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Das Küchenteam vom „Albrechthof“ bei der Zubereitung: (von links) Veronika Mayr, Christine Schleich, Traudl Engel, Lena und Martin Albrecht sowie Maria Weirather.

Oderding

Vom Bauernhof zum Caterer

Oderding - Der „Albrechthof“ aus Oderding liefert Mittagessen an 70 Einrichtungen in der Region, darunter Schulen und Kindergärten.

Von außen wirkt der „Albrechthof“ in Oderding fast wie jeder andere alte Bauernhof. Die Fassade des großen Gebäudes ist in Grau- und Brauntönen gehalten, aus einiger Entfernung hört man Kühe muhen. Doch eines sticht ins Auge: Das große weiß-grüne Banner an der Außenfassade des Stalls: „Albrechthof – Catering & Menü“ ist darauf zu lesen.

„Die Idee für den Catering-Service kam meiner Frau Lena und mir durch unser erstes Kind“, sagt Michael Albrecht. Seit seine Frau das Unternehmen 2010 gegründet hat, arbeitet der 34-Jährige mit auf dem „Albrechthof“. „Wir wollten, dass unsere Kinder im Kindergarten und in der Schule gesund essen.“

Michael Albrecht wuchs in Oderding auf, der Hof ist ein Familienbetrieb. Da der alte Stall ohnehin einige Jahre leerstand, konnte ein Teil davon in eine Küche umgebaut werden. „Nach der Renovierung, haben wir eine kleine gebrauchte Küche günstig erworben und eingebaut“, sagt er. Die 70 Mittagessen, die damals an drei Kindergärten in Raisting geliefert wurden, konnten problemlos mit der Hilfe einer Hauswirtschafterin bewerkstelligt werden.

Nachdem die Zahl der Mahlzeiten aber die 250er-Marke geknackt hat, wurde im November 2014 auch der restliche Teil des Stalls in eine Großküche verwandelt. Darin konnten auch große Schäl- oder Püriermaschinen untergebracht werden.

Anfangs war es allerdings nicht einfach: „Einige Leute haben unser Vorhaben belächelt, und auch wir zweifelten gelegentlich“, sagt Michael Albrecht, der eigentlich Molkereitechniker ist. Seine 35-jährige Frau ist Diplom-Ökotrophologin, also Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin. „Keiner von uns beiden war damals mit dem Betrieb einer Großküche vertraut“, sagt Lena Albrecht. Mittlerweile bereiten zehn Hauswirtschafterinnen die 1700 Mahlzeiten, die täglich ausgeliefert werden, zu. In der Küche arbeitet kein Koch, da das Ehepaar mit Köchen bisher wenig Erfolg hatte. „Unsere Mitarbeiterinnen kennen die Hygienevorschriften und wissen, wie man so viele Mägen füllt“, sagt Michael Albrecht. Außerdem seien die Frauen „mit ganzem Herzen dabei.“

Das Essen vom „Albrechthof“ wird an 70 Einrichtungen geliefert. Davon sind ein Drittel Schulen, die anderen zwei Drittel sind Kindergärten, Horte und Krippen. Für die Auslieferung sind sechs Fahrer zuständig. „Wir liefern von Seefeld im Norden bis nach Oberau im Süden, Penzberg im Osten und Schongau im Westen.“ Pro Woche gibt es je ein Fleisch- und ein Fischgericht, eine Mehlspeise, die restlichen beiden Essen sind vegetarisch. „Täglich gibt es ein festes Mittagsgericht und – daran angepasst – entweder eine gesunde Vorspeise oder einen süßen Nachtisch“, sagt Michael Albrecht. Am beliebtesten seien klassische Nudelgerichte oder Kartoffeln mit Quark. Darüber hinaus gibt es spezielle Menüs für Allergiker, Muslime oder Vegetarier. Veganes Essen gibt es nicht.

Gemüse-Couscous gab es beim Besuch von „Tagblatt“-Mitarbeiterin Regina Mittermeier. Ihr hat’s geschmeckt.

Besonders wichtig sei, dass das Essen ansprechend und zugleich gesund sei. „Damit die Kinder auch die weniger beliebten Zutaten essen, verstecken wir einen Teil davon, indem wir es pürieren und unter die Soßen mischen“, sagt Michael Albrecht. Auffällig sei aber, dass Salate immer beliebter werden. „Manchmal dauert es etwas, bis sich die Kinder an bestimmte Gerichte gewöhnen“, sagt er. Den Speiseplan arbeitet Lena Albrecht mit zwei ihrer Mitarbeiterinnen aus. Die meisten Zutaten kommen aus der Region, etwa ein Drittel stammt aus biologischem Anbau. „Die Milch kommt vom eigenen Hof“, sagt die Gründerin, „wir pasteurisieren sie auch selbst“. Das Brot kommt von der Bäckerei „Schwarzmaier“, die Hälfte des Fleisches liefert die Metzgerei „Lutz“ aus Pöcking. „Kartoffeln bekommen wir aus Dachau und Bio-Äpfel aus Südtirol“, so Michael Albrecht. Es werden weder Geschmacksverstärker noch Gewürzmischungen verwendet.

Um neue Gerichte zu testen, lassen die Albrechts zuerst ihren Nachwuchs probieren. Die vier Kinder sind sechs, dreieinhalb, eineinhalb Jahre sowie drei Monate alt. „Wenn es unserem Nachwuchs nicht schmeckt, können wir noch etwas an unserem Essen feilen, bis wir es in unseren Speiseplan aufnehmen“, sagt Michael Albrecht.

Regina Mittermeiers Selbstversuch: Das Essen hat mir sehr gut geschmeckt. Es gab ein Lachsfilet mit Kräutersoße, dazu Vollkornreis und ein Gemüse-Couscous. Der Fisch war sehr zart und die Soße geschmackvoll. Besonders auch zum Reis hat sie gut gepasst. Couscous esse ich selten, daher war es für mich eine willkommene Abwechslung. Gut gefallen hat mir auch, dass ich lange satt war.

Verpflegung an Schule und Kindergärten

Nach der jüngsten Kritik am Essen, das in deutschen Schulen und Kindertagesstätten serviert wird, hat die Heimatzeitung nachgefragt: Sind die Gerichte in den Schulen und Kindergärten im Landkreis wirklich zu fleischlastig? Wie gesund essen die Kinder?

„Bei uns entscheiden die Kinder mit, was auf den Tisch kommt“, sagt Christine Bausch vom Weilheimer Kinderhort „Franziskus“. Es werde eine Liste ausgeteilt, auf der die Kinder ankreuzen können, was sie gerne essen möchten. Auch ein Wunschessen dürfen sie vorschlagen. Aus diesen Ideen wird der Speiseplan für die kommenden zwei Wochen erstellt. „Allerdings muss es an acht von zehn Tagen ein Gericht mit Gemüse geben“, sagt Bausch. Die Zutaten werden täglich vom Lebensmittelgroßhändler „Chefs Culinar“ geliefert. „Von den 88 Kindern im Hort essen alle bei uns zu Mittag“, so Bausch, „und die Kinder sind überwiegend zufrieden“.

Auch im AWO-Kindergarten in Penzberg können die Kinder mitbestimmen. „Einmal wöchentlich gibt es morgens eine Fragerunde, in der Vorschläge abgegeben werden können“, erzählt Erzieherin Barbara Huber. „Wenn sich die Kinder aber fünfmal pro Woche Schokopudding wünschen, müssen wir uns natürlich Alternativen überlegen.“ Täglich werden im AWO-Kindergarten 100 bis 120 Mahlzeiten serviert. Dank der hauseigenen Küche werde sehr gesund und frisch gekocht. „Der ,magische Obstteller’, von dem die Kinder den ganzen Tag über Obststücke naschen können, ist sehr beliebt“, sagt Huber. Auch das gemeinsame Mittagessen in familiärer Atmosphäre komme gut an. „Dabei versuchen wir, dass die Kinder auch unbeliebte Zutaten, wie zum Beispiel Gemüse, zumindest probieren“, berichtet Huber. 

Am Weilheimer Gymnasium gibt es an vier Schultagen pro Woche jeweils zwei Gerichte, wie Lehrerin Beatrix Aigner sagt. „Eine Mahlzeit ist vegetarisch, die andere ist mit Fleisch oder Fisch.“ Um den Speiseplan auszuarbeiten, findet zweimal jährlich ein Treffen statt, so Aigner weiter. Dabei können die Vertretungen der Schüler, Lehrer und Eltern auch Wünsche beim Caterer vorbringen. „Diese werden meist umgesetzt, und so denke ich, dass beim derzeitigen Angebot für jeden etwas dabei ist“, erzählt Aigner. Die Mensa werde mit ihren 250 Plätzen gut angenommen, aber gerade die älteren Schüler verbrächten die Mittagspause öfter auch außerhalb des Schulgebäudes. „Doch das ist ganz gut so“, sagte Aigner, „denn unsere Mensa hat nicht genug Kapazitäten, um alle Schüler verköstigen zu können.“

„Wir bekommen die Mittagessen vom ,Zwergerlkoch’, einem lokalen Caterer, geliefert“, erzählt Susan Nadj von der Peißenberger Montessori-Schule. Jeden Tag sei etwas Gesundes dabei, zudem gebe es wenig Fleischgerichte. 280 Schüler besuchen derzeit die Montessori-Schule, pro Woche werden rund 180 Essen ausgeteilt. Die Schüler könnten zwar jederzeit mit einem Fragebogen Verbesserungsvorschläge beim „Zwergerlkoch“ einreichen, dieser werde aber nur selten in Anspruch genommen. „Im Großen und Ganzen sind die Kinder zufrieden“, sagt Nadj.

-Regina Mittermeier-

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