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Pfarrer Bernhard Holz kennt beide Lebensentwürfe aus eigener Erfahrung.

Vier Geistliche zur verordneten Ehelosigkeit für katholische Pfarrer

Der Zölibat wackelt – noch – nicht

Landkreis - Die Abschaffung des Zölibats ist derzeit wieder in der Diskussion. Vier Geistliche äußern sich zur verordneten Ehelosigkeit für katholische Pfarrer.

 Kürzlich, als bekannt wurde, dass Papst Johannes Paul II. eine enge Beziehung zu einer Frau hatte, flammte sie wieder auf, die Diskussion darüber, ob der Pflichtzölibat, den die katholische Kirche ihren Priestern verordnet, noch Sinn macht. In diesem Zusammenhang wurden Stimmen laut, die meinten, es bestehe gerade nach dem neuen Vorstoß von Papst Franziskus die Chance, den Zwang zur Ehelosigkeit in der jetzigen Form abzuschaffen. Sehen das die Geistlichen im Landkreis ähnlich? Und würde dieser Schritt dazu beitragen, dem Priestermangel entgegenzuwirken? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.

„Dieser Papst ist dafür bekannt, dass er Dinge ins Gespräch bringt, dass der Zölibat wackelt, würde ich aber nicht sagen“, sagt der katholische Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Peißenberg und Dekan Georg Fetsch. Natürlich sei der Pflichtzölibat eine Lebensform, die nicht einfach zu leben sei, doch auch in einer Ehe können Schwierigkeiten auftauchen. „Der Zölibat hat Vor- und Nachteile“, sagt Fetsch. Der Priester sei wesentlich freier in seinen Entscheidungen, als wenn er das Leben mit einer Partnerin gemeinsam gestalte. Der Nachteil sei allerdings der Verzicht auf eine Partnerschaft. „In der heutigen Singlegesellschaft ist das aber gar nicht so außergewöhnlich, keine Partnerschaft zu leben.“ Jeder Priester müsse eben schauen, dass er mit dem Weg des Zölibates so umgeht, dass es für ihn stimmig ist. Fetsch hat vor seinem Theologie-Studium als Großhandelskaufmann ein ganz anderes Leben geführt. Sein heutiges Leben empfindet er als erfüllender: „Durch den Priesterberuf ist mir ein Mehr geschenkt worden“, sagt er, „aber es bedeutet den Verzicht auf eine Partnerschaft.“ Auch sein Kollege, der katholische Pfarrer Bernhard Holz, der für die Penzberger Gemeinde „Christkönig“ zuständig ist, hatte zunächst einen anderen Lebensweg eingeschlagen: Er war Bankkaufmann und sogar verheiratet. Die Ehe scheiterte aber und seine Frau starb später. Erst dann sei in ihm der Wunsch gereift, Priester zu werden. Er kennt also beide Lebensentwürfe gut. „Der Zölibat setzt eine persönliche Entscheidung voraus – wie die Ehe auch“, sagt Holz. Niemand habe ihn gezwungen, Priester zu werden, aber mit dem Priestersein gehe eben die Ehelosigkeit einher. Dass die Abschaffung des Pflichtzölibats ein Rezept gegen den Priestermangel sein könnte, hält er für nicht erwiesen. Der Weilheimer Diakon Stefan Reichhart dagegen meint, dass sich etwas am Pflichtzölibat ändern muss: „In der Gesellschaft hat sich etwas geändert, von daher wäre es die Pflicht, den Zölibat aufzuheben.“ Seiner Ansicht nach wird es angesichts des wachsenden Priestermangels gar keine andere Wahl geben, als an der verordneten Ehelosigkeit von katholischen Priestern etwas zu ändern, denn zur Eucharistie gehöre eben ein geweihter Priester. Dass die Abschaffung des Pflichtzölibats allein die Lösung des Problems ist, bezweifelt er allerdings: „Das wird die Erosion nicht mehr aufhalten.“

Der Peißenberger Pfarrer Dr. Rainer Mogk hat heute schon beides: Er ist verheiratet und betreut zusammen mit seiner Frau Bettina die evangelisch-lutherische Gemeinde Peißenberg. Er sieht sein Eingebundensein in eine Familie als Vorteil für seine Arbeit als Pfarrer: „Ich bin in die Lebenswelt von Partnerschaft und Kindern eingebunden, wie andere Leute auch.“ Der Zwang für seine katholischen Kollegen, ehelos zu leben, sei ohnehin eine relativ späte und singuläre Erscheinung in der Geschichte der Kirche. „Wenn jemand aus persönlicher Entscheidung ehelos leben möchte, dann natürlich gern.“

Kathrin Hauser

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