20-jähriger Peißenberger wegen Diebstahls vor Gericht

„Ich hab’ keine Lust mehr auf Gefängnis“

Peißenberg - Ein 20-jähriger Peißenberger war wegen Diebstahls angeklagt. Aber eigentlich ging es in der Verhandlung um viel mehr...

Es war keine große Sache, wegen der der 20-Jährige aus Peißenberg vor dem Amtsgericht Weilheim stand – auch wenn der junge Mann die 17 Tage vor der Verhandlung deswegen im Gefängnis verbracht hatte. Am 15. Januar des vergangenen Jahres war er dabei erwischt worden, wie er in einem Supermarkt eine Flasche Whiskey stehlen wollte. Ins Gefängnis war er gekommen, weil er zum ersten Verhandlungstermin unentschuldigt nicht erschienen war.

Seine Tat gab er unumwunden zu: „Ja, ich hab’ die Flasche geklaut. Ich hatte in dem Monat kein Geld.“ Der Peißenberger leidet unter chronischer Geldnot, weil er keine Arbeit hat. Das ist aber nicht das einzige Problem des Angeklagten: Die Wohnung, in der er nun eine Weile gelebt hat, muss er räumen, weil er keine Miete gezahlt hat. Außerdem ist er vier Mal vorbestraft und muss von einer früheren Verurteilung noch Sozialstunden ableisten.

Doch auch das gestaltet sich schwierig. Der Angeklagte war gleich zum ersten Termin zu spät erschienen. „Da hieß es, dass ich nicht mehr kommen kann“, führte der Peißenberger vor Gericht aus. Um eine neue Stelle hat er sich dann nicht mehr gekümmert. Der 20-Jährige beteuerte: „Ich werde mich jetzt drum kümmern. Ich kriege mein Leben jetzt auf die Reihe, ich hab’ keine Lust mehr auf Gefängnis, eingesperrt zu sein ist nicht schön.“ Er hat auch schon Pläne, wie seine Zukunft aussehen könnte: „Ich will zur Bundeswehr – gegen Terrorgruppen kämpfen.“

Jugendrichter Michael Eberle war etwas ratlos angesichts des Verhaltens des 20-Jährigen: „Uns fehlt ein bissl das Vetrauen, das haben Sie langsam verspielt.“ Für die Jugendgerichtshelferin ist der Peißenberger „der klassische Kandidat, der den Übergang von Schule zum Beruf nicht geschafft hat“.

Der 20-Jährige stammt aus schwierigen Familienverhältnissen und war schon in verschiedenen Einrichtungen untergebracht. Einen Hauptschulabschluss hat er in einer Einrichtung auch machen können, zu einer Berufsausbildung hat es aber noch nicht gereicht. Beim letzten Versuch ist er aus dem Berufsbildungswerk geflogen, weil er auch dort straffällig geworden war.

Weitere Jugendhilfemaßnahmen hält die Jugendgerichtshelferin „für rausgeschmissenes Geld“. Der junge Mann sei ihrer Ansicht nach ein Kandidat für den Kurs „Tagwerk“, bei dem die Jugendlichen an einen geordneten Tagesablauf herangeführt werden, lernen pünktlich zu sein und überhaupt irgendwo zu erscheinen, wenn das angebracht ist.

Richter Eberle verurteilte den 20-jährigen Peißenberger zu 120 Sozialstunden, die innerhalb eines halben Jahres abgeleistet sein müssen. In diese Summe sind auch die bisher noch nicht geleisteten Stunden aus der früheren Verurteilung einbezogen. Der junge Mann muss nach einem Monat 20 Stunden geleistet haben, sonst drohen ihm bis zu vier Wochen Ungehorsamsarrest.

Jugendrichter Michael Eberle verhängte zusätzlich keinen Arrest, weil der junge Peißenberger ja die 17 Tage vor dem Verhandlungstermin bereits im Gefängnis gesessen hatte.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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