Peißenberger leistete bei Festnahme Widerstand und kam vor Gericht

Heftiger Ehestreit wegen der AfD

Peißenberg - Polizisten wollten  einen Peißenberger (46) nach einem Streit mit seiner Frau in Gewahrsam nehmen, der leistete jedoch Widerstand. Dafür stand er nun vor Gericht.

„Den kennen wir schon“, sagte ein Polizeibeamter im Zeugenstand vor dem Amtsgericht Weilheim.

Im Oktober letzten Jahres riefen zum wiederholten Male besorgte Nachbarn die Polizei. Zu dem nächtlichen heftigen Streit eines Ehepaares in einem Mehrfamilienhaus in Peißenberg rückten dann auch gleich zwei Streifenwagen an. Die vier Beamten fanden die Ehefrau weinend vor. Im Wohnzimmer sei ziemliche Unordnung gewesen, so ein weiterer Beamter. Ein Wäscheständer war umgestürzt und Sachen lagen verstreut herum. Das Kind des Ehepaares war bei Nachbarn untergekommen. Ein Polizist begleitete die Frau in die Küche, um zunächst die Streitenden zu trennen. Der Angeklagte sei zu Beginn kooperativ gewesen und habe ununterbrochen und mit Begeisterung über eine Veranstaltung der AfD geredet, die er an dem Abend besucht hatte. Darüber war er auch mit seiner Frau in Streit geraten, denn sie teilt seine Leidenschaft für diese Partei nicht. Auch hatte sich die Ehefrau über die späte Rückkehr ihres Mannes aufgeregt. Der 46-Jährige habe keinen stark alkoholisierten Zustand gezeigt, sagten alle vier Beamte übereinstimmend aus. Dieser hatte Erinnerungslücken zu den nun folgenden weiteren Vorfällen geltend gemacht.

„Ich habe ihm den Gewahrsam ausgesprochen“, sagte ein Polizeibeamter. Die Ehefrau habe geäußert, dass sie ihren Mann in dieser Nacht nicht mehr in der Wohnung haben wolle. Bei früheren, ähnlich gelagerten Auseinandersetzungen hatten die zuständigen Polizisten den Peißenberger nur ermahnt, die Wohnung nicht mehr zu betreten. Daran hatte sich der Angeklagte aber nie gehalten. „Da wir wussten, dass er auch in dieser Nacht wieder zurückkommen würde, wollten wir ihn in Gewahrsam nehmen“, sagte ein Beamter. Nur so sei es möglich gewesen, den Hausfrieden in dieser Nacht zu wahren. Nun schlug die Stimmung des Angeklagten um. „Er hat sich nicht aktiv gewehrt, sich aber mit Muskelanspannungen dagegen gespreizt“, erklärte ein Beamter. Man sei gemeinsam auf die Couch gefallen und man habe seinen Arm unter dem Körper herausziehen müssen, um ihm Handschellen anzulegen, so die Beamten. Nachdem sie den Peißenberger fixiert hatten, begann er mit Beschimpfungen: „Ihr seid alle Grattler“. Auch im Streifenwagen und in der Zelle gingen die Beleidigungen weiter, die in dem Wort „Ratten“ gipfelten. Auch äußerte der Angeklagte, dass die Polizisten, wenn die AfD an der Macht sei, alle ausgetauscht würden. Der Angeklagte räumte ein, dass er möglicherweise ein paar Beschimpfungen ausgesprochen hätte. „Aber ihr habt mir nicht gesagt, warum ihr mich mitnehmen wolltet“, sagte er vor Gericht. „Die Tat war vollkommen überflüssig“, meinte der Staatsanwalt und sah keine verminderte Schuld durch zu hohen Alkoholgenuss seitens des Angeklagten.

Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und die Beleidigungen führten zum Schuldspruch. Richterin Katrin Krempl verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je 20 Euro. Die beachtliche Höhe ergab sich durch das mit elf Eintragungen lange Vorstrafenregister des Angeklagten. Zudem befindet sich der Peißenberger in einer offenen Bewährung. „Es hätte alles gar nicht sein müssen“, meinte er zum Schluss.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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