Die zwei Seiten der alten Volksschule auf dem Hohen Peißenberg: In Richtung der Parkplätze und der Touristenwege wurde sie neu gestrichen, Richtung Dorf zeigt sie ihr altes Gesicht. Foto: Bernhard Jepsen

Auf dem Hohen Peißenberg

"Alte Schule" nur von drei Seiten gestrichen

Hohenpeißenberg - Potemkinsches Dorf auf dem Berg: Die Fassade der „Alten Schule“ wurde nur von drei Seiten saniert. Der Eigentümer sieht seine „Pflicht fürs Erste erfüllt“.

„Endlich passiert was“, werden sich wohl viele Hohenpeißenberger gedacht haben, als vergangenes Jahr nach Orkan „Niklas“ der Dachstuhl der „Alten Schule“ auf dem Wallfahrtsberg saniert wurde. Der zweigeschossige Sattel- und Walmdachbau, der seit dem Auszug der Volksschule 1969 leer steht, gammelte jahrelang vor sich hin – und das ausgerechnet im Blickfeld der Wallfahrtskirche, einem der Markenzeichen und touristischen Anziehungspunkte der Region.

Doch wie gesagt: Es hat sich inzwischen etwas getan. Eigentümer Michael Fischer lies nicht nur den Dachstuhl erneuern, sondern auch noch die Außenfassade ausbessern und in Ocker-Farbton anstreichen. Optisch sieht die „Alte Schule“ seitdem wieder halbwegs passabel aus – allerdings kommt es auf den Blickwinkel an. Fischer hat nämlich nur drei Seiten renovieren lassen. Betrachtet man die südliche Hausfront, blickt man nach wie vor auf eine komplett marode Außenfassade. Das erinnert an jene potemkinschen Dörfer in Russland, als bemalte Kulissen zum Schein errichtet wurden, um Zarin Katharina II das wahre Gesicht der Gegend zu verbergen.

Im Umfeld des Hohenpeißenberger Gemeinderats spricht man bezüglich der „Drei-Seiten-Renovierung“ von einem „Schildbürgerstreich“ – aber nur intern. Öffentliche Kritik wird vermieden. Man weiß: Fischer, dem unter anderem auch das Restaurant und die Parkflächen am Hohen Peißenberg gehören, sitzt am längeren Hebel. Ohne ihn geht auf dem Wallfahrtsberg so gut wie nichts. Da ist Diplomatie gefragt. Und im Rathaus ist man froh, dass zumindest drei Seiten der „Alten Schule“ hergerichtet wurden: „Wir sind dankbar dafür“, sagt Bürgermeister Thomas Dorsch. Man sei im ständigen Kontakt mit Fischer und die Gespräche würden „immer sehr positiv verlaufen, vor allem wenn es um die Geländenutzung auf dem Berg geht“. Natürlich wünscht sich Dorsch, dass auch die südliche Gebäudefassade einen neuen Anstrich bekäme: „Das wäre ein ästhetischer Gewinn.“ Fordern kann es der Rathauschef aber nicht. Die „Alte Schule“ wurde nämlich von der Kommune 1969 an die Familie Fischer verkauft. Aus heutiger Sicht ein schwerer Fehler. Die Gemeinde lässt nun aber nichts unversucht, um Fischer bei der Gebäudesanierung zu helfen. Für die Malerarbeiten hätte sie im letzten Jahr einen Zuschuss in Höhe von bis zu 10 000 Euro gewährt, doch Fischer lehnte ab. „Das Angebot steht immer noch“, betont Dorsch. Aber man will Fischer nicht drängen, auch von Seiten des Denkmalschutzes nicht. Das Landratsamt als zuständige Behörde setzt auf Kooperation. Die bisherigen Sanierungsarbeiten sind jedenfalls nach Meinung von Bauverwaltungsmitarbeiter Peter Steigenberger ein „Meilenstein“: „Wir sind sehr froh, dass Herr Fischer das so hergerichtet hat. Wir haben einen guten Status quo erreicht. Die Schule könnte ja auch so dastehen wie vor dem Sturm.“ Natürlich würde man sich über die Sanierung der vierten Fassade freuen und sich im Bedarfsfall nach Fördergeldern umschauen, allerdings wolle man den „guten Dialog“ mit Fischer nicht in Gefahr bringen und Forderungen aufstellen: „Man darf nicht vergessen, dass es bei Denkmälern auch um Menschen geht. Die Eigentümer müssen das Ganze finanzieren“, sagt Steigenberger. Das Gebäude sei bautechnisch in einem sicheren Zustand, ein Eingreifen der Behörde nicht nötig. Auch habe sich wegen der Südfassade im Landratsamt „noch niemand offen beschwert“. Und was sagt Fischer selbst zur Thematik? „Mich nervt es. Jeder redet g’scheid daher, aber die ,Alte Schule‘ ist letztlich Privateigentum.“ Mit der Dachsanierung und den bisherigen Malerarbeiten habe er seine „Pflicht fürs Erste erfüllt“. Außerdem würde man die Südfassade nur von Weitem sehen: „Da muss man wirklich schon genau hinschauen.“ Und dann gebe es eben die finanzielle Problematik: „Ich habe jetzt schon so viel Geld in die Hand genommen, das ist alles ein bisschen viel verlangt“, erklärt Fischer – zumal die Zuschüsse vom Denkmalschutz begrenzt seien: „Da habe ich mit mehr gerechnet.“ Eine Sanierung der südlichen Fassade stehe wohl erst dann zur Debatte, wenn eine Nutzung für das Gebäude gefunden worden sei. „Es gibt Ideen, aber nichts Konkretes“, sagt Fischer dazu.

Eine Herberge für Jakobspilger, wie in der Hohenpeißenberger Bürgerwerkstatt vorgeschlagen, stehe aber definitiv nicht auf dem Zettel: „Da müsste ich drei Millionen Euro investieren und bekäme pro Übernachtung zehn Euro. Das ist fernab jeglicher Realität“, sagt Fischer.

Bernhard Jepsen

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