Während die einen Geflügel schon freiwillig im Stall hielten (im Bild der Schilcherhof), setzen andere erst jetzt die Stallpflicht um. foto: Herold

Hühner-Arrest gegen Geflügelpest

Landkreis - Seit Freitag dürfen keine Tiere mehr nach draußen und die Kleintiermärkte in Weilheim wurden abgesagt.

Nach dem Ammersee hat die Geflügelpest im Landkreis Starnberg auch den Starnberger See erreicht: Bei einer toten Wildente, die bei Feldafing gefunden wurde, ist die Vogelgrippe festgestellt worden, wie am Donnerstagabend bekannt wurde. Alarmbereitschaft also im nördlichen Landkreis Weilheim-Schongau, wo nahe der Seen (bis zu einem Abstand von drei Kilometern) eine Stallpflicht eingerichtet wurde.

Entwarnung gab es gesternbei einem Verdachtsfall: Eine im Bereich Hohenpeißenberg gefundene Ente hat nicht die Geflügelpest. Allerdings gibt es noch weitere Verdachtsfälle, die am Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, abgeklärt werden.

Auf dem Fischerhof in Hohenfurch konnten sich 5000 Hennen und 200 Gänse bis gestern noch die frische Luft um den Schnabel wehen lassen. Das liegt in erster Linie an der Lage des großen landwirtschaftlichen Anwesens. Vom Lech ist der Fischerhof fünf Kilometer entfernt. Nicht nur deshalb verirren sich dort selten bis nie Zugvögel hin. Die B 17 ist nicht weit entfernt, außerdem wirkt sich auch der rege Flugbetrieb der Kaserne in Altenstadt auf die Situation am Fischerhof aus: „Lärm mögen die Zugvögel nicht“, sagt Barbara Fischer. Ebenso wenig mögen sie die Hunde, die immer am Freilaufgehege aufpassen.

„Man darf sich da nicht verrückt machen“, sagte Fischer noch gestern Vormittag. Da hoffte sie noch, dass kein Stall-Zwang verordnet wird, nicht wegen der Hennen, die auch drinnen gut klarkommen, sondern vor allem wegen der Gänse. „Die kennen nur Freilauf, die kriegen drin einen Lagerkoller.“ Vor allem die Erpel könnten aggressiv werden. Folge: „Wir müssten alle Tier sofort schlachten“, so Fischer.

Dass die Stallpflicht bei Gänsen schlecht umzusetzen ist, bestätigte Josef Fischer, Vorsitzender des Vereins der Rassegeflügel-, Vogel- und Kaninchenzüchter Weilheim und Umgebung. Gänse und anderes Wassergeflügel wollten nämlich auch im Stall baden und machten „sofort alles nass“. „Hühner kann man eher im Stall lassen“, sagte Fischer. Sein Verein hat wegen der Geflügelpest die beiden Kleintiermärkte, die für 10. Dezember und 8. Januar in Weilheim geplant waren, abgesagt.

Auf dem Schilcherhof im benachbarten Kinsau hatte sich das rege Treiben, Scharren und Flattern bereits länger unters Dach verlagert. Die 7800 Tiere auf dem Demeter-Hof sind schon seit einer Woche im Hühnerstall. Den Stall-„Arrest“ haben Franziska Schilcher und ihr Mann den Tieren freiwillig verordnet. Die Angst vor infizierten Zugvögeln und den Fäkalien, die diese vielleicht im Hofbereich abwerfen, ist groß.

Als die Fischers in Hohenfurch gestern gegen 14 Uhr erfuhren, dass es jetzt doch eine Stallpflicht gibt, musste sich Jürgen Fischer zunächst sammeln: „Ich muss jetzt erst einmal mit dem Veterinäramt reden.“ Grundsätzlich sei die Stallpflicht für Hühner nicht schlecht - das fordere der Deutsche Geflügelverband schon seit einer Woche, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Aber für die Gänse würde er sich eine Ausnahmegenehmigung wünschen, eine Härtefallregelung. „Wir sind nicht nahe des Ammer- oder Starnberger Sees, wir sind kein Zugvogelgebiet.“

Räumlich sei die Stallpflicht kein Problem, so Jürgen Fischer, man habe noch einen freien Stall. Und durch die Anweisung des Freistaats muss er auch finanziell keine Nachteile befürchten: Übergangsweise dürfen Eier von Freilandhühnern, die durch die Stallpflicht nach drinnen gezwungen werden, weiter als Freilandeier angeboten werden. bo/bas/sts

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