Lockerheit gegenüber Mitarbeitern stößt auf geteiltes Echo

Du, Chef...

Landkreis – Den Chef duzen? Das scheint bei Spitzenmanagern keine Seltenheit mehr zu sein. Doch die neue Lockerheit stößt nicht bei allen Firmen auf positives Echo:

In den Machtzentralen deutscher DAX-Konzerne geht es neuerdings betont locker zu. „Daimler“-Chef Dieter Zetsche betrat die Hauptversammlung ohne Krawatte, auch „Siemens“-Vorstandschef Joe Kaeser verzichtet auf den Binder. Hans-Otto Schrader, Vorstand des Handelsriesen „Otto“, bot gar seiner Belegschaft das „Du“ an und möchte „Hos“ genannt werden. Topmanager starten angesichts von jungen „Start up“-Firmen mit ihrer unverkrampften Firmenkultur eine Charme-Offensive. Doch die Begeisterung über den Trend hält sich in der Wirtschaftswelt des Landkreises durchaus in Grenzen.

Dietmar Ahl hat eine klare Regel: Der Geschäftsführer des Weilheimer Metalllbauers „Bechtold“ (90 Beschäftigte) ist mit seinen Mitarbeitern per „Sie“. Bis auf ein paar Ausnahmen, aber da kennt man sich schon lange. Eine Distanz sei nie schlecht, sagt Ahl. „Manchmal ist es notwendig, klare Worte zu sprechen.“ Der Firmenchef glaubt auch, dass oftmals Mitarbeiter eine zu große persönliche Nähe gar nicht wollen. Er hat Unsicherheiten bemerkt. „Lockere Gespräche sind ihnen manchmal peinlich.“

„Roche“ in Penzberg ist mit rund 5600 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Oberland. Grundlegend wird „Wert auf einen offenen und respektvollen Umgang gelegt“, erklärt Dr. Johannes Ritter, Leiter „Kommunikation“. Unter den Führungskräften sei ein „Du“ sehr häufig zu hören und gehöre zum Arbeitsleben. Immer häufiger würden Vorgesetzte auch zu den Mitarbeitern „eine unkomplizierte Basis“ schaffen. Das Duzen sei in vielen Fällen ein Inbegriff von Interesse am Menschen, findet Ritter. „Oft lässt sich mit der richtigen Vertrauensbasis viel besser reden.“ Eine offizielle Anweisung gibt es jedoch nicht. Das „Du“ habe sich nicht zuletzt aus dem globalen Umfeld des Konzerns ergeben. Firmensprache ist Englisch, da sei die Anrede mit dem Vornamen ganz normal.

Dietmar Ahl ist Bechtold-Chef und lieber per Sie.
Stefan Zirngibl ist Kreishandwerksmeister und duzt in seiner Firma.

Bei „Agfa“ in Peißenberg gilt „das allgemeine Höflichkeitsgebot“, berichtet Werkleiter Herbert Klein – nämlich, sich per „Sie“ anzusprechen. Eine Anweisung von oben oder einen Verhaltenskodex gebe es nicht. Ein vertrautes „Du“ habe sich aus längerer Zusammenarbeit entwickelt oder aus dem privaten Bereich. „Das ist auch bei mir der Fall“, sagt Klein. Persönlich sieht er keine Probleme, bei dieser Vertrautheit kritische Themen anzusprechen. Wichtig sei, dass es um die Sache gehe „und die respektvolle Art des Gesprächs“. Generell komme es „eher auf den Inhalt als auf die Verpackung an“, sagt Klein, der Vorsitzender des IHK-Gremiums Weilheim-Schongau ist.

Anders geht es bei Stefan Zirngibl zu. Der Kreishandwerksmeister führt einen Schlosserbetrieb mit sieben Mitarbeitern in Weilheim. „Wir sind grundsätzlich per Du“, sagt er. Zirngibl schwört auf flache Hierarchien. „Wir arbeiten im Team.“ Überhaupt herrsche in der Handwerksbranche ein vertrauter Umgangston. Bei aller Lockerheit, macht Zirngibl einen Unterschied: Er, der schon mal im Arbeitsgewand im Landratsamt erscheint, ist bei offiziellen Terminen bei der Kleiderordnung konventionell. In Jeans oder Turnschuhen aufzutreten, „würde ich als unpassend empfinden“. Das sagt auch „Bechtold“-Chef Ahl: Gerade bei Geschäftsterminen und Kundenkontakten trägt er traditionell. Auch aus Respekt vor seinen Mitarbeitern. „Es steht der Belegschaft zu, dass der Geschäftsführer in Anzug und Krawatte auftritt.“

Keine Branche steht so für strikte Moderegeln wie die Banken. Bei den „Vereinigten Sparkassen“ gibt es eine Kleiderordnung, bestätigt Banksprecher Robert Christian Mayer. Allerdings nicht beim Umgangston: „Weder zu besonderer Lockerheit noch zu besonderer Zurückhaltung.“ Es werde Wert auf ein gepflegtes, seriöses „bankmäßiges“ Erscheinungsbild gelegt. Das bedeutet Binderzwang für die Herren. Zu besonderen, offiziellen Anlässen tragen die Mitarbeiter Krawatten und Schals in der Hausfarbe Rot. Einen Bankmanager ohne Krawatte oder gar in Turnschuhen kann sich Mayer nicht vorstellen. „Das passt nicht zum Stil des Hauses.“

Die lockeren Auftritte deutsche Spitzenmanager sieht „Bechtold“-Chef Ahl kritisch. Obwohl er eine Tendenz „zu einer etwas lockeren Kultur“ bemerkt. Aber: „Das sieht aufgesetzt aus und ist nicht authentisch.“

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