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Nasir Yarzadeh hilft gerne und ist in den Zimmern der Patienten ebenso gerne gesehen. Der 20-jährige Afghane gibt Essen, hilft vom Rollstuhl ins Bett – was Patienten, wie hier nach einem Schlaganfall, alleine schwer fällt.

Pflegekurs im Beringerpark

"Mein Hobby ist zu helfen"

Tutzing Mit einem intensiven Kurs an der Akademie Beringerpark wurden 19 Asylbewerber an den Pflegeberuf herangeführt.

Acht intensive Kurswochen, dann sollen Asylbewerber als Pflegeassistenten in Pflegeheimen oder Krankenhäusern helfen können. So einfach lautet das Konzept eines Kurses an der Tutzinger Akademie Beringerpark. In einer ersten Auflage nahmen 19 Asylbewerber teil. Der Erfolg ist groß: Die meisten von ihnen wollen in der Pflege arbeiten.

 „Der Kurs war sehr wichtig für mich“, sagt Nasir Yarzadeh, „ich habe viel gelernt.“ Neben vielen Fächern wie Ernährungslehre, Erste Hilfe, Hygiene, Kommunikation gab es einen Deutsch-Kurs. Vor allem ging es dabei um Vokabeln aus dem Pflege-Alltag. Nicht einfach, weil die Kursteilnehmer aus neun Nationen – etwa Eritrea, Ghana, Irak, Syrien oder dem Kongo – unterschiedliche Voraussetzungen mitbrachten. 

Natürlich lief das nicht von Anfang an rund, sagt Kursleiterin Christina Picker. „Aber sie sind als Gruppe zusammengewachsen, da wurden Freundschaften geknüpft.“ Picker gibt zu: „Wir hatten unsere Bedenken. Es waren sehr viele junge Männer dabei.“ Wie würden sie damit umgehen, wenn sie ältere Damen im Pflegeheim waschen müssen? „Sie haben es sehr gut gemacht“, sagt Picker, „sie verehren alte Leute sehr.“

 Drei Analphabeten hätten teilgenommen. „Sie waren noch nie in einer Schule, das war ihnen verboten. Sie wären erschossen worden“, sagt Kursleiterin Christina Picker. Natürlich müssten sie weiterhin Deutschkurse nehmen. Jutta Rieck, eine der Deutsch-Lehrerinnen, ist vom Konzept des Kurses begeistert. „Krankenhäuser und Altenheime warten auf die Leute. Es ist keine Zeit, um sie fünf Jahre in die Schule zu schicken“, sagt die 49-jährige Hechendorferin. „Wir sollten sie schnell in die Praxis bringen.“ Natürlich sei nicht die gesamte deutsche Grammatik innerhalb von acht Wochen vermittelbar. Es reiche aber „ein schönes Präsens und Präteritum. Die Hälfte der Teilnehmer ist sehr gut geworden, das hätte ich nie gedacht.“ 

Auch Nasir Yarzadeh spricht bereits sehr gut deutsch – so, dass er im Alltag nur selten nachfragen muss. Nach dem Kurs begann er ein Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitet im Feldafinger Krankenhaus. Die Patienten freuen sich, wenn er das Zimmer betritt. „Wenn ein Patient lacht, ist das eine sehr schöne Zeit“, sagt er. Glücklich sei er, wenn er dazulerne. Das Internet half ihm zusätzlich, die Sprache zu lernen. Sein hohes Engagement soll nach dem Kurs nicht enden: „Ich möchte eine Ausbildung als Krankenhaus-Pfleger machen, vielleicht danach noch studieren.“ Schon als Kind wollte er Arzt werden. Wie weit sein Weg in Deutschland geht, entscheiden die Behörden – mit seinem Asylantrag. Darf er bleiben, möchte Yarzadeh die Ausbildung antreten – ein Vertrag des Krankenhauses liegt schon vor. 

Yarzadeh ist nur eines der positiven Beispiele. Selbstverständlich ist der Erfolg nicht, wie Kursleiterin Picker sagt. Es gibt kulturelle Unterschiede. „Anfangs fanden es manche komisch, dass so viele Frauen im sozialen Bereich Chefs sind. Ihnen fallen Dinge auf, die uns gar nicht auffallen.“ Yarzadeh ist Moslem und hatte sich bereits über die deutsche Kultur informiert. Hand geben, in die Augen schauen, Frauen als Kolleginnen. „Das war neu für mich“, sagt er. Aber es ist für ihn kein Problem. „Ich bekomme Respekt und respektiere alle.“

 Das Konzept des Kurses hat sich bewährt. Am 21. November ist eine zweite Auflage des Kurses geplant. Erneut mit Leiterin Picker? Sie habe in den ersten Kurs 200 ehrenamtliche Stunden hineingesteckt. „Bisher habe ich aber noch keine verbindliche Anfrage“, sagt sie. Jedenfalls sollen weitere Asylbewerber die Möglichkeit bekommen, im Pflegeberuf Fuß zu fassen – und ähnlich erfolgreich sein wie Nasir Yarzadeh. „Mein Hobby ist zu helfen“, sagt der 20-Jährige. Er hofft, dass er das noch länger darf.

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