Mehr als 250 Angebote

Nicht jeder will die „Königscard“

Landkreis - Der Tourismusverband will sie, der Kreisausschuss sieht sie wohlwollend – doch nicht jede Mitgliedsgemeinde ist vom Nutzen überzeugt: Über die „Königscard“ wurde in der Tourismusverbandsversammlung kontrovers diskutiert.

 Vor sieben Jahren wurde die „Königscard“ eingeführt. Mehr als 250 Angebote können Urlauber damit in den Ammergauer Alpen, im Blauen Land, im Allgäu und in Tirol nutzen. Mittlerweile möchte der „Tourismusverband Pfaffenwinkel“ sich in den Service einklinken, die Initiative ging von Steingaden und Rottenbuch aus. Der Verbandsausschuss hat bereits einstimmig seinen Segen erteilt. Auch der Kreisausschuss erklärte unlängst seine Zustimmung, sollte die Karte eingeführt werden – und würde das Ganze für drei Jahre auf Probe laufen lassen. Entscheiden muss dies allerdings die Versammlung des Tourismusverbands, wohl im November soll das Thema auf dem Tisch liegen. Bis dahin muss der Verband jedoch viel Überzeugungsarbeit leisten. Denn nicht jede Mitgliedsgemeinde ist von der Karte überzeugt, wie sich bei der jüngsten Versammlung im Landratsamt zeigte.

Verbands-Geschäftsführerin Susanne Lengger hatte sich eigens die Führung der in Marktoberdorf sitzenden „Königscard Betriebs-GmbH“ als Unterstützung geholt. Geschäftsführer Oliver Bernhart rührte kräftig die Werbetrommel: Gäste, Vermieter, Leistungsanbieter von Freibädern über Museen bis Bergbahnen, aber auch die Gemeinden („Das ist aktive Wirtschaftsförderung“) hätten alle Vorteile von der „Anti-Stress-Karte“. Aus Sicht von Bernhart muss der Pfaffenwinkel über seine Grenzen blicken: „Die Zeiten sind vorbei, wo man mit dem eigenen Kirchturm nachhaltig Gewinn erzielt.“

Die Teilnahme kostet jedoch 22 370 Euro netto einmalig für das Einrichten der „Königscard“, plus rund 40 000 Euro jährliche Kosten. Die Grundkosten würde laut Lengger der Verband tragen – dafür aber seine Umlage für die Mitglieder erhöhen, wie Lengger auf Nachfrage sagte. Zuletzt war dies 2015 der Fall gewesen, um große Projekte wie die neuen Wanderwege zu finanzieren.

Bernharts lange Liste an Vorteilen überzeugte nicht jeden Rathauschef. Lengger hatte nach eigenen Worten durchaus mit kontroversen Reaktionen gerechnet, die denn auch kamen: Wildsteigs Josef Taffertshofer ist „absolut gegen die Einführung, weil wir Anbieter mit öffentlichen Geldern subventionieren“. Die Gastgeber würden die Mehrkosten auf den Gast umlegen, „und der will dafür was haben“. Prems Bürgermeister Herbert Sieber sieht angesichts der Masse der derzeitigen Angebote außerhalb des Landkreises keine Vorteile für die hiesigen Gemeinden: „Die Urlauber geben das Geld aus und kommen nur zum Schlafen nach Prem.“ Deutliche Worte fand Wessobrunns Helmut Dinter. Er bezweifelte rundweg den Nutzen der Karte, die lediglich finanzielle Vorteile für Anbieter und GmbH bringen würde. „Ich halte es für eine Katastrophe, so ein Ding zu machen“, sagte er und nannte die Karte rundweg „einen Beitrag zum Massentourismus“.

Selbst aus Bernbeuren kamen nachdenkliche Worte. Die Gemeinde ist neben Bad Bayersoien als einziges Verbandsmitglied bereits bei der „Königscard“ dabei. Bürgermeister Martin Hinterbrandner nannte sie angesichts der starken Konkurrenz der Allgäuer Nachbarn zwar wichtig für den eigenen Urlaubsstandort, aber: „Als Gemeinde habe ich tatsächlich nichts davon.“ Überhaupt sieht Hinterbrandner die Gefahr einer zu großen Urlaubsregion. „Wir sind fast austauschbar“, mahnte er. „Wo bleibt die Identität des Pfaffenwinkels?“

Doch es gibt auch Befürworter. Dass Bayersoiens Rathauschefin Gisela Kieweg dazugehört, überraschte nicht. Der Moorkurort zählt mit die meisten Übernachtungen im Verband. Aber auch Altenstadt, nicht gerade eine Touristenhochburg, will die Karte: Man dürfe sich nicht vom Trend abkoppeln, machte Bürgermeister Albert Hadersbeck deutlich. „Die Wertschöpfung dient allen.“

Die Landrätin jedenfalls will nun das Gespräch mit potenziellen Anbietern und Gastgebern suchen. Andrea Jochner-Weiß peilt für Ende September, Anfang Oktober Infoversammlungen an. Im November soll es dann in der Verbandsversammlung zur Abstimmung kommen.

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