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Gute Fahrt: Pfarrer Peter Seidl  segnete das Fahrzeug.

Söcheringer Festtage

Neues Auto, aber kein Festzug

Obersöchering - Die Feuerwehr feierte zusammen mit dem Schützenverein. Die 1500 Gäste blieben am Sonntag bei Regen aber lieber im Festzelt.

Ein volles Zelt hatten Feuerwehr und Schützen - hier Bürgermeister  Reinald Huber bei seiner Ansprache nach dem Festgottesdienst. 

 Das Wetter machte gestern in Obersöchering der 140-jährigen Feuerwehr und dem 120-jährigen Schützenverein bei ihrer gemeinsamen Feier einen Strich durch die Rechnung. Der Festzug, der für den Nachmittag geplant war, musste kurzfristig wegen Regens abgesagt werden. Um 13 Uhr verkündete der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Hermann Soyer, angesichts des anhaltenden Nieselregens: „Um 14 Uhr gehen wir – aber an die Bar. Der Festzug ist abgesagt.“ Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Die rund 1500 Gäste blieben im Zelt und feierten weiter.

Anlässlich des Fests wurde das neue Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr von Pfarrer Peter Seidel gesegnet. „Wir mussten das alte Fahrzeug abstoßen“, begründete Kommandant Sebastian Leis die Neuanschaffung. „Weil es nimma so megn hat, wie mia megn ham.“ Das Vorgängerfahrzeug habe erhebliche Mängel gehabt. „Ein Feuerwehrauto, das schlecht anspringt, das geht gar nicht“, so der Kommandant.

Die Neuanschaffung ist nicht ganz neu, allerdings sehr gut erhalten. „Fast wie neu“, wie Leis betonte. Die Gemeinde hatte 20 000 Euro für ein Mehrzweckfahrzeug bewilligt, und so habe er sich im Internet auf die Suche nach einem passenden Auto gemacht. Fündig geworden sei er „kurz hinter Dortmund“, und habe das Fahrzeug gleich am Telefon gekauft. Die Papiere erhielt Leis per Post und nach der Zulassung in Weilheim machte sich eine Delegation aus Obersöchering stilecht im Gewand mit dem Zug – „der Speisewagen war gut“ – und den Nummernschildern im Gepäck auf den Weg. Der Kulturschock für die oberbayerischen Lederhosenträger kam am Dortmunder Hauptbahnhof. „Die haben uns angeschaut, als ob wir von einem anderen Stern kommen würden.“

Nach der Besichtigung hätten die Käufer noch ablehnen können, aber das 29 000 Euro teure Auto entsprach genau ihren Vorstellungen – und so machten sie die 750 Kilometer lange Rückreise in einem drei Jahre alten Mercedes „Sprinter“. Die Langversion des Kleinbusses bietet nicht nur Platz für neun Personen, sondern noch Stauraum für alles, was zur Verkehrsabsicherung nötig ist. Schon beim Hochwassereinsatz in Polling habe er sich bewährt, so Leis. Wenn alle Feuerwehrkräfte mit dem eigenen Auto gefahren wären, hätte die vielen Autos laut Leis in dem überschwemmten Dorf ein weiteres Problem dargestellt. In solchen Fällen müsste ein größeres Fahrzeug zur Verfügung stehen, das als Shuttle-Bus eingesetzt werden könne.

Verständnis für Mehrausgaben

Für die Mehrausgaben von 4000 Euro für die Gemeinde zeigte Bürgermeister Reinald Huber Verständnis. In Notfällen sei die Feuerwehr das Rückgrat des Dorfes, eine gute Ausstattung sei daher wichtig. Den mit 5000 Euro größeren Teil der insgesamt angefallenen Mehrkosten hatte der Feuerwehrverein übernommen.

Pfarrer Seidel riet im Festgottesdienst: „Man soll anderen vertrauen, anstatt sie dauernd zu kontrollieren.“ Er selbst sei in seiner Jugend vier Wochen lang auf einer Wanderung nach Südtirol unterwegs gewesen, ohne Kontakt zu seinen Eltern zu haben. Heute gelte man schon als vermisst, wenn man zwei Tage lang keine SMS schreibe. Am Ende seiner Worte klingelte ein Handy. „Das Telefon kommt jetzt nicht von mir“ fügte er an, „aber es passt sehr gut.“ Die Bemerkung löste Gelächter aus.

Alfred Schubert

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