Thema Rigi Rutsch'n bei SPD-Stammtisch

„Wir fühlen uns verarscht“

Peißenberg - Beim SPD-Stammtisch wurde herbe Kritik an der Entscheidung zur „Rigi-Rutsch’n“ ausgeübt – es soll eine Protestdemo geben.

Wenn sich die Peißenberger SPD zu ihrem Stammtisch trifft, dann ist das für gewöhnlich eine überschaubare Runde. Am Montagabend jedoch war alles anders: Mit rund 40 Besuchern war der Nebensaal im Gasthaus „Sonne“ gerammelt voll. Kein Wunder: Es ging um das Thema „Rigi-Rutsch’n“.

Für Mittwoch, 11. Mai, wurde zu einem Protest vor dem Rathaus aufgerufen

Der hochdefizitäre Bäderpark war immer schon ein Politikum, doch nach der Entscheidung des Verwaltungsrats der Gemeindewerke, die Sommersaison 2016 nach dem Großbrand abzublasen, kochen die Emotionen hoch. Obwohl es – zumindest nach derzeitigem Stand – „nur“ um eine Freibadsaison geht, wurde beim Stammtisch hitzig und zum Teil lautstark diskutiert. Die Sorge bei vielen ist groß, dass die vorübergehende Schließung der Todesstoß für das Bad sein könnte. Die Botschaft am Montagabend war unmissverständlich: Der Verwaltungsrat soll seinen Beschluss aufheben und einen „Sommer-Notbetrieb“ im Freibad fahren. Zudem wurde für kommenden Mittwoch, 11. Mai, 18 Uhr, zu einem Protest vor dem Rathaus aufgerufen. Für einige Verwaltungsratsmitglieder könnte die angekündigte Demo zu einem Spießrutenlauf werden. Denn an diesem Tag kommt um 18:30 Uhr der Gemeinderat zusammen. Der Druck auf die Entscheidungsträger wird zunehmend größer, wirtschaftliche Argumente ziehen bei den Bürgern offenbar nicht. Die Protestbewegung um die frühere SPD-Gemeinderätin Claudia Bösch wächst jedenfalls stetig an: „Wir hätten locker die Tiefstollenhalle füllen können“, sagte Bösch.

Hinzu kommt, dass die ursprüngliche Geschlossenheit im Verwaltungsrat bröckelt. SPD und Bürgervereinigung gehen inzwischen ganz offen auf Distanz zum eigentlich einstimmigen Beschluss, die Freibadsaison zu streichen: „Wir sind da etwas überrumpelt worden“, relativierte SPD-Verwaltungsrat Dr. Klaus Geldsetzer beim Stammtisch sein Abstimmungsverhalten. Leider habe man bei der Sitzung Anfang April „komplett vergessen“, nach dem Kostenaufwand zu fragen, der für einen Freibad-Notbetrieb anfallen würde: „Das ist meine Schuld“, erklärte Geldsetzer und gelobte Besserung: „Wir werden das am Mittwoch im Verwaltungsrat einbringen. Auch werden wir fragen, wie wir den Sommerbetrieb doch noch ins Laufen bekommen.“

Nur wenige Antworten auf viele Fragen

Geldsetzer bemühte sich, die prekäre Lage um den Bäderpark zu skizzieren: Viele Jahre lang sei am Freibad konzeptionell und energetisch „nix gemacht“ worden. Zudem sei die Querfinanzierung innerhalb der Gemeindewerke schwieriger geworden: „Vor 20 Jahren war noch jeder Peißenberger Stromkunde bei den Werken. Heute schwärmen die Kunden aus.“

Geldsetzer hatte beim Stammtisch keinen leichten Stand. Konkrete Details konnte er wegen der Verschwiegenheitspflicht nicht nennen. Aus den nichtöffentlichen Sitzungen darf nichts nach außen dringen. Dabei gab es beim Stammtisch viele Fragen: Warum ist das Defizit derart gestiegen? Warum gibt es keine detaillierten Bilanzen? Warum gibt es keine ehrenamtliche Wasserwacht mehr? Welche Kosten verursacht die Sauna? Antworten darauf gibt es bislang wenige. Das schürt den Unmut: „Wenn ein heikles Thema ansteht, wird der Deckel draufgehalten. Wir fühlen uns verarscht“, schimpfte Bösch: „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen.“ Als SPD-Verwaltungsrat Georg Karl über 200 000 Euro sprach, die vermutlich durch die Sommerschließung eingespart werden würden, platzte Bösch der Kragen: „Wie viele Werkleiter wurden denn in der Vergangenheit ausgewechselt? Da wird das Geld rausgeschmissen, aber davon redet keiner.“

Mit Wolfgang Dollinger meldete sich in der Versammlung übrigens ein ehemaliger Werkleiter zu Wort: „Wenn das Bad jetzt ein Jahr still steht“, prognostizierte er, „dann können wir es wegschmeißen.“ Der Plan, mit ehrenamtlichen Projektgruppen Konzepte zu entwickeln, werde nicht aufgehen. „Man zäumt das Pferd von hinten auf“, sagte Dollinger, der von 1993 bis 1998 die Werke führte. Dabei seien die technischen Vorkehrungen kurzfristig durchaus in den Griff zu bekommen, sodass das Freibad provisorisch in Betrieb gehen könne: „Die Bürgermeisterin sollte so offen sein und sagen: ,Wir stellen das alles noch einmal auf null‘“, sagte Dollinger. Dafür gab’s in der Versammlung Applaus.

Bernhard Jepsen

Rubriklistenbild: © fkn

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