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Gute Laune bei der CSU-Feier in Tutzing (v.l.): MdL Ute Eiling-Hütig, Altbürgermeister Peter Lederer, Ex-MdB Peter Gauweiler, Ex-Ministerin Ursula Männle, Altbürgermeister Alfred Leclaire, Tutzings CSU-Chef Thomas Parstorfer, Roswitha Huber von der Senioren Union und Kreischefin Stephanie von Winning im Tutzinger Kino.

70 Jahre CSU Tutzing

Als Strauß seine Minister abwatschte

Die Tutzinger CSU hat am Wochenende ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert.

Tutzing – Das war mal ein Kinoerlebnis der anderen Art am Freitagabend in Tutzing. Der CSU-Ortsverband hatte das „Kurtheater“ gemietet, um sein 70-jähriges Bestehen zu feiern. Die etwa 50 Gäste, die es sich mit kostenlosen Getränken und Popcorn auf den lila Sitzen bequem machten, bekamen erst mal einen Film mit all den Parteigrößen zu sehen: Franz Josef Strauß, dem „Ochsensepp“ Josef Müller, Edmund Stoiber, Theo Waigel, Max Streibl, Erwin Huber, Günter Beckstein, Horst Seehofer und wie sie alle heißen. Er kenne keine andere Partei in Tutzing, die „auf so eine Vergangenheit zurückblicken“ könne, sagte der Tutzinger CSU-Vorsitzende Thomas Parstorfer.

In Zweier-Runden vermittelten vier Zeitzeugen sehr authentische Einblicke in die Parteihistorie: erst Ursula Männle und Peter Gauweiler, die beide in Bayern Minister waren, dann die beiden ehemaligen Tutzinger CSU-Bürgermeister Dr. Alfred Leclaire und Peter Lederer, die zusammen 38,5 Jahre an der Rathausspitze standen – Leclaire von 1970 bis 1996, anschließend Lederer bis 2008.

Manche Anekdote wurde da zum Besten gegeben. Der Vorsitzende Strauß hatte zum Beispiel, wie Ursula Männle erzählte, die Gewohnheit, seine Minister in Vorstandssitzungen wegen Kleinigkeiten, von denen er zufällig erfahren hatte, verbal „abzuwatschen“. Gauweiler machte kein Geheimnis aus seinem schweren Stand in Zeiten der „außerparlamentarischen Revolte“.

Auch über innerparteiliche Auseinandersetzungen wurde offen gesprochen. „Ich wurde angeschwärzt“, sagte Ursula Männle immer noch ein wenig bitter. Sie hat nicht vergessen, wie sie in mehreren Wahlen auf hintere Listenplätze gesetzt wurde und den Parlamentseinzug verpasste. Eines Tages entschuldigte sich Strauß bei ihr. Gauweiler sagte frank und frei: „Mit dem Waigel habe ich eigentlich nur gestritten.“

Dann war die Kommunalpolitik an der Reihe. Alfred Leclaire konzentrierte sich ganz auf das Jahr 1970, in dem er, der Rheinländer, nach dem Rücktritt von Peter Dreer (1958 bis 1970) zum Tutzinger Bürgermeister gewählt worden war – als Neuling im Ort. „Wir waren ein Superteam“, sagte Lederer. Leclaire hatte den jungen Tutzinger damals schnell zum Geschäftsleiter des Rathauses befördert und ihn später zu seinem Wunsch-Nachfolger erklärt. Dass Kommunalpolitik mit viel Humor verbunden sein kann, belegte Lederer mit seiner Erinnerung an einen legendären Auftritt des langjährigen Gemeinderats Hubert Hupfauf: Der hatte sich, um seinem FDP-Kollegen Engelbert Cattaneo einen Streich zu spielen, vor vielen Jahren als Scheich aus Kuwait verkleidet, der sich angeblich fürs Midgardhaus interessierte.  nz

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