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Willi Renner und seine Lichtwand: Der Traubinger Designer und gelernte Schreiner kombiniert ungewöhnliche Materialien zu völlig neuen Ansichten. 

Porträt

Willi Renner, der akademische Schreiner

Traubing - Normal will er gar nicht sein: Willi Renner ist ein Designer und Schreiner, der Ausgefallenes liebt – ob es sich um höhenverstellbare Küchen handelt oder um Lacke, die ihre Farbe je nach Temperatur ändern.

Manchmal entstehen Ideen erst durch Missgeschicke. „Ich habe mir mal beim Essen die Zunge verbrannt“, erzählt der Traubinger Designer und Schreiner Willi Renner. „Da habe ich mich gefragt, warum es keinen Teller gibt, bei dem man an der Farbe erkennen kann, wie heiß das Essen ist.“ Gesagt, getan. Er hat eigens einen Lack entwickeln lassen, der seine Farbe je nach Temperatur ändert und den man nach seinen Worten überall auftragen kann – auf Möbel, Lampen, Geschirr.

Ein ungewöhnlicher Einfall und lange nicht der einzige, den der gebürtige Oberfranke im Tutzinger Ortsteil Traubing realisiert. Der 63-jährige Vater dreier Kinder ist alles andere als ein normaler Schreiner. „Zuerst wollte ich Physiker werden“, erzählt er. Aber in den 1970er Jahren seien Physiker nicht gefragt gewesen. Deshalb hat er umgeschwenkt und im Starnberger Stadtteil Percha eine Schreinerlehre gemacht. Studiert hat er trotzdem weiter. Von Kunstgeschichte bis Völkerkunde reichen seine akademischen Ergänzungen.

Renner sprudelt vor Ideen. Auf der Münchner Messe Heim + Handwerk stellt er von 23. bis zum 27. November unter anderem eine Bank mit verschiebbarer Lehne vor. Von ihm stammen „Klemmvasen“, die man – wie auch Lampen und Windlichter – an allen Kanten anbringen kann. Für seine höhenverstellbare Küche wurde er im Jahr 2000 mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Ein wirtschaftlicher Renner wurde sie nicht – aber kaum war ihr Patent abgelaufen, sah er eine ähnliche Küche auf einer Möbelmesse.

Seit 20 Jahren betreibt Renner seine Traubinger Werkstatt in einer 600 Quadratmeter großen Halle. Von dort aus liefert er seine oft extravaganten Arbeiten bis in entfernte Regionen. Einem Arzt des Berliner Krankenhauses Charité hat er ein Chefzimmer eingerichtet. Vier Mitarbeiter und eine Auszubildende beschäftigt er. Gern stellt er komplette Inneneinrichtungen aus Hölzern her, die er in allen möglichen Varianten auf Lager hat. Kombinationen mit unterschiedlichsten Materialien – Stein, Glas, Metall – entstehen in seiner Werkstatt. Auf der Heim + Handwerk präsentiert er einen Schrank mit Kalkputz, Aluminium und Birnbaumfurnier. Ausstellungen veranstaltet er auch selbst, samt musikalischer Einlagen.

In einem Netzwerk bindet er Experten aus anderen Fachrichtungen ein: Elektriker, Maler, Installateure. Das Wichtigste ist für ihn, „dass man mit offenen Augen durch die Welt geht“. Viel Zeit nimmt er sich für Reisen, oft mit seinem 20 Jahre alten Sohn und meist in Regionen abseits des Massentourismus. Als begeisterter Fotograf hält er bei solchen Gelegenheiten Motive fest, die die meisten Leute wohl noch nicht mal als solche erkennen würden. Schmunzelnd fragt er dann Besucher seiner Werkstatt, was da wohl zu sehen sei – und freut sich diebisch, wenn sie vergeblich rätseln und er die Sache aufklären kann. Da entpuppt sich eine vermeintliche Malerei als Eis auf Island, eine Form, die wie der Fußabdruck eines Yeti ausschaut, als Gletscher in Alaska und ein abstrakt scheinendes Kunstwerk als Teil einer Baggerschaufel.

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