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Spannende Duelle 2016: Immer Dienstagabend  kommen Schachspieler im Hans-Albrecht-Stüberl in Peißenberg zusammen, darunter Josef Kögl (l.) und Jakob Shub (r.)

Hans-Albrecht-Stüberl

„Irgendwo wurde immer Schach gespielt“

Peißenberg - Das königliche Spiel hat in Peißenberg Tradition . Heutzutage ist das Hans-Albrecht-Stüberl  Treffpunkt für Schachspieler.

Rauchende Köpfe 1987: Das Foto zeigt den deutschen Großmeister Wolfgang Unticker bei einem Simultanturnier in der Schulturnhalle von St. Johann anlässlich der Hobbytage.

Für Josef Kögl ist es jeden Dienstagabend das gleiche Ritual. Kurz nach 19 Uhr spaziert er von seinem Wohnhaus in der Iblherstraße ins Gemeindehaus an der Schongauer Straße. Frischluft tanken und vielleicht noch die ein oder andere Spielstrategie durchgehen – denn in den Stunden darauf werden die grauen Zellen so richtig gefordert. Kögl gehört zu der Gruppe, die sich regelmäßig im Hans-Albrecht-Stüberl zum Schachspielen trifft.

Der 83-Jährige ist quasi der „Großmeister von Peißenberg“: „Ich möchte mich nicht selber loben, aber ich war sehr oft Clubmeister“, erzählt Kögl mit einem Schmunzeln. Zwischen 1961 und 1991 holte sich der gelernte Schreinermeister 13 Mal den Titel. Auch in der Zugspitzliga mischte Kögl mit seiner Peißenberger Mannschaft lange Jahre im oberen Drittel mit: „Wir hatten damals schon sehr starke Spieler“, erinnert er sich.

Das königliche Spiel hat in Peißenberg Tradition: „Es wurde im Ort eigentlich immer irgendwo Schach gespielt“, weiß Kögl. Vor genau 70 Jahren hatten sich in der Marktgemeinde unter dem Dach des TSV Peißenberg erstmals Schachspieler offiziell organisiert. Mitinitiator war Volksschullehrer Paul Moser, der einigen seiner Schützlinge nach dem Unterricht das Schachspielen beibrachte – einer von den „Lehrlingen“ war Kögl. 1950 wurde dann ein eigener Schachclub gegründet und beim Bezirksverband eine Mannschaft angemeldet. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Peißenberg schaffte es bis zum Zugspitzmeister und stellte mit Hans Zeitler sogar mehrmals den deutschen Blindenschachmeister. Zeitler war bei den Mannschaftswettbewerben immer an „Brett 1“ gesetzt.

Intern konnte ihm im Club nur einer halbwegs das Wasser reichen – natürlich Kögl: „Wer konkurrieren konnte, war theoretisch ich.“ Als das Bergwerk 1971 schloss, ging es allerdings auch mit dem Schachclub bergab. Viele Kumpel, die sich dem Verein angeschlossen hatten, zogen aus Peißenberg weg. In den 1980er Jahren erlebte der Verein zwar noch einmal eine Renaissance, ab 1992 war dann aber mangels Personal keine eigene Mannschaft mehr am Start. Kögl wechselte damals zum Schachclub Weilheim und später zum SC Hohenpeißenberg. Dort ist er heute noch im Liga-Betrieb aktiv und wurde vor zwei Jahren sogar noch einmal Vereinsmeister: „Schach ist wirklich Sport, man muss körperlich fit sein“, sagt Kögl, „Deshalb mische ich auch im hohen Alter noch ganz gut mit.“ Lediglich die Augen bereiten ihm etwas Probleme: „Wenn ich zu lange auf das Schachbrett schaue, dann fangen die Figuren an zu verschwimmen.“ Für Kögl ein gravierender Nachteil: „Meine Partien waren früher immer die längsten. Ich wollte jedes Mal auch den letzten Bauern zur Dame machen.“

Kögl meint, dass man beim königlichen Spiel den Charakter eines Menschen erkennt: „Mein Sohn Stefan war beim Schach ein Draufgänger wie im Leben. Ich dagegen war eher ein konservativer Spieler.“ Und heute? „Da muss man manchmal froh sein, wenn man noch ein Remis rausholt“, stapelt Kögl tief. Im Hans-Albrecht-Stüberl absolviert der „Großmeister“ bisweilen auch Simultanpartien mit Jugendlichen – und der Nachwuchs beißt sich dabei in der Regel die Zähne aus. „Von Jakob Shub hab’ ich aber schon zweimal eine draufbekommen. Der Bub hatte eine Mordsfreud’, und ich vergönn’ es ihm“, erzählt Kögl.

Auch die Vereinskollegen vom SC Hohenpeißenberg sind bei den Treffen mit dabei. Für alle irgendwie ein Pflichttermin: „Wenn man Schach spielt“, schwärmt Kögl, „dann ist die Welt um einen herum ausgeschaltet.“ Zumindest jeden Dienstagabend.

Bernhard Jepsen

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