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Die alpenländischen Meister 2016: (von links) Hubert Franz, Franz Seitz, Josef Utzschneider, Maxi Socher, Anton Bader, Markus Weber, Jakob Gerg und Gerhard Sturm.

Peißenberg

"Ammergau": Silber beim Heimspiel

Peißenberg - 155 Fingerhakler traten in der Tiefstollenhalle auf die Bühne – „Ammergau“ holte drei Siege und Platz zwei in der Gauwertung.

Lautstarke Anfeuerungsrufe und anhaltendes Klatschen war schon vom Parkplatz der Tiefstollenhalle zu hören. Die hatten am Sonntag nicht Bergmannstradition oder Kultur in Beschlag genommen, sondern ein Traditionssport: Die Fingerhakler zeigten in der voll besetzten Halle ihr Können auf der Bühne. Bei der 39. Alpenländischen Meisterschaft waren neun Gaue – darunter drei aus Österreich – mit 155 Teilnehmern dabei.

„Auf geht’s“, „pack mas“, waren nur einige der Anfeuerungsrufe, mit denen das Publikum, meist in Tracht, ihre Favoriten kräftig unterstützte, während die Bedienungen fleißig hin und her eilten, um Zuschauer und Fingerhakler, die an den Tischen auf ihren Auftritt warteten, mit Getränken und Essen zu versorgen. Doch bevor die Fingerhakler ihr Können und ihre Kraft am Tisch, wo sich die Gegner gegenüber sitzen, zeigen konnten, mussten sie zum Wiegen. Viele nutzten in dieser Zeit die Gelegenheit, sich vor dem Wettkampf mit Klimmzügen und Ziehen mit dem Lederring Körper und Finger fit zu machen. Schon da kam so mancher kräftig ins Schwitzen, was sich dann beim Kampf fortsetzte, bevor der Sieger, begleitet vom Applaus, stolz vom Platz ging – natürlich nicht, ohne vorher dem Gegner ganz sportlich die Hand zu reichen.

Beim Fingerhakeln dürfen alle Finger benutzt werden, nur nicht der Daumen. „99 Prozent benutzen den Mittelfinger“, sagt Hubert Franz, Vorsitzender der Ortsgruppe Peißenberg-Forst der Fingerhakler vom Ammergau, die die Alpenländische Meisterschaft austrug. Franz betreibt diesen Traditionssport seit 40 Jahren, hat schon einige Preise eingeheimst – und gewann auch in der Tiefstollenhalle bei den „Senioren 1 – ab 85 Kilogramm“. „Schon mein Vater Michael und mein Großvater waren erfolgreiche Hakler“, erzählt er. Auch sein Sohn Felix führt seit seinem sechsten Lebensjahr diese Tradition fort. „Ich darf heute noch nicht mitmachen, weil ich erst 15 Jahre alt bin“, sagt Felix Franz. Er übernahm am Sonntag an der Kasse eine Aufgabe, jeder Teilnehmer wurde von ihm abgestempelt. Der ehemalige mehrfache Schülermeister freut sich darauf, wenn er nächstes Jahr selbst auf der Bühne aktiv werden darf.

Hubert Greisel vom Gau Auerberg kommt gerade von der Waage, die sich hinter einer Wand befindet. Sein Gewicht, 89 Kilo, stimmte, und so durfte er in der Halbschwergewichtsklasse (bis 90 Kilo) antreten – am Ende reichte es für Platz drei. „Für diesen Sport braucht es schon Durchhaltevermögen, auch muss das Kreuz stabil sein“, erklärte der 45-Jährige, der nicht nur im Verein, sondern auch zu Hause fleißig trainiert, Da werden Gewichte gezogen, an Ringe gehängt. Kraft sei aber nicht alles, es zähle auch die Ausdauer.

Besonders viel Applaus bekam beim Heimspiel Richard Daisenberger aus Peißenberg. Der 81-Jährige war der älteste Teilnehmer und sein 60 Jahre alter Fingerring schon recht ramponiert von den vielen Wettkämpfen, am Sonntag hielt er aber noch immer allen Unbillen stand. Daisenberger war als Aktiver zum letzten Mal dabei, in der Gewichtsklasse II (ab 55 Jahren). „Gegen die Jungen hab ich keine Chance“, sagte der Senior lachend, dennoch hielt er sich wacker auf der Bühne. Auch trainiert er nach einer gesundheitlichen Flaute jetzt wieder – so zum Spaß. Er erinnert sich noch gern daran, wie er vor 50 Jahren in Garmisch „gegen den Hans Maurer“ Vizemeister im Mittelgewicht wurde. Auch in Zukunft wird er sich keinen Kampf entgehen lassen – allerdings sitzt er dann im Zuschauerraum.

Diesmal aber konnte er immerhin noch einen zweiten Platz verzeichnen, den er mit dem Team „Ammergau“ in der Gauwertung holt. Neben Franz hatten auch Gerhard Sturm (Senioren 1 – bis 85 Kilogramm) und Anton Bader (Halbschwergewicht) Siege für die Gastgeber eingeheimst. Besser als das Ammergauer Team waren nur die Fingerhakler vom Gau „Auerberg“.

Zufrieden mit der Teilnehmerzahl, dem Ablauf und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die für eine reibungslose Veranstaltung gesorgt hatten, waren nicht nur Hubert Franz, sondern auch Landesverbandvorsitzender Toni Bader, der die Gäste und Teilnehmer mit einem „Herzlichen Grüß Gott“ willkommen hieß.

Von Inge Beutler

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