Aus dem Gericht

Mit 2,5 Promille Polizisten wüst beschimpft

Höhenried – Ein Traunsteiner (55) war zur Kur in Höhenried.  Doch das brachte ihm am Ende eine Verurteilung zur Bewährungs- und Geldstrafe ein.

Ein Kuraufenthalt in der Klinik Höhenried wegen eines Rückenleidens sollte einem Traunsteiner eigentlich der Erholung dienen. Aber es brachte dem 55-jährigen Chemiker einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und noch einen wegen Beleidigung ein.

Über seinen Verteidiger erhob der Mann Einspruch, da die beiden Verfahren zunächst getrennt behandelt werden sollten. „Die Beleidigung hängt aber unmittelbar mit der Trunkenheit zusammen“, sagte der Verteidiger. So erging der Beschluss, dass beide Taten zu einem Verfahren verbunden wurden. Der Angeklagte leidet laut eigener Aussage unter einer Alkoholkrankheit. Zwei Jahre vor dem jetzigen Vorfall wurde ihm wegen eines ähnlichen Deliktes der Führerschein entzogen und er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. An einem Sonntag im Januar wollte sich der Angeklagte ein wenig die Gegend anschauen. Mit dem Auto fuhr er in der Gegend herum und konsumierte reichlich Alkohol. Eine Spaziergängerin beobachtete ihn in Tutzing schwankend neben seinem Auto stehend. Als sie sah, dass er in sein Fahrzeug stieg und Richtung Bernried fuhr, notierte sie sich das Kennzeichen und verständigte die Polizei. Die Beamten trafen den Angeklagten am Buchheim-Museum an. „Man konnte deutlich Alkohol riechen“, sagte ein Polizeibeamter aus.

Die Polizisten brachten ihn ins Tutzinger Krankenhaus zur Blutentnahme. Ein Promillewert von 2,5 wurde festgestellt. Die Blutentnahme ließ der Angeklagte noch freiwillig über sich ergehen und kooperierte. „Wir hatten auch den Eindruck, dass er alles verstand, was wir sagten“, erklärte der Polizeibeamte.

Der Angeklagte hatte sich auf Gedächtnislücken auf Grund seiner Alkoholisierung berufen und bezeugt, sich an nichts mehr erinnern zu können. Im Streifenwagen zurück zur Klinik schlug die Stimmung des Angeklagten jedoch um. Wüst beschimpfte er die Beamten. Das setzte sich auch fort, als er vor dem Eingang des Krankenhauses stand. „Ich muss mich nicht in aller Öffentlichkeit so beleidigen lassen“, sagte der Polizist. Er hatte Anzeige erstattet. Der Angeklagte hatte sich noch vor dem Gerichtssaal entschuldigt. Und er sehe auch ein, dass er dringend eine Therapie machen müsse. Das hatte er schon vor der Verhandlung in die Wege geleitet. Für 15 Wochen geht er zur stationären Entgiftung in eine Spezialklinik.

Der Amtsrichter wertete das zugunsten des Angeklagten, aber aufgrund des einschlägigen Voreintrags kam der Angeklagte um eine sechsmonatige Freiheitsstrafe nicht herum. Sie wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Führerschein wird für 18 Monate einbehalten. Außerdem muss der Mann 2000 Euro an die „Brücke Oberland“ zahlen in Raten von monatlich 200 Euro. „Polizeibeamte im Einsatz für die Bürger in aller Öffentlichkeit zu beleidigen ist misslich“, sagte der Richter. Aber er stellte auch fest: „Ihre Bemühung um die Therapie ist lobenswert.“

von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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