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Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

Schläge, Angst, Wurf mit Holzscheit

Tutzing – Szenen einer Ehe vor dem Richter: Freispruch für eine angeklagte Noch-Ehefrau und ihren Bruder.

Szenen einer Ehe vor dem Starnberger Amtsgericht: Es ging um den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Opfer: der Ehemann. Formal waren die beiden Strafverfahren zwar abgetrennt worden, doch inhaltlich hatten sie sehr wohl miteinander zu tun. Eine 29-jährige Frau aus Tutzing war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, ihr ein Jahr jüngerer Bruder aus München wegen Bedrohung. In beiden Fällen hatte es Auseinandersetzungen mit dem Ehemann der Frau gegeben. Die Frau, von Beruf Erzieherin, lebt zwar seit zwei Jahren getrennt vom Vater ihrer kleinen Tochter, doch hatte es zuvor immer wieder heftige Turbulenzen gegeben, die auch Polizei und Jugendamt beschäftigten. 

Im März 2014 soll ein Streit zwischen den Eheleuten in der gemeinsamen Wohnung derart eskaliert sein, dass die Tutzingerin ihrem Mann laut Anklage „Fußtritte barfuß ins Gesicht“ versetzt und ihm mehrere schwere hölzerne Gegenstände an den Kopf geworfen haben soll, darunter eine schwere Buddha-Figur und ein Holzscheit – dabei hatte der Grafik-Designer einen Nasenbeinbruch erlitten. Die Beschuldigte bestritt unter Tränen die Fußtritte und den Buddha-Wurf. „Der wäre mir viel zu schwer gewesen“, so die zierliche Frau, die laut Anwalt „1,58 m groß, 46 Kilo schwer“ ist. Sie sagte, sie habe ihren Mann auch mit dem Holz-scheit nicht verletzen wollen, sondern aus purer Notwehr gehandelt. 

Tatvorwurf konnte "nicht zweifelsfrei bestätigt werden"

Der habe sie da-mals nämlich in den ersten Stock des Hauses gezerrt, oben mehrfach mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen und auf ihren Kopf eingetreten – womöglich sei er bei diesem Exzess „unter Drogen gestanden“, so die Angeklagte. Als jener wieder die Treppe hinuntergelaufen sei, habe sie ihm das Holzscheit nachgeworfen. „Ich hatte einfach Angst, dass er noch mal kommt“, rechtfertigte die 29-Jährige dies als subjektive anhaltende Notwehrsituation. „Es gab schon früher oft Gewalt.“ Auch bei einem Vorfall im April 2014 sollen die Fetzen geflogen sein: Dabei soll sie ihm eine Mineralwasserflasche auf den Kopf geschlagen haben – was sie vor Gericht gleichfalls bestritt. Die Flasche sei beim Gerangel zu Bruch gegangen. 

Der Staatsanwalt wie auch Richterin Christine Conrad blieben letztlich auf die Notwehr-Version der Angeklagten angewiesen, nachdem der als Zeuge geladene Anzeigeerstatter von seinem Aussageverweigerungsrecht als (Noch-)Ehemann Gebrauch machte – so kam es zu einem raschen Freispruch. Ähnlich lief es danach in der Verhandlung gegen den Bruder der Tutzingerin wegen Bedrohung: Der 28-jährige Bahn-Elektroniker soll seinem Schwager im Oktober damit gedroht haben, ihn „in die ewigen Jagdgründe zu befördern“, falls dieser die Schwester nochmals misshandle. Der Grafikdesigner schwieg als Zeuge, seine Mutter belastete den Angeklagten: Er sei auf ihren Sohn „losgegangen“. Das Ergebnis war ein Freispruch für den Münchner, weil „der Tatvorwurf nicht zweifelsfrei bestätigt“ werden konnte. Zwischen den Noch-Eheleuten läuft die Scheidung, beim gemeinsamen Haus die Zwangsversteigerung.

Von Thomas Lochte

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