+
Bereit zum Start: Luftbeobachter Martin Pape mit "Tagblatt"-Volontärin Luca von Prittwitz.

Luftbeobachter üben für den Ernstfall

Katastrophenschutz aus der Luft

Landkreis - Regelmäßig üben Luftbeobachter für den Ernstfall. Unsere Volontärin Luca von Prittwitz war bei einem Flug mit an Bord.

Mit tuckerndem Motor rollt das Flugzeug auf die Startbahn, dann bleibt es stehen. Es vergehen einige Minuten. „Wir müssen warten, bis das Öl warm genug ist. Die Nadel muss über den Strich zucken“, erklärt der Pilot, Martin Pape. Ist das Motoröl zu zähflüssig, ist das eher ungünstig, weil dann der Motor nicht einwandfrei funktioniert. Schon komisch, dass von einer kleinen Nadel so viel abhängt. Dann zuckt sie. „Die ,Kater Weilheim 15 1’ geht raus“, kündigt Pape der Leitstelle in Weilheim per Funk an. Er gibt Gas und der Motorsegler nimmt an Fahrt auf. Dann hebt er ab.

Es ist sehr still am Himmel über Paterzell, selbst das Flugzeug macht kaum einen Mucks mehr. Sieht man durch die riesige, gewölbte Fensterfront, fällt der Blick auf Wolkenfetzen, unter denen die Landschaft des Landkreises liegt. Sieht alles etwas trist aus an diesem Samstagmorgen. Die Wetter-App des Smartphones zeigte auf dem Erdboden vier Grad an, bei 15 Prozent Regenwahrscheinlichkeit und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit – nicht gerade gute Flugbedingungen. Grundvoraussetzungen sind laut Pape genug Bodensicht, Weitsicht, und es darf nicht zu windig sein. Für einen so genannten Wetterflug reicht es heute, nicht aber für das, was eigentlich geplant war.

Ungewohnte Perspektive: Das Maisfeld bei Oderding.

Martin Pape ist neben seiner Tätigkeit als Feuerwehrkommandant der Feuerwehr in Oderding auch seit elf Jahren Luftbeobachter der Luftrettungsstaffel Oberbayern. Fliegen tut er aber schon seit 35 Jahren. Heute hätte bei Huglfing eine Katastrophenschutz-Übung stattfinden sollen, die zwei Mal im Jahr durchgeführt wird. Geplant war, dass der 49-Jährige und sein 63-jähriger Kollege Hermann Deutschenbaur, beide Mitglieder des Luftsportvereins Weilheim-Peißenberg, über Huglfing fliegen, einen vermeintlichen Waldbrand ausspähen und davon Fotos machen. Im Tiefflug hätten sie ein Rohr mit einem Speicherchip mit den Fotos über der Einsatztruppe abgeworfen. Der Einsatzleiter hätte sich die Daten angesehen und mithilfe der Fachberater aus der Luft entschieden, wo er wie viele Einsatzkräfte hinschicken muss, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Jetzt kann man sich fragen, weshalb man die Fotos in diesen modernen Zeiten nicht per Handy verschickt. Papes Erklärung ist simpel: „Es geht schneller als beispielsweise per W-Lan, da die Datenmenge zu groß ist und die Verbindung womöglich nicht stabil genug.“ Er sagt aber auch, dass der Einsatz von Flugbeobachtern in dem Moment unsinnig sei, in dem das Wetter schlecht ist. Waldbrandgefahr bestehe jedoch vor allem ab dem Frühjahr, wenn es wirklich trocken sei. Auch beim Schilfbrand in Fischen waren die Luftbeobachter im Einsatz sowie beim Brand in der „Rigi-Rutsch’n“, dem Hochwasser in Polling und dem Zugunglück in Bad Aibling – überall da, wo sich Katastrophen ereignen. Dabei werden die Flugzeuge und weiteres Equipment vom Luftsportverein gestellt, die Luftbeobachter fliegen zudem ehrenamtlich für den Katastrophenschutz.

„Die Sicht ist mehr als bescheiden“, sagt Pape in sein Headset, als das Flugzeug fast auf Höhe von Huglfing ist. Ein blickdichter Wolkenschleier hängt über dem Ort. Das Flugzeug geht in Schieflage, Pape lenkt es in einer Wendekurve wieder zurück. Er ist zum Teil schon länger als vier Stunden in dem schmalen Segelflugzeug geflogen, beim Start darf es nicht mehr als 770 Kilo wiegen. Es ist ihm anzusehen, dass er das genießt. Hier oben hat man Ruhe von dem Trubel auf der Erde. „Man bekommt den Kopf frei. Das ist Freiheit“, sagt er. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb er es liebt zu fliegen: „Es ist auch die Faszination, die Tatsache, dass man unsere gefiederten Freunde beobachten kann.“ Einmal, erzählt er, kreiste ein Bussard mit ihm am Himmel.

Nach dem Rundflug geht es zurück zur Start- und Landebahn in Paterzell. Das Höchsttempo lag während des Flugs bei 240 km/h, der Motor hat 100 PS. Das mit dem Wetter wird heute nichts mehr. Es scheint sogar noch ungemütlicher geworden zu sein, weshalb sich die Luftbeobachter und die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes in das Vereinshaus des Luftsportvereins zurückziehen. Dort bedankt sich Walter Weber von der Führungsgruppe „Katastrophenschutz“ bei den Ehrenamtlichen für ihr Engagement und betont dessen Wichtigkeit. Außerdem überlegt sich das Team, wann es die Übung stattdessen machen könnte. Schließlich ist es laut Weber eine „kleine Übung mit großem Mehrwert“, auch der Kommunikation wegen.

Damit die Flugzeuge die Mindest-Flughöhe unterschreiten dürfen, muss die Übung beim Luftamt angemeldet werden und auch die Polizei muss Bescheid wissen. Bisher wurde noch kein neuer Termin bekannt gegeben, wenn es im November und Dezember jedoch nicht klappt, will man die Übung im Frühjahr 2017 nachholen – bei hoffentlich besserem Wetter.

Text: Luca von Prittwitz

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>König Ludwig 4er Set mini</center>

König Ludwig 4er Set mini

König Ludwig 4er Set mini
<center>Honigwilli</center>

Honigwilli

Honigwilli
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Meistgelesene Artikel

Drei Autofahrer bauen betrunken Unfälle

Landkreis - Ob es an den Weihnachtsfeiern oder den Christkindlmärkten liegt? Jedenfalls hatte es die Polizei am vergangenen Samstag mit einigen Trunkenheitsfahrten zu …
Drei Autofahrer bauen betrunken Unfälle

Golf statt Abfallentsorgung

Landkreis - Der ehemalige  Geschäftsführer der EVA genießt seinen Ruhestand. Heute heißt es  bei Günther Höss Golf statt Abfallentsorgung.
Golf statt Abfallentsorgung

Kommentare