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Teures Luxusobjekt: Die denkmalgeschützte Villa Stolberg hat der Kronprinz von Thailand gekauft.

Berg, Feldafing, Pöcking, Tutzing

Der ferne Traum vom Eigenheim

Bezahlbarer Wohnraum wird im Fünfseenland immer knapper. Vor allem rund um den Starnberger See sind Haus oder Wohnung kaum noch zu finanzieren.

Geschätzte zehn Millionen Euro hat der Kronprinz von Thailand für den Kauf der denkmalgeschützten Villa Stolberg in Tutzing gezahlt. Ein absolutes Luxusobjekt, gewiss – aber auch wer ohne eigenen Seezugang wohnen möchte, muss mittlerweile verdammt tief in die Tasche greifen. Wie sehr die Preise in den Seegemeinden angestiegen sind, verdeutlicht der kürzlich vorgestellte Jahresbericht des Gutachterausschusses des Landratsamtes.

Darin liegen Tutzing, Feldafing, Pöcking und Berg einträchtig an der Spitze, was die Preise anbelangt. Nirgendwo sonst im Landkreis ist Wohnen so teuer wie dort.

Nicht nur Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim sieht die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum deshalb auch als eines der drängendsten Problem der nächsten zehn Jahre an. „Ich möchte, dass sich ein normal verdienender Feldafinger auch weiterhin eine Wohnung in Feldafing leisten kann“, sagt er. Ganz ähnlich äußert sich auch sein Berger Amtskollege Rupert Monn.

In seiner Gemeinde beispielsweise wurden in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 45 Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser verkauft, dazu kamen gerade einmal 15 Wohnungen. Für ein Einfamilienhaus wurden im Schnitt 1 675 000 Euro bezahlt. Mit einer Grundstücksgröße von durchschnittlich 1900 Quadratmetern haben die Berger aber auch so viel Garten wie niemand anders im Fünfseenland. Eine Doppelhaushälfte mit 410 Quadratmetern Grund kostete im Schnitt 740 000 Euro.

Bei den Wohnungspreisen gibt es aufgrund der geringen Anzahl nur eine halbwegs aussagekräftige Zahl: Für eine Neubauwohnung mit mehr als 130 Quadratmeter Wohnfläche wurden in Berg im Schnitt 9600 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, insgesamt also weit über eine Million. Das ist rekordverdächtig.

Noch düsterer, was das Eigenheim anbelangt, sieht es für Otto Normalverdiener in Feldafing aus. Dort wechselten 30 Häuser den Besitzer. Die Durchschnittspreise lagen bei sagenhaften 1 780 000 Euro für ein Einfamilienhaus (mit im Schnitt 1500 Quadratmeter Grund) und bei 860 000 Euro für eine Doppelhaushälfte (mit im Schnitt 595 Quadratmeter Grund). In beiden Segmenten hat der Quadratmeterpreis also längst die Tausend-Euro-Marke durchbrochen.

Immerhin 39 Wohnungen wurden im selben Zeitraum in Feldafing verkauft, doppelt so viele wie in den beiden Jahren zuvor. Bei Neubauwohnungen zwischen 51 und 110 Quadratmeter Wohnfläche pendelten sich die Preise zwischen 4700 und 4850 Euro pro Quadratmeter ein.

In Pöcking schauen die Zahlen wenig anders aus. 37 Häuser wurden verkauft: ein Einfamilienhaus mit durchschnittlich 1340 Quadratmeter für im Schnitt 1,5 Millionen Euro, eine Doppelhaushälfte mit 500 Quadratmeter Grund für 740 000 Euro.

Interessant: Unter den 26 verkauften Wohnungen befanden sich auch Altbau-Appartements mit maximal 50 Quadratmeter Wohnfläche. Kaufpreis für die 35 bis 45 Jahre alten Wohnungen: 2900 bis 3600 Euro pro Quadratmeter. Preise, die finanzierbar erscheinen – jedoch Wohnungsgrößen, die für Familien viel zu klein sind.

Bleibt schließlich Tutzing: Und schon vor dem Immobiliengeschäft des Thai-Prinzen lagen die Preise für ein Einfamilienhaus in der 9700-Einwohner-Gemeinde so hoch wie nirgendwo sonst in der Gegend. Es kostete (mit im Schnitt 1580 Quadratmeter Grund) stattliche 1,8 Millionen Euro. Eine Doppelhaushälfte (mit 435 Quadratmeter Grund) wurde im Schnitt mit 685 000 Euro beziffert – ein Wert, der bereinigt allerdings deutlich höher liegen dürfte. Im Berichtszeitraum wurden nämlich gleich mehrere ältere Doppelhaushälften veräußert, zum Teil sogar vor dem Baujahr 1970, für die naturgemäß weniger verlangt werden können als für Neubauten. Mit 61 verkauften Wohnungen lag Tutzing an der Spitze der Seegemeinden. Der Preis für Neubauwohnungen mit 51 bis 130 Quadratmeter Wohnfläche betrug zwischen 5000 und 5400 Euro pro Quadratmeter.

Und die Preise dürften weiter steigen – vor allem weil es so gut wie kein Angebot gibt. Das Internetportal immowelt.de listete gestern Nachmittag in den vier Gemeinden gerade einmal 29 Häuser zum Kauf und zehn Wohnungen zum Mieten an.

Eine Entwicklung rund um den Starnberger See, die alle Eigentümer freut, viele andere nachdenklich stimmt und Politiker nach Lösungen suchen lässt. Bergs Bürgermeister Rupert Monn bringt es stellvertretend für viele auf den Punkt: „Eine gewisse Nachverdichtung in den einzelnen Ortsteilen ist sicherlich sinnvoll und auch erforderlich, ohne den jeweiligen Gebietscharakter zu verändern.“

Ansonsten bleibt der Wunsch vom Eigenheim auch für viele Einheimische nur ein ferner Traum.

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