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Waren zusammen 72 Jahre lang als Lehrer im Einsatz: Erika Guggenmos und Hans Streicher, die bei dem Fototermin ordentlich Spaß hatten.

Lehrerkollegen Erika Guggenmos und Hans Streicher gehen in Ruhestand

Zwei Lehrer nehmen mit gemischten Gefühlen Abschied 

Peißenberg – Die Lehrerkollegen Erika Guggenmos und Hans Streicher der Mittelschule in Peißenberg gehen in den Ruhestand. Von Erinnerungen, Emotionen und Zukunftsplänen:

Wenn man Erika Guggenmos und Hans Streicher beim gemeinsamen Fototermin beobachtet, dann kann man erahnen, wie es viele Jahre lang im Lehrerzimmer der Josef-Zerhoch-Mittelschule in Peißenberg zugegangen sein muss. Da wird gelacht und gewitzelt, was das Zeug hält. Die vom Fotografen vorbereitete Schiefertafel, da ist sich das Lehrerduo einig, muss unbedingt neu beschriftet werden. Der vorgeschlagene Titel „Schule adé“ geht gar nicht. Streicher moniert den Apostrophen – und überhaupt: „Entweder sind wir in Bayern oder nicht.“ Auf der Tafel, die beide nach mehreren Lachanfällen in die Kamera halten, steht schließlich „Pfia di Schui“ – und damit wäre auch der Anlass des Pressetermins geklärt.

Wenn am 13. September das neue Schuljahr beginnt, dann werden die Lehrerurgesteine – Streicher hat 37 und Guggenmos 35 Dienstjahre auf dem Buckel – nicht mehr an Bord sein. Während Guggenmos die Altersteilzeit nutzt, geht Streicher offiziell in Pension. Zwar hätte der 64-Jährige noch eineinhalb Jahre weitermachen können, doch er wollte den Zeitpunkt seines Abschieds selbst bestimmen – „weil jetzt hat es mir noch Spaß gemacht.“ Streicher war bei seinen Schülern beliebt und genoss auch bei den Eltern einen ausgezeichneten Ruf. „Lehrer sein, das kann man nicht lernen. Entweder man kann es oder man kann es nicht“, sagt Streicher, der Regeln vorgab, seinen Schützlingen aber auch Freiheiten zugestand: „Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“ Er war Lehrer „mit Leib und Seele“ und der Abschied fällt ihm entsprechend schwer. „Ja“, antwortet er ohne Zögern auf die Frage, ob er Wehmut empfindet. „Als ich am letzten Schultag heimgekommen bin, habe ich mich in den Garten gesetzt und eine Stunde lang geheult.“ Seine Schüler – Streicher unterrichtete bevorzugt die älteren Jahrgänge – hatten ihm zum Abschied Wunschkärtchen geschrieben. Das rührte die Lehrer-Seele.

„Nicht cool“, wie sie betont, aber eher pragmatisch begeht Guggenmos ihren Abschied vom Berufsleben. „Man hat gemischte Gefühle“, gibt sie zwar zu, „aber es ist gut so. Es war lange so geplant.“ Sie ist 1975 im zarten Alter von 22 Jahren in den Lehrerberuf eingestiegen. An der St. Johann-Schule hat man ihr gleich eine Klasse mit 36 Schülern aufs Auge gedrückt: „Das war heftig. Ich wollte damals eigentlich wieder aufhören“, erinnert sich Guggenmos. Doch sie blieb bei der Stange. War es letztlich doch ein Traumberuf? „Es hat gut gepasst. Ich denke das Verhältnis zwischen mir und meinen Schülern war gut.“ Ebenso wie Streicher – „Die Einführung der R6 und des G8 waren die zwei größten Fehler der bayerischen Schulpolitik“ – kritisiert Guggenmos das streng leistungsorientierte Schulsystem: „In den 5. und 6. Klassen der Mittelschule sind viele Kinder frustriert, weil sie es nicht auf eine höhere Schule geschafft haben.“ Da sind pädagogische Fähigkeiten gefragt: „Es war nie langweilig“, resümiert Guggenmos ihre Lehrerzeit. „Auch wenn ich nie etwas in die Luft gejagt habe“, wie sie in Anspielung auf Streicher frotzelt. Der hat im Chemie-Unterricht nicht nur den Wasserzersetzungsapparat zum Bersten gebracht, sondern bei einem Fettlöschversuch auch die ganze Schule in Pommes-Gestank gehüllt.

Und wie sieht die Zukunft der beiden Ruheständler aus? Guggenmos freut sich vor allem auf ihren „Oma-Einsatz“. Für die sechs Enkelkinder sind bereits feste Betreuungstage geplant. „Und dann will ich auch mehr Zeit für mich haben“, sagt Guggenmos, die passionierte Radfahrerin ist: „Aber bitte noch ohne E-Motor.“ Guggenmos weiß nicht, „ob ich noch dringend eine besondere Aufgabe brauche“.

Auch Streicher hat noch keine Pläne geschmiedet: „Ich werde sicher etwas tun. Aber was genau, das lasse ich noch offen.“ Sein Kreistagsmandat wird er weiterführen: „Die Arbeit in der SPD-Fraktion macht richtig Spaß.“

von Bernhard Jepsen

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