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Die Spiegelung macht’s möglich: Manfred Gorgus in der Tiefstollenhalle, fotografiert durch die Glastür, sodass man das Gelände vor der Halle noch sieht.

Immer auf der Suche nach Neuem

Im Porträt: Kulturmanager Manfred Gorgus (54)

Peißenberg – Der Kulturmanager Manfred Gorgus ist hauptberuflich Marketingfachmann - er liebt die berufliche Veränderung. Außerdem seinen Land-Rover, der ständig kaputt ist.

So viel vorweg: Ein Porträt über Manfred Gorgus würde jeglichen Rahmen sprengen, wenn es alle seine persönlichen Facetten enthalten sollte. Der Mann hat viel zu erzählen – sehr viel. Allein über seinen beruflichen Werdegang könnte man problemlos eine komplette Zeitungsseite füllen. Gorgus hat Vieles in seinem Leben ausprobiert, sich immer wieder auf Neues ein- und Umbrüche zugelassen – und so hat es ihn irgendwie auch nach Peißenberg verschlagen, wo er seit 2014 als Kulturmanager für die programmliche Gestaltung in der Tiefstollenhalle zuständig ist.

Das Gespräch mit dem hauptberuflich als Marketingfachmann für erneuerbare Energien tätigen Gorgus findet bei ihm zu Hause im Tutzinger Ortsteil Traubing statt – genauer gesagt an dem von ihm titulierten „Meeting-Tisch“. Das klingt schwer nach „Big-Business“ und Wichtigtuerei, ist aber witzig gemeint: Das klapprige Tischchen steht in Gorgus‘ Garten unter einem Baum. Ein paar Meter weiter hoppeln ein paar Hasen in einem Gehege umher. „Zwar bin ich ein intellektuelles Scheißerchen“, gibt der 54-Jährige schmunzelnd zu, „aber ich bin total bodenständig. Ich mag es einfach und ehrlich.“ Gorgus ist ein offener, sympathischer Gesprächspartner. Berührungsängste kennt er nicht. Besonders markant ist neben dem herzhaften Lachen, der hessisch-rheingauer Dialekt des gebürtigen Wiesbadeners. Sprachlich, humoristisch und vom Gestus her erinnert Gorgus ein bisschen an den Kabarettisten Urban Priol: „Ja, Ja. Das ist der gleiche Singsang. Nur die hochstehenden Haare, die sind bei mir nicht mehr machbar“, sagt Gorgus – und lacht dabei. Als Kulturmanager hat er sogar schon einmal bei Priol angefragt – leider vergeblich: „Das ist ein Klassemann. Der macht nix mehr unter 1000 Besuchern.“

Ein schwindelerregender Lebenslauf

Gorgus ist aber nicht nur ein sympathischer, sondern auch ein spannender Gesprächspartner. Sein Lebenslauf ist geradezu schwindelerregend: Gorgus absolvierte eine Ausbildung zum Rettungsassistenten, hat zwei Semester Biologie studiert, wollte Mediziner werden, hat sich in Elektrotechnik versucht und graduierte schließlich 1989 am Newport-Collage in Wales zum Diplom-Journalisten mit Schwerpunkt „Bildredaktion“. Die Auslandsstudienzeit ist dem bekennenden Großbritannien-Fan – „das ist meine zweite Heimat“ – nachhaltig in Erinnerung geblieben: „Da waren tolle Leute dabei wie Martin Parr, dem Revolutionär der Reportage-Fotographie“, schwärmt Gorgus – wobei es ihm die Briten generell angetan haben: „Die haben Stil. Außerdem mag ich ihren Humor und die Folkmusik.“

Seinen beruflichen Werdegang startete Gorgus aber in Deutschland. Er war unter anderem für das „Handelsblatt“, den „Spiegel“ und den „Rheinischen Merkur“ tätig. 1998 zog es ihn dann nach Bayern, er wurde Leiter der Bildredaktion bei der „Apothekenumschau“. Doch man ahnt es schon: Neun Jahre später folgte wieder ein Umbruch. Gorgus wechselte in die Branche der erneuerbaren Energien. Nach einem kurzen Intermezzo als Immobilienmakler arbeitete er noch als „Schüko“-Gebietsmanager und gründete 2014 seine eigene Marketingplattform „Solar-Professionell“. Damit hat er offenbar den Nerv getroffen: „Die Solarbranche musste früher kein Marketing machen. Heute aber schon. Man muss viel mehr erklären, Zusammenhänge darstellen und Networking betreiben“, erklärt Gorgus seine Tätigkeit – wobei er die Arbeit nicht nur als Job sieht: „Die Energiewende ist für mich Herzensangelegenheit.“

"Es gibt immer neue Ansätze"

Gorgus beschreibt sich selbst als „begeisterungsfähigen Menschen, der die Herausforderung kommunikativer und kreativer Art sucht“: „Wenn mir jemand etwas Neues zeigt, bin ich sofort Feuer und Flamme“, betont er. Die Auseinandersetzung mit dem „Neuen“, genau das ist es auch, was ihn an seiner Kulturarbeit so reizt: „Alles entwickelt sich weiter – ob Texte, Visuelles oder Musik. Es gibt immer neue Ansätze.“

In der Tiefstollenhalle ist das konzeptionell nur bedingt umsetzbar. Die Finanzen sind begrenzt, und der Geschmack des Publikums ist doch eher auf Mainstream ausgerichtet: „75 Prozent der Leute sind keine Fans von Veränderungen“, bedauert Gorgus. Aber die Kulturarbeit macht ihm trotzdem Spaß, sie ist ein Ausgleich zum stressigen Hauptberuf: „Es ist eine andere Welt“, sagt Gorgus: „Und ich hatte auch sofort einen guten Draht zu den Künstlern.“

Ein wesentlicher Anker sind für Gorgus seine Ehefrau und seine drei Kinder. Als „Familienmitglied“ gilt übrigens auch sein alter Land-Rover. Der ist nicht nur eine Hommage an Britannien, sondern für Gorgus ein Stück Lebensgefühl: „Rational ist es das bescheuertste Auto, das es gibt. Es ist ständig kaputt und verbraucht viel Benzin – aber es hat Charakter.“

Horrorvorstellung: Rente

Land-Rover, das klingt irgendwie auch nach Abenteuer und Erlebnisreisen, doch für solche Dinge ist Sportmuffel Gorgus – „Laufen ist fad, und das Fahrrad nutze ich nur zum Semmeln holen“ – nicht zu haben. Da geht er lieber morgens und abends auf die Koppel zu seinen beiden Pferden: „Es fällt dann der ganze Stress ab. Eine Stunde durch den Wald reiten, das ist für mich wie eine Woche Urlaub“, erzählt Gorgus.

Und was soll die Zukunft bringen? „Ich will die erneuerbaren Energien voranbringen – und nicht aufhören zu arbeiten“, sagt Gorgus mit energischer Stimme. Das Thema „Rente“ ist für ihn eine Horrorvorstellung: „Die älteren Kabarettisten machen ja auch alle weiter. Der Geist muss einfach trainiert werden.“

Von Bernhard Jepsen

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