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Hermann Soyer, Betriebsleiter der „Oberland Werkstätten“ in Polling, sieht sich als „Teamworker“. Deshalb war es sein großer Wunsch, mit Kollegen fotografiert zu werden. Im Hintergrund sind die beiden weiteren Betriebsleiter Marika Bruckner und Rupert Kirchbichler (2.v.r.) zu sehen sowie die Mitarbeiter Robert Abenthum (l.) und Mirko Bjedov.

Hermann Soyer im Porträt

Bei ihm steht der Mensch im Mittelpunkt

Polling/Obersöchering - Hermann Soyer ist Betriebsleiter bei den „Oberland Werkstätten“ in Polling und im im Heimatort Obersöchering engagiert. Ein Porträt.

Ein Faible für Technik hat Hermann Soyer schon lange. Das zeigt sich am Lebensweg des heute 47-Jährigen sehr deutlich: Der Obersöcheringer ist gelernter Maschinenbaumechaniker, absolvierte dann ein Maschinenbau-Studium und arbeitete währenddessen bereits beim Lkw-Hersteller MAN (heute HAP) in Penzberg. Dort bekam er dann auch seine erste Arbeitsstelle als frischgebackener Diplom-Ingenieur. Doch später – er war bereis Fertigungsleiter beim Metalltechnik-Unternehmen „Grillo“ (später MTP) in Peißenberg – merkte er bei aller Liebe zur Technik: „Ich möchte etwas machen, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.“ Eine Stellenanzeige der „Oberland Werkstätten für Menschen mit Behinderungen“ kam dem Mann mit den wachen brauen Augen da gerade recht.

Eine Riesenentscheidung

Die „Oberland Werkstätten“ suchten damals einen Leiter für ihren Betrieb in Geretsried. Dort hospitierte Soyer dann zunächst für zwei Tage: „Und ich habe festgestellt, dass die Verbindung zwischen einem technischem Beruf und der Arbeit mit Menschen da sehr gut gegeben ist“, sagt der verheiratete Vater dreier Kinder (12, 14 und 16) rückblickend. Trotzdem sei es für ihn „eine Riesenentscheidung“ gewesen, in einem Sozialbetrieb anzufangen.

Bereut hat er den Schritt aber nicht. Den „Oberland Werkstätten“ ist Soyer, der eine sozialpädagogische Zusatzausbildung hat, nämlich seit inzwischen 13 Jahren treu. Seit dem vergangenen Jahr ist er einer von drei Betriebsleitern in Polling, wo aktuell 156 Menschen mit seelischen und/oder geistigen Behinderungen in den Bereichen „Holzbearbeitung“, „Montagearbeiten“, „Dienstleistungen“, „Metallbearbeitung“, „Logistik/Haustechnik“ und „Hauswirtschaft“ tätig sind. „Das Schöne an der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung ist deren Offenheit und Ehrlichkeit“, sagt Soyer zufrieden. „Es ist nichts gespielt. Ein freundliches ,Grüß Gott’ ist auch wirklich so gemeint.“

Selten ist im Hierarchie wichtig

Der 47-Jährige gehört zu jenen Menschen, die bereit sind, im Leben Verantwortung zu übernehmen. Das gilt für seinen Beruf als Betriebsleiter genauso wie für seine Ehrenämter als Vorsitzender des Feuerwehrvereins und als Kirchenpfleger in seinem Heimatort Obersöchering. Aber es ist Soyer ebenfalls wichtig, anderen etwas zuzutrauen und ihnen Verantwortung zu übergeben. Nur sehr selten sei ihm die Hierarchie wichtig, sagt er. „Ich bin ein Teamworker.“

Daher macht es ihm nach seinen eigenen Worten auch nichts aus, dass er als aktiver Feuerwehrmann – und das ist er seit über 25 Jahren – nicht zu denjenigen gehört, die das Sagen haben. Sich wie beim Hochwasser-Einsatz im Juni in Polling einem Jüngeren unterzuordnen, sei für ihn kein Problem. „In Polling war es sogar angenehm, mal nicht in der Verantwortung zu sein“, gibt er mit entwaffnender Ehrlichkeit zu.

Als aus geplantem Nickerchen Tiefschlaf wurde

Vor einer besonderen Herausforderung stand Soyer, als er mit Schützenmeister Georg Graf den Festausschuss leitete, der die Feiern zum 140-Jährigen der Feuerwehr und zum 120-Jährigen des Schützenvereins in Obersöchering vorbereitete: „Da mussten Leute zwischen 20 und 55 Jahren aus zwei Vereinen zusammengebracht werden“, sagt er. Die Freude, sie schließlich alle „auf eine Spur“ gebracht zu haben, ist ihm anzumerken. Die Organisation des Fests, das von 24. bis 27. Juni stattfand, war allerdings kraftraubend: „Ich habe nach der Veranstaltung spontan fünf Stunden geschlafen, obwohl ich mich eigentlich nur kurz hinlegen wollte“, berichtet Soyer.

Ein verantwortungsvoller Beruf, dazu noch bei der Feuerwehr und als Kirchenpfleger engagiert - bleibt da überhaupt noch Zeit für Muße? „Es kann sich keiner vorstellen, dass ich mal Ruhe gebe“, sagt Soyer lachend. „Aber ich nehme mir meine Auszeiten, fahre zum Beispiel mal eine Stunde allein Rad oder verbringe Zeit mit meiner Frau, was mir auch sehr wichtig ist.“ Mit seiner Frau Constanze geht Soyer etwa gern zum Bergwandern, aber auch Mountainbiken und Skitourengehen gehören zu seinen Hobbys.

Unaufgeregt und eher zurückhaltend berichtet Soyer über seinen Lebensweg, doch als es dann um sein Amt als Kirchenpfleger geht, wird sein Ton plötzlich härter: Die „Zentralisierungstendenzen“ der Diözese, die die Bildung von Großpfarreien plant, gefielen ihm gar nicht, sagt er. Die Kirche solle darauf achten, „nicht so viel an der Basis kaputt zu machen“.

„Inklusion geht da ganz automatisch“

Auch bei der Behindertenarbeit denkt Soyer in die Zukunft: Er hat die „Vision“, wie er sagt, dass Menschen mit Behinderungen einmal direkt bei Profit-Unternehmen angestellt sind und es dort jemanden gibt, der diesen Arbeitsbereich koordiniert. Was ihn zuversichtlich stimmt, sind 30 Beschäftigte der „Oberland Werkstätten“, die derzeit beim Pharma-Konzern „Roche“ in Penzberg tätig sind: „Die Inklusion geht da ganz automatisch“, sagt Soyer zufrieden – und wieder ist seine Freude an jener Art von Arbeit spürbar, bei der der Mensch nicht „auf der Strecke bleibt“.

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