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Bezaubert vom Licht des Künstlers Dan Flavin (1933-1996) im Fischerbau: (v.l.) Michael und Dorothea Jarnach mit Heike Friedrich („Kunst im Regenbogenstadl Polling“) und Dr. Birgit Löffler, Leiterin des Museums „Das Maximum“ in Traunreut. 

Licht-Skulptur von Dan Flavin im Fischerbau

Polling leuchtet

Polling – Ein einziges Werk wird diesen Sommer im Pollinger Fischerbau ausgestellt. Aber das sollte man sich anschauen! Denn so etwas war noch nicht zu sehen im Pfaffenwinkel. Und womöglich wird man hier so etwas auch nie wieder sehen.

Rund 30 Meter fluoreszierendes Licht – so simpel kann man das Werk beschreiben, das der renommierte New Yorker Künstler Dan Flavin (1933- 1996) im Jahr 1970 konzipiert hat und das dessen langjähriger Assistent Steve Morse in den Fischerbau eingepasst hat: 30 Meter Licht, bestehend aus handelsüblichen Leuchtstoffröhren. Streng geometrisch sind diese zu einer „Barriere“ aus großen Rechtecken aufgebaut, leuchten zur Hälfte rot, zur Hälfte blau – mehr gibt’s im Grunde nicht zu sagen zu Flavins Lichtskulptur „untitled 1970“. Doch es gibt einiges zu staunen: Wie das Licht den wunderbaren Raum füllt; wie es sich je nach Standort des Besuchers mal mischt und mal trennt, obschon es doch immer gleich leuchtet; und wie es je nach Verweildauer, Gewöhnung der Augen oder wechselnden Lichteinfall von draußen stets anders wirkt.

„Radikal einfach“ sind die Zutaten dieses Werkes, sagte Hausherr Michael Jarnach bei der Vernissage am Freitagabend vor über 100 Besuchern. Deshalb wird Dan Flavin auch stets als Künstler der „Minimal Art“ geführt. „Aber die Wirkung ist maximal“, betonte Jarnach und zitierte Flavin: Die Mittel seien zwar so einfach wie möglich, doch die Wirkung so ungeheuer, dass er eher von „maximalism“ sprechen würde als von „minimalism“.

Dorothea und Michael Jarnach, die Betreiber von „FischerBauKunst“, haben sich mit dieser Schau einen Traum erfüllt – in Kooperation mit Heiner Friedrich (Museum „Das Maximum – KunstGegenwart“ in Traunreut), der viel mit Flavin zusammengearbeitet hat und einer der wichtigsten Wegbereiter der amerikanischen Kunst in Europa ist. Das Ehepaar Jarnach faszinierte früh, wie Flavin „direkt mit dem Licht arbeitet“, und hatte schon vor Sanierung des Fischerbaus den Wunsch, eine seiner Skulpturen nach Polling zu holen. Mit Flavins Tod 1996 waren die Pläne zunächst passé. Doch aufgrund exakter Konstruktionszeichnungen des Künstlers hat Steve Morse, Austellungskoordinator und Konservator des New Yorker „Dan Flavin Studio“, das Werk nun – größer denn je – im Fischerbau realisiert. Denn „genau solche Räume“ habe Flavin gesucht.

Da leuchtet das Werk aus New York also, als sei es genau für diesen Pollinger Bau gemacht. Und „Baukunst des 18. Jahrhunderts wird Teil eines Kunstwerks des 20. Jahrhunderts“, so Michael Jarnach. Für ihn verbindet sich Polling mit dieser Ausstellung weltweit mit Orten weiterer monumentaler Installationen: mit Houston, New York, dem „Maximum“ in Traunreut oder der Münchener Pinakothek der Moderne, die 2006 eine große Flavin-Retrospektive zeigte.

Doch man muss nichts wissen von all dem, es bedarf keiner Vorkenntnisse und auch keines besonderen Zugangs zu moderner Kunst, um sich von diesem Licht in Pollings Mitte bezaubern zu lassen. Man kann diesen Sommer einfach so in den Fischerbau gehen, 30 Meter Licht auf sich wirken lassen – und den Pfaffenwinkel fortan mit anderen Augen sehen.

Zu sehen

bis 2. Oktober: Sa/So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung. Info: fischerbaukunst.de, Tel. 0881/9277 9946.

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