Symbolbild

4. See-Jazz-Festvial

Süffig, leicht und sehr verführerisch

Tutzing - Das 4. See-Jazz-Festival neigt sich dem Ende entgegen. Dies aber  gscheit. Jazz Police begeisterte das Publikum auf dem Museumsschiff in Tutzing. Einmal gibt's noch eine Gelegenheit dabei zu sein, leider nicht wie geplant auf der Roseninsel.

Jazz an einem lauen Sommerabend am Starnberger See: Man könnte sich dafür kaum etwas Passenderes vorstellen, als das geschmeidige Programm von „Jazz Police“, einem Trio, das vor zwei Jahren schon einmal auf dem Museumsschiff Tutzing gastiert hatte und nun auch das 4. See-Jazz-Festival bereicherte. Diesmal vertrat der Berliner Gitarrist Christoph Müller den wegen eines noch größeren Festivals unabkömmlichen Andreas Dombert, aber „Jazz Police“-Gründer Andreas Otto Schellinger, zuständig für Kontrabass und Gesang, sowie der höchst vielseitige Schlagzeuger Manfred Mildenberger waren zur Stelle, um ein musikalisch süffiges Konzert abzuliefern.

Markenzeichen dieser Art von „Polizei“ ist es, kurz gesagt, weltberühmte Stücke des musikalischen Pop-Kanons aufs Wesentliche zu reduzieren, ohne es allzu stark zu verfremden – im Gegenteil: Dort, wo das Original aus Gründen der Song-Ökonomie ein Thema nicht vollständig ausreizt, gestatten sich „Jazz Police“ immer wieder einen vertiefenden Extra-Schlenker oder beleuchten es sogar noch weiter improvisatorisch – was einen bezwingenden, womöglich auch praktischen Charme entfaltet.

„Mit solchem Liedgut ist keine Frau unerreichbar – ein Mann, ein Kontrabass, ein Lied“, schwärmt Manfred Mildenberger zwischendurch über das, was Andreas Otto Schellinger an seiner Seite veranstaltet. Da wird sogar das allseits bekannte, groovende Intro zu Lou Reeds „Take A Walk On The Wildside“ zur Neuentdeckung – Schellinger singt und spielt Klassiker wie auch Bill Withers’ „Ain’t No Sunshine When She’s Gone“ mit der vielleicht berühmtesten aller Bass-Kadenzen auf seine ganz eigene, besinnliche Weise, und es macht einfach Spaß, diesem sachten Treiben zuzuhören.

Ganz nebenbei gelingt „Jazz Police“ auch immer wieder der geradezu pathologische Nachweis artverwandter Harmonie-Bausteine, wenn die drei Musiker etwa eine Verknüpfung von „Bei mir bist du scheen“, „Hit The Road, Jack“, „Be Bop A Lula“ und dem Spider Murphy-Hit „Schickeria“ herstellen.

Dass man diesmal nicht in Stammbesetzung antrat, war überhaupt nicht zu spüren: Mildenbergers „Studienkollege und guter Freund“ Christoph Müller ging den spannenden Weg der Reduktion souverän mit und sorgte auf Basis der Vorlagen für eigene, wunderbare Entdeckungen. Und Mildenberger glänzte wie eh und je mit seiner auf den Punkt abgestimmten Präsenz – wo es angebracht ist, dominant, wo nicht, dem Teamgeist verpflichtet. Seine im Dunkeln leuchtenden Drumsticks hat er kürzlich geschenkt bekommen und sagt dazu: „Wenn ich mir die selber gekauft hätte, wär’s peinlich gewesen.“ Es war Jazz an einem Sommerabend, wie er sein soll: Süffig wie ein Glas gut gekühlter Weißwein.

Das weitere Programm:

Das für diesen Samstag auf der Roseninsel geplante Konzert ist wegen der schlechten Wetterprognosen in den Bürgersaal des Rathauses Feldafing verlegt worden. Beginn des Konzertes ist um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr). Karten sind gibt es noch an der Abendkasse.

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