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Sein Blick ist auf die Arbeiten gerichtet: Der Oderdinger Landwirt Martin Albrecht will mit Staudämmen in den Drainagegräben seine Lichtfilz-Fläche wieder vernässen. Es handelt sich um eine Renaturierungsmaßnahme. foto: Ruder

Renaturierung eines Lichtfilz bei Oderding

Landwirt will mit Idee zum Hochwasserschutz beitragen

Oderding -  Mit einer Renaturierung im Lichtfilz will Martin Albrecht zum Hochwasserschutz beitragen - "eine Idee, die man besprechen sollte", so Bürgermeisterin Vanni.

Vier Moore gibt es laut Martin Albrecht in Oderding, die zusammen fast ein Drittel der Fläche des Ortsteils von Polling ausmachen. Eines dieser Moore, das Lichtfilz, das zwischen Peißenberg, Paterzell und Oderding liegt, sollte nach seiner Vorstellung renaturiert werden. Dies hätte mehrere Vorteile: Das Moor würde bei starkem Regen, wie jüngst vorgekommen, viel mehr Wasser zurückhalten. Dadurch würden Teile von Peißenberg vor Überschwemmungen geschützt. Das zurückgehaltene Wasser würde zudem langfristig die Trinkwasserversorgung sichern, weil mehr Grundwasser vorhanden wäre. Außerdem würde der Abbau des Torfs gestoppt, bei dem Kohlendioxid gebildet wird, das den Klimawandel beschleunigt. In diesem Sinn hat Albrecht auf seiner Fläche den Aufwuchs abgeholzt und eine Firma beauftragt, einen Drainagegraben zu verschließen.

Das Moor gehörte laut Albrecht ursprünglich dem Kloster. Bei der ersten Flurbereinigung Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Fläche unter 74 Höfen aufgeteilt, damit die Bewohner dort Torf als Brennstoff abbauen konnten. Durch die Torfstiche wurde das Moor entwässert. Als die Kohle den Torf als Brennstoff ersetzte, verlor der Torfabbau an Bedeutung.

Im Dritten Reich wurden laut Abrecht durch Arbeitsdienste, bei denen auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden, Moore entwässert, um als Wiesen und Weideland für die Produktion von Lebensmitteln genutzt werden zu können. „Die Nazis wollten sich damit das Wohlwollen der Bauern erkaufen“, so Albrecht. Da die kleinen und immer noch nassen Flächen oft nicht sinnvoll bewirtschaft werden konnten, wurden etliche von ihnen aufgeforstet.

Heute hat die rund 100 Hektar große Fläche mit ihren sehr wenigen Wiesen laut Albrecht angesichts der Überproduktion von Milch, die auf den Preis drückt, keine Bedeutung für die Landwirtschaft mehr. Eine Renaturierung für den Hochwasserschutz sei daher die beste Nutzung der Fläche.

Auch Achim Rücker, der im Landkreis für die Renaturierung von Mooren zuständig ist, hält diese für sinnvoll. „Ein intaktes Moor saugt sich bei Regen voll wie ein Schwamm und kappt damit die Hochwasserspitzen“, erklärt der Diplom-Biologe. Außerdem würden beim Abbau des Moores pro Jahr 15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar freigesetzt – was durch die Renaturierung verhindert würde.

In den beiden Gemeinden, auf deren Gebiet das Moor liegt, ist eine Renaturierung aktuell nicht Thema. Laut Manuela Vanni beschäftigt man sich in Peißenberg derzeit mit anderen Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Die Bürgermeisterin findet Albrechts Vorschlag aber trotzdem „eine Idee, die man besprechen sollte“. Ihre Pollinger Kollegin denkt ähnlich: „Punktuell bringt es uns zwar nichts, weil das Wasser, das uns Probleme macht, von Süden kommt“, so Felicitas Betz, „global gesehen ist es aber sicher sinnvoll.“

von Alfred Schubert

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