+
Einen herzlichen Abschied bereiteten die Johanniter Ernst Frohnheiser (vorn, rot-gelbe Jacke), links neben ihm steht seine Frau Dr. Martina Seling-Frohnheiser. 

Ernst Frohnheiser verabschiedet

Abschied vom „Standort-Druiden“

Peißenberg - Seit 1998 war Ernst Frohnheiser Standort-Arzt der Johanniter in Peißenberg. Jetzt beendete er sein ehrenamtliches Engagement.

Wir befinden uns im Jahr 2016 nach Christus. Ganz Bayern ist vom Roten Kreuz besetzt. Ganz Bayern? Nein! Ein von unbeugsamen Johannitern bevölkerter Ortsverband ... usw., usw.. Freilich, Asterix-Fans werden es längst erkannt haben, der Text ist abgekupfert. Doch die Peißenberger Johanniter haben sich nun einmal den Spitznamen „Ortsverband Gallien“ verpasst, „weil wir ein bisschen die Wilden und der südlichste Stützpunkt im Regionalverband Oberbayern sind“, wie der Ortsbeauftragte Florian Simeth schmunzelnd erzählt. Und damit wird auch klar, warum an diesem Abend auf dem großen Banner vor der Johanniter-Geschäftsstelle an der „Alten Kohlenwäsche“ nicht nur in großen Lettern „Danke Ernst!“, sondern auch „Standortdruide OV Gallien 1998 – 2016“ geschrieben steht. Gemeint ist Peißenbergs „Miraculix“, Ernst Frohnheiser. Die Johanniter haben zu seinen Ehren eine große Feier organisiert. Es ist eine Abschiedsfeier: Frohnheiser hat sich nämlich bereits vor zwei Monaten dazu entschlossen, sein ehrenamtliches Engagement als Standortarzt aufzugeben.

Es ist eine spürbar herzliche Verabschiedung, zu der fast alle Ortsverbands-Mitglieder im Johanniter-T-Shirt erschienen sind. Auch die TSV-Boxabteilung sowie die Hunde- und Motorradstaffel der Unfall-Hilfe sind vertreten. Frohnheisers geradlinige, lockere Art kam bei den Johannitern offenbar bestens an. „Er war bei allem dabei und war sich für nichts zu schade. Er hat die medizinische Leitung bei Großaufträgen übernommen, ist bei uns aber auch beim Geschäftsstellenbau an der Betonmaschine gestanden“, lobt Simeth seinen ehemaligen „Druiden“: „Er war dem Ortsverband immer treu.“

Frohnheiser begründet seinen Rückzug mit einer „neuen Lebensabschnittsplanung“. Der Pfälzer, der bei den Johannitern trotz seiner langjährigen Eingemeindung immer noch den Status „Bayer auf Probe“ trägt, feiert am 6. August seinen 60. Geburtstag. Für Frohnheiser eine Zäsur – auch wenn er betont, dass die Weilheimer Chirurgiepraxis natürlich weitergeführt wird: „Ich muss schon noch arbeiten.“ Auch als Notarzt wird er weiter aktiv sein – „als Ausgleich zur Praxis“. Aber zwischen Oktober und März jedes Wochenende als Johanniter-Arzt im Eisstadion? „Das muss nicht mehr sein“, sagt Frohnheiser, der seit 2011 auch für CSU/Parteilose im Marktrat sitzt – „als Stimme der Johanniter“.

Seine ehrenamtliche Karriere beim Rettungsdienst begann der – ehemalige – „Standortdruide“ Anfang der 1980-er Jahre: „Ich brauchte einen Erste-Hilfe-Kurs für mein Medizinstudium“, erzählt Frohnheiser in seiner launigen Abschiedsrede. Später folgten Einsätze als Rennarzt beim Formel-1-Rennen in Hockenheim und die ärztliche Betreuung eines Pfadfinderlagers mit 6000 Leuten: „Da hat es 7000 Eintragungen ins Medizinbuch gegeben. Einer ist zehn Meter tief vom Fahnenmast gefallen. Diagnose: Polytrauma“, erinnert sich Frohnheiser. 1998 ging es dann mit der Familie nach Bayern. Und als er in Peißenberg auf Wohnungssuche war, traute er seinen Augen nicht: „Da stand im Rot-Kreuz-Land Bayern ein Johanniter-Auto vor einem Haus. Da hab’ ich natürlich sofort geklingelt.“ Frohnheiser wurde am 27. Februar 2000 offiziell zum Standortarzt gekürt. Seine „prägendsten Erlebnisse“ beim Ortsverband „Gallien“: Die Einsätze während der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Und wie sieht es mit der Nachfolge aus? Neuer Standortarzt wird Fon Tamuncho. Der Kameruner lebt schon viele Jahre in Peißenberg und will in absehbarer Zeit in Hohenpeißenberg eine Praxis eröffnen. Wie die Verbindung zu den Johannitern zustande kam? Tamuncho ist der Nachbar von Frohnheiser: „Der Fon ist ein ganz lieber“, sagt der „Altdruide“ über seinen Nachfolger.

Bernhard Jepsen

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Meistgelesene Artikel

Zehn Jahre „Suono Cantabile“

Peißenberg - Der Chor "Suono Cantabile" bringt seit zehn Jahren Schlager ebenso wie Gospels auf die Bühne.  Gründerin Eva Haumann ist noch immer Vorsitzende und …
Zehn Jahre „Suono Cantabile“

Familienbad, Wohnungen und Arbeitsplätze

Peißenberg -  Familienbad, Wohnungen und Arbeitsplätze... Die SPD Peißenberg sprach bei ihrer Mitgliederversammlung über Themen, die die Gemeinderatsfraktion umtreiben.
Familienbad, Wohnungen und Arbeitsplätze

Kommentare