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Der Ballon und die Retter: Großeinsatz am Samstag auf dem Starnberger See.

Tutzing

Jetzt spricht der Ballon-Pilot: „Das war eine kontrollierte Notwasserung“

25 Jahre lang ist alles gut gegangen. So lange ist der Tutzinger Rudolf Klein (62) Ballonpilot. Am Samstag wollte er wie so oft mit Gästen den Starnberger See überqueren, bei Nordwestwind schräg hinüber zum Ostufer, in Richtung Holzhausen. Aber dann kam alles anders.

Tutzing/Seeseiten – „Kurz vor dem Erreichen des anderen Ufers bei Ambach bemerkte ich, dass der Wind komplett nachlässt und außerdem die Richtung dreht“, berichtete Klein am Sonntag dem Starnberger Merkur. Vorhergesagt gewesen sei stärkerer Wind. Einer seiner Kollegen am Chiemsee habe aus diesem Grund für den selben Tag sogar eine Ballonfahrt abgesagt.

Als der Ballon nur noch 200 oder 300 Meter vom Ostufer entfernt war, wurde dem Tutzinger klar, dass er das Ufer nicht mehr erreichen konnte. Gas für zwei Stunden hatte er dabei. Normalerweise dauert eine solche Ballonfahrt nach seinen Worten eine Stunde und 15 bis 30 Minuten. Als er erkannte, dass es nicht mehr zu schaffen war, hat er sofort getan, was in Notsituationen vorgesehen ist. Er setzte einen Notruf ab. Für solche Fälle wird ein langes Seil mitgeführt, an dem der Ballon, wenn er sich noch in der Luft befindet, von einem Boot ans Ufer gezogen werden kann. Das versuchte die Wasserwacht, nachdem sie eingetroffen war, auch am Samstag, aber es klappte nicht ausreichend.

Klein zog die Konsequenzen: „Als ich merkte, dass wir auch mit Hilfe des Bootes nicht mehr ans Ufer kommen würden, habe ich den Ballon bewusst aufs Wasser gesetzt, um die Ballongäste aussteigen lassen zu können.“ Von einem Absturz, wie verschiedentlich behauptet, könne keine Rede sein, bekräftigte er: „Es war eine kontrollierte Notwasserung wegen zu geringen Windes.“ Die Hitze hielt den Ballon weiter aufrecht. Zu diesem Zeitpunkt war der Ballon schon wieder in Richtung Westufer, etwa auf Höhe von Seeseiten, getrieben worden.

Mittlerweile waren fünf Boote der Wasserwacht eingetroffen. Von den neun Personen – für so viele ist der Ballon nach Kleins Angaben zugelassen – stiegen fünf Passagiere trockenen Fußes in die Boote um. Dabei hob sich der Ballon wegen des Gewichtsverlustes wieder ein wenig in die Luft. In dieser Phase sprangen zwei der Passagiere ins Wasser, weil die Boote zu weit weg waren, um sie trocken erreichen zu können. Von den Wasserwacht-Helfern wurden sie gleich ins Boot gezogen. Klein war zu diesem Zeitpunkt mit dem letzten verbliebenen Passagier noch im Ballonkorb. Beim letzten Aufsetzen wurden sie ins Wasser geschleudert. Der Passagier blieb dabei im Seil hängen und zog sich eine leichte Verletzung am Finger zu.

„Das ist der erste Vorfall dieser Art in 25 Jahren“, sagte Klein, der das alles sehr bedauert, gestern. Die Staatsanwaltschaft ist von der Starnberger Polizei über den Vorfall informiert worden. Die Beamten haben den Ballonkorb und notwendige Unterlagen gesichert. Sachverständige werden eingeschaltet werden, auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) wird sich wohl mit der Angelegenheit befassen, meint Klein. Mit einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen sei am heutigen Montag zu rechnen, teilt die Polizei mit.

Mit einigen Passagieren hat Rudolf Klein gestern gleich Kontakt aufgenommen. Sie haben sich nach seinen Worten sehr angetan über die souveräne und kontrollierte Art der Notlandung gezeigt. Schon vor der Notwasserung seien sie alle ruhig geblieben: „Ich habe ihnen erklärt, dass keine Gefahr besteht.“     nz

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