Aus dem Gericht

Die Geschichte vom „herrenlosen“ Segelboot 

Landkreis - Ein 46-jähriger Wielenbacher fand ein Segelboot, das tagelang auf dem Starnberger See getrieben war. Er richtete es her und verkaufte es, doch das hatte Konsequenzen: 

Das Amtsgericht Weilheim befasste sich mit einem ungewöhnlichen Fall: Ein 46-jähriger Wielenbacher hatte auf dem Starnberger See ein angeblich herrenloses Segelboot gefunden und dieses dann verkauft. Wegen Unterschlagung musste er sich nun verantworten.

Er war sich sicher, im Recht zu sein

Gegen einen Strafbefehl hatte der Mann über seinen Verteidiger Einspruch erhoben. Er war sich sicher, im Recht zu sein, denn er hatte vom Landratsamt die Zustimmung bekommen, das Boot zu behalten und zu veräußern. Ein Missverständnis? Die Sachlage erwies sich als schwierig. Fakt war, dass sich das in St. Heinrich an einer Boje vertäute Segelboot bei einem Sturm losgerissen hatte. Tagelang dümpelte es auf dem Starnberger See herum. Der Besitzer tauchte nicht auf. Der Angeklagte schleppte dann das Boot auf eigene Kosten nach Bernried. Er ließ es auf Seetauglichkeit überprüfen, schickte einen befreundeten Taucher in die Tiefe, um sich den Schiffsboden anzusehen. Das rund zehn Meter lange und über drei Meter breite Schiff war fahrtüchtig.

Der Angeklagte erkundigte sich anschließend beim Landratsamt, ob er das Boot als Fundsache behalten und verkaufen könne. „Der Mitarbeiter hat mir gesagt, dass das Boot dort schon seit drei Jahren liegen würde und ich damit machen kann, was ich will“, erklärte der Angeklagte. Der Mitarbeiter sagte im Zeugenstand etwas anderes. „Es war meine erste Fundsache“, gab er an. Er habe dem Angeklagten vermittelt, dass er erst klären müsse, ob das Boot öffentlich versteigert werden müsse. Eine gegenseitige Rückmeldung sei vereinbart worden. Er räumte aber auch ein, dass der Angeklagte seine Äußerung möglicherweise missverstanden haben könnte.

Besitzer des Bootes erschüttert 

Kurios war dann die Suche nach dem rechtmäßigen Eigentümer. Dem Mitarbeiter des Landratsamtes war nur ein vager Name eines Mannes aus Norddeutschland bekannt, dem das Boot gehören sollte. „Um das Boot kümmerte sich keiner“, sagte er . Im Juni 2014 hätte es schon einmal im Schlick festgesteckt und kein Besitzer sei aufgetaucht. Dieser erschien aber vor Gericht, sichtlich erschüttert über den Verkauf seines Segelbootes. Im Jahr 2012 hatte er das Schiff für 6500 Euro erworben. Der aus Norddeutschland stammende Eigentümer plante langfristig, das Boot nach Hamburg zu transportieren. 2014 machte er mit Freunden noch einen längeren Urlaub auf dem Segelboot am Starnberger See. „Mein Boot hatte ein amtliches Kennzeichen und ich hatte ein deutlich lesbares Schild mit meiner Adresse aufgeklebt“, sagte der Mann. Für ihn war es vollkommen unerklärlich, warum er als Besitzer nicht bekannt gewesen sein soll.

Nach dem Urlaub schickte er ein Transportunternehmen von Hamburg nach Bayern, um sein Schiff zu holen. Es stellte sich aber heraus, dass er sich verschätzt hatte. Das Boot passte nicht auf den Lastwagen. „Damit verzögerte sich die Sache“, erklärte er. Er organisierte ein andere Transportmöglichkeit. Als das Fahrzeug eintraf, war sein Boot nicht mehr da. „Man kann doch nicht einfach so ein Schiff stehlen“, sagte er fassungslos.

Angeklagter muss Geld in Raten zurückzahlen

Das Gericht schlug einen Vergleich vor. Der Angeklagte soll dem Geschädigten den erhaltenen Kaufpreis von 4000 Euro zurückerstatten und das Verfahren würde eingestellt. „Aber es geht mir doch nicht um das Geld. Es geht um mein Boot“, sagte der Eigentümer. Aber der Amtsrichter klärte den sichtlich erschütterten Mann auf: „Wenn ich hier ein Urteil fälle, zahlt der Angeklagte das Geld an den Staat. Sie haben dann weder Boot noch Geld. Wenn Sie dem Vergleich zustimmen, haben Sie wenigstens etwas und können weiter zivilrechtlich vorgehen.“ Nach kurzer Absprache mit seiner Frau stimmte der Geschädigte zu.

Der Angeklagte verpflichtete sich, das Geld in zehn Monatsraten zurückzuzahlen. Als Geldauflage kam auf ihn noch ein Betrag von 500 Euro, zahlbar an die „Brücke Oberland“, hinzu.

von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Meistgelesene Artikel

Drei Autofahrer bauen betrunken Unfälle

Landkreis - Ob es an den Weihnachtsfeiern oder den Christkindlmärkten liegt? Jedenfalls hatte es die Polizei am vergangenen Samstag mit einigen Trunkenheitsfahrten zu …
Drei Autofahrer bauen betrunken Unfälle

Kommentare