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Unterhalb der Wallfahrtskirche: An zwei Stellen (Bildmitte und linker Bildrand) ist es bereits zu Hangrutschen gekommen. 

Risiko ist nicht abzuschätzen

Am Hohen Peißenberg: 100-Meter-Riss durch den Hang

Hohenpeißenberg - Es ist ein Risiko, das nicht abschätzbar ist: Laut Experte sind 1000 Kubikmeter Erdreich am Hohen Peißenberg oberhalb eines Bauernhofes „mobilisiert“.

Provisorische Lösung: Das Regenwasser wird nun von der Wallfahrtskirche Richtung Norden abgeleitet.

Es war eine andere Nachricht, die Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch erhofft hatte. Nachdem es bei den Starkregenfällen am 4. Juni zu Hangrutschen gekommen war, schaute sich nun ein Gutachter des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) die Situation vor Ort an. An einer Stelle nahe der Bergstraße – dort war eine Grundstückszufahrt verschüttet worden – gab der Experte Entwarnung, da komme nichts mehr nach. An anderer Stelle sieht die Situation allerdings anders aus. Unterhalb von Wallfahrtskirche und Alter Schule war es beim Regen an zwei Bereichen zu Hangrutschen gekommen. Was nun weitere Sorgen bereitet: Es hat sich außerdem ein 100 Meter langer Riss im Boden gebildet. Rund 1000 Kubikmeter Erdreich seien „mobilisiert“, heißt es im Bericht des Experten.

„Es ist ein Risiko, dass man nicht abschätzen kann“, sagt Dorsch. Sollte sich tatsächlich eine Mure in Bewegung setzen, „weiß man nicht, wie weit sie reicht“. Eine Gefahr für den Ort bestehe zwar nicht. Ein Bauernhof unterhalb des Hangs aber könnte etwas abbekommen, wenn das Erdreich in Bewegung gerät. „Dass es den erreicht, ist unwahrscheinlich“, betont Dorsch. „Aber man weiß es nicht sicher.“

„Das ist nicht sehr beruhigend“, so Grundstücksbesitzerin Gabriele Bergmeister. Bergmeister hat sich selbst den Riss, der nicht an jeder Stelle gleich tief ist, angeschaut. „Da kann ich mit dem Arm reingreifen“, beschreibt sie. Mit Hangrutschen hat die Familie Bergmeister, der nicht nur der Hof, sondern eben auch der Hang gehört, Erfahrungen. Schon Pfingsten 1999 und im Sommer 2000 war das Erdreich in Bewegung gekommen. Nicht an den selben Stellen, aber in der Nähe. Und immer hatte es zuvor stark geregnet.

Deshalb hatte die Familie schon 2001 Alarm geschlagen. Bergmeisters Vater, Josef Schelle, forderte damals, dass das Regenwasser von der Wallfahrtskirche nicht länger auf seinen Hang abgeleitet werden sollte. Das Bischöfliche Ordinariat München-Freising aber berief sich auf ein Gutachten, dass das Wasser der Kirche als „nicht ursächlich“ für den Erdrutsch sei, sagte Thomas Dorsch – damals in seiner Funktion als Kirchenpfleger – der Heimatzeitung. Der Forderung der Familie wollte die Kirche trotzdem nachkommen, Dorsch sagte 2001: „Ich hoffe, dass heuer noch eine Lösung gefunden wird, und dass heuer noch was gemacht wird.“

15 Jahre und viele Regengüsse später floss das Wasser noch immer in den Hang. Bis der Gutachter des LfU vor Ort war – und nun auch das Regenwasser als Problem sah. „Jeder Liter mehr auf den Hang ist ein Problem“, gibt Dorsch, nun bekanntlich Bürgermeister, das Expertenurteil weiter. Der Rathauschef wurde noch am gleichen Tag tätig: Er beauftragte die Hohenpeißenberger Firma „Eggersdorfer Wohnbau“, das Wasser provisorisch zur Nordseite abzuleiten, um den Hang zu entlasten. Das Unternehmen war sofort zur Stelle, verlegte noch am gleichen Tag die Rohre. „Sie haben uns total schnell geholfen“, sagt Dorsch.

Wie lange nun das oberirdische Provisorium bleibt, ist unklar. Laut Bürgermeister Dorsch muss geklärt werden, ob der Staat oder das Ordinariat dafür zuständig ist, die Leitungen neu zu verlegen. Das Provisorium jedenfalls „bleibt so, bis wir eine Lösung haben“, verspricht der Rathauschef.

Die Familie Bergmeister ist froh darüber. Sie hofft, dass der Hang schnellstmöglich abtrocknet und Gras nachwächst, damit das Erdreich stabiler wird – und auch die Rinder wieder nach draußen auf die Weide können. Noch aber regnet es immer wieder, und die Blicke der Familien gehen täglich gebannt rauf zum Hang, bestätigt Gabriele Bergmeister: „Wir beobachten das schon, ob es sich weiterbewegt.“

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