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Andreas Schalk (l.) würde Adama Diallo (Mi.) gern weiter beschäftigen. Mit im Bild (v.l.): Saba Coban, Thomas Sohmen (beide „Landler“-Mitarbieter) und Silvia Turansky. 

Adama Diallo (38) steht vor der Abschiebung

Er ist voll integriert, aber ein Illegaler

Peißenberg - Adama Diallo (38) steht vor der Abschiebung in den Senegal. „Landler“-Chef Andreas Schalk spricht von einem „großen Fehler im System“. Ein Flüchtlingsschicksal in Nahaufnahme.

Ein Blick in die Augen von Adama Diallo genügt, um seine Gefühlslage zu erahnen: Der Mann ist nicht glücklich. Ruhig und in sich gekehrt sitzt er mit Silvia Turansky, Anwältin mit Schwerpunkt „Asylrecht“, und Firmenchef Andreas Schalk in den Sozialräumen der Firma „Landler“. Diallo redet nur, wenn er gefragt wird – obwohl seine Sprachkenntnisse, gemischt mit Englisch, ganz passabel sind. Er versteht, was in der Runde gesprochen wird. Doch was macht Diallo so traurig?

Ein Rückblick: Diallo flüchtete 2013 aus dem Senegal nach Deutschland – „wegen politischer Probleme“, wie der 38-Jährige berichtet. Nach der ersten Station in München bekam Diallo in Peißenberg Ende 2014 eine Anstellung in der „Landler“-Schinkenproduktion. Eigentlich eine „Win-win-Situation“: Schalk hatte lange auf dem deutschen und europäischen Arbeitsmarkt gesucht, aber niemanden gefunden. Über den Asylunterstützerkreis wurde schließlich der Kontakt zu Diallo geknüpft – und die Integration verlief reibungslos. „Adama ist keinen einzigen Tag krank gewesen. Er war ein ganz treuer Mitarbeiter“, lobt Schalk, doch die Betonung liegt auf „war“. Vor zwei Wochen musste Diallo mit sofortiger Wirkung entlassen werden.

Unerfreuliche Nachrichten aus dem Landratsamt

Was war passiert? Schalk hatte routinemäßig beim Landratsamt angerufen und um Verlängerung der bis Ende Mai befristeten Aufenthaltsgestattung für Diallo gebeten. Was der „Landler“-Chef hörte, war wenig erfreulich: Man teilte ihm mit, dass Diallos Asylantrag abgelehnt und die Aufenthaltsgenehmigung frühzeitig aufgehoben wurde. „Man hat zu mir gesagt: ,Herr Schalk, Sie beschäftigen einen Illegalen. Wir haben Ihre Telefonnummer schon notiert.’“ Schalk war geschockt. Er ließ die Mittagspause noch verstreichen, um Diallo die unausweichliche Entlassung halbwegs schonend beizubringen: „Da sind Tränen geflossen, aber ich hatte keine Wahl“, erzählt Schalk, der sich über das Landratsamt und „die Art und Weise der Vollstreckung“ mächtig ärgert.

Warum er als bekannter Arbeitgeber in der Region nicht schriftlich über Diallos Beschäftigungsverbot informiert wurde, ist dem Firmenchef unerklärlich: „Ich bin doch nicht irgendein Dahergelaufener.“ Und dann eben noch die menschliche Komponente: „Wir haben uns von einem gebrochenen Mann verabschiedet“, schreibt Schalk in einem Brief an das Landratsamt, in dem er die Weiterbeschäftigung von Diallo beantragt. Aber die Chancen sind gleich null, die Rechtslage ist eindeutig.

Jeglicher Anspruch auf Integration erlischt

Senegal gilt als sicheres Herkunftsland, und mit der Ablehnung des Asylantrags erlischt jeglicher Anspruch auf Integration. Laut Gesetz müsste sich Diallo nun eigentlich selbst um die Reisepapiere für seine Abschiebung bemühen. Ob er das tut, weiß selbst sein Umfeld nicht. Doch es ist eher unwahrscheinlich. Wer hilft schon gern bei seiner eigenen Abschiebung mit – noch dazu, wenn in der Heimat Ungemach droht: „Ihn erwartet im Senegal polizeiliche Überwachung und vielleicht sogar Strafe“, mutmaßt Turansky.

Und Diallo schüttelt sofort den Kopf, als er gefragt wird, ob er zurück in die Heimat will: „Meine Zukunft ist hier in Deutschland. ,Landler’ is my familiy”, sagt er – aber die Hoffnung ist gering. „Adama war sozialversicherungspflichtig und hat mehr als den Mindestlohn verdient“, erklärt Schalk: „Und jetzt sitzt er zu Hause und liegt – ohne, dass er es will – der Allgemeinheit auf der Tasche.“ Schalk bezeichnet das ganze Procedere als „großen Fehler im System“: „Warum muss er zurück in den Senegal, wenn er hier bereits eingearbeitet und integriert ist? Wir brauchen diese Leute“, betont er.

Diallo befindet sich also in der Zwickmühle

In die gleiche Kerbe schlägt Turansky: „Das Landratsamt muss es letztlich ausführen, aber politisch ist das ganz falsch.“ Doch wie geht es mit Diallo weiter? Bemüht er sich nicht selbst um die Reisedokumente, müssen es die Behörden tun. „Das ist aber ohne die Kooperation des Betroffenen schwierig“, weiß Turansky.

Diallo befindet sich also in der Zwickmühle: Beschafft er sich Papiere, wird er schneller abgeschoben. Arbeitet er nicht mit den Behörden zusammen, versauert er in der Asylunterkunft. Dabei hätte seine „family“ sofort Verwendung für ihn: „Ich würde ihn gleich wieder einstellen – ohne Wenn und Aber“, versichert Schalk.

Bernhard Jepsen

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