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Begehrtes Fotomotiv: der Künstler „Won ABC“ vor seinem Graffito. 

„Won ABC“  besprühte 22 Meter einer Außenwand des Buchheim-Museums

Graffiti auf die gute Art

Bernried - Graffiti werden nicht selten illegal aufgebracht.  Nicht in Bernried. Dort hat „Won ABC“  22 Meter einer Außenwand des Museumsgebäudes kunstvoll besprüht.

Die älteste und bis heute beliebteste Form der Malerei ist die Kunst des Graffiti, das Malen auf Wänden. Die Menschen der Steinzeit haben es erfunden, die alten Römer haben es betrieben und im 20. Jahrhundert zählten manche Graffiti zur Protestkultur, andere sahen darin eine Form des Vandalismus.

Es ist also längst überfällig, Graffiti auch in den musealen Bereich zu stellen, wie es zurzeit im „Museum der Phantasie“ in Bernried geschieht. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Won ABC & friends – Kunst aus Münchens Untergrund“ wurde ein 22 Meter breites Graffito an einer Außenwand des Museumsgebäudes eingeweiht. Neun Tage lang hatte der Künstler „Won ABC“ daran gearbeitet – und dafür teilweise sogar im Zelt in Bernried übernachtet.

Vermutlich war es für ihn ein relativ angenehmes Arbeiten, im Vergleich zu vielen Aktionen, die nachts und in höchster Eile vonstattengingen. Denn „Won ABC“ stand mit seiner Kunst nicht immer auf der Seite des Guten. Münchens Altbürgermeister Christian Ude konnte in seiner Eröffnungsrede davon berichten, wie der Künstler es einmal nicht schaffte, zur Einweihung eines von den Münchener Stadtwerken in Auftrag gegebenen Werks zu erscheinen, weil ihn die „SOKO Graffiti“ in U-Haft genommen hatte.

Auch Kurt Faltlhauser, der in seiner Zeit als Finanzminister sicherlich einiges dafür ausgegeben hat, Graffiti im öffentlichen Raum entfernen zu lassen, zeigte sich als Freund der Wandmalerei. Die Politiker taten sich ohnehin verhältnismäßig leicht mit ihrer Beurteilung von Graffiti. Es ist eine gute Sache, wenn es gekonnt ist und das Eigentum anderer nicht verletzt – also die manchmal tristen Stadtlandschaften „verschönert“. Abzulehnen ist Graffiti, wenn es, wie Kurt Faltlhauser sagte, „Kritzi-Kratzi“ ist, wenn es dafür sorgt, dass der Fahrgast sich in einer bemalten S-Bahn nicht mehr wohl fühlt, oder, so Christian Ude, wenn irgendwer wie ein Hund durch die Stadt laufe und schöne Jugendstilvillen mit seinen „Tags“ markiere. In diesem Sinne ist das neue Wandbild von Won ABC „gute Graffitikunst“.

In der Tat ist das Bild fantastisch gemalt beziehungsweise gesprayt. Es ist ungeheuer fantasievoll, technisch ausgezeichnet und mit dem Museumsgründer Günther-Lothar Buchheim in einem gelben Unterseeboot stimmt es heiter. „So freundlich hat der nie geschaut“, wurde zwar ein langjähriger Mitarbeiter zitiert – aber Museumsdirektor Daniel Schreiber war sich sicher, dass diese Arbeit bestens zum Geist des Hauses passe. Es ist ein wenig ein Wimmelbild für Erwachsene.

Protest oder Opposition erregt es sicher kaum. Höchstens bei Freunden der modernen Architektur. Denn das Museumsgebäude hat durch das Bild – zumindest aus einem Blickwinkel – seinen Charakter verändert. Das Haus, das vom Architekten Günther Behnisch entworfen wurde, hatte allerdings ohnehin nie so ganz den Vorstellungen Buchheims entsprochen. Kurt Faltlhauser erinnerte an die Streitigkeiten zwischen Kunstsammler und Architekt, die beide inzwischen verstorben sind. Man habe auch gar nicht erst beim Büro Behnisch angefragt, ob es einverstanden wäre mit dem Gemälde an der Wand. Vermutlich wäre es das nicht gewesen.

„Won ABC“, der an einer Kunstakademie studiert hat, macht seit den 1980er Jahren Graffitikunst in der ganzen Welt. Auch in Ausstellungen waren seine Arbeiten oft zu sehen. Zur Eröffnung in Bernried durfte er ein Fass Freibier anstechen, was ihm fast so gut gelang wie einst Christian Ude auf dem Oktoberfest.

Heribert Riesenhuber

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