzungen für Großflugzeuge kalkuliert. Und dennoch hat er sich zunächst wenig dabei gedacht, als ihn dieser Tage morgens um halb zehn ein „Rechtsanwalt Ziegler aus der Rechtsabteilung der Rentenversicherung“ angerufen hat und anfing, von einem Vertrag zu erzählen, den Obermayr angeblich im Jahr 2010 abgeschlossen habe.

Dieser Herr Ziegler sei sehr freundlich gewesen, fast zuvorkommend, erzählt Obermayr dem Starnberger Merkur. Und: „Der hat mir gleich am Anfang meine Rentennummer gesagt. Ich habe sofort nachgeschaut: Die hat gestimmt.“ Dann habe der Anrufer seine Geschichte aufgesagt: „Ich hätte diesen Vertrag seinerzeit mit einer thailändischen Firma abgeschlossen und vergessen zu kündigen. Nun müsste ich zehn Monate lang jeweils 356 Euro bezahlen.“

Vertrag? Thailand? 356 Euro im Monat? Obermayr konnte sich – natürlich – an nichts erinnern. Aber: „Dieser Mensch hat mich so belabert, dass ich es einen Moment lang geglaubt habe.“ Zumal da ja die Sache mit der richtigen Rentennummer war.

Dieser Moment langte dem falschen Herrn Ziegler offenbar, um sein ganzes Repertoire abzurufen. Er redete, beantwortete Fragen, verabschiedete sich einmal sogar kurz, um parallel mit „dem Rechtsanwalt der Firma aus Bangkok“ zu telefonieren. „Dann rief er gleich wieder an.“ Eine klassische Masche von Trickbetrügern: Sie wollen ihre Opfer vermeintlich in Sicherheit wägen, ihnen aber keine Zeit lassen, eigene Recherchen anzustellen oder Bekannte oder Verwandte hinzuzuziehen.

Irgendwann ließ sich „Rechtsanwalt Ziegler“ zwar von insgesamt 3560 auf 2600 Euro herunterhandeln, übte gleichzeitig aber Druck aus. Er sprach von einer neuen Regelung, wonach Teile der Rente gepfändet werden könnten, wenn Obermayr nicht zustimme.

Er gab dem Rentner eine Adresse und forderte ihn auf, das Geld via Postbank und Western Union anzuweisen. „Wenn ich gefragt werde, wo das Geld hinsolle, sollte ich antworten: Das ist privat und geht nach Bangkok. Und wenn ich gefragt werde, ob ich den Empfänger kenne, sollte ich Ja sagen.“

In diesem Moment wurde Obermayr stutzig. „Ich habe mir gedacht: Da stimmt doch was nicht.“ Der 77-Jährige legte auf – nach geschlagenen zwei Stunden am Telefon.

Kurz darauf meldete sich „Rechtsanwalt Ziegler“ natürlich wieder. „Da habe ich ihm gesagt, dass er ein Betrüger ist. Dann hat er sich recht aufgeführt. Aber seitdem ist Ruhe“, berichtet Obermayr.

Er schüttelt noch immer den Kopf, wenn er an dieses unheimliche Telefonat denkt – und ist heilfroh, letzten Endes nicht auf die Betrüger reingefallen zu sein. „Man hört ja immer wieder von solchen Anrufen. Aber am Anfang habe ich die Geschichte tatsächlich geglaubt, weil ja auch die Rentennummer gestimmt hat.“

Diese Tatsache kann sich auch Stefan Braatz, der stellvertretende Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung, nicht erklären, weil die Nummer in der Regel nur Rentnern, Versicherten, Krankenkassen und Arbeitgebern vorläge. Er warnt allerdings auch: „Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung rufen nicht an und verlangen am Telefon Geld oder sensible Daten von Versicherten und Rentnern“, sagt er. „Bitte gehen Sie darauf nicht ein.“ Die Rentenversicherung hat sogar eigens eine Broschüre mit Tipps herausgegeben.

Alois Obermayr hat letzten Endes jedenfalls alles richtig gemacht, er hat auch die zuständige Polizei in Herrsching verständigt. Wie gesagt: Der 77-Jährige ist ja auch nicht auf der Brennsuppn dahergschwommen.

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