+
Zweimal Johannes Knappich: Vater und Sohn mit Hündin Rosl. Beim Fototermin verhindert war Aloisia Knappich.

Hofbesuch bei Familie Knappich in Hohenpeißenberg-Mitterschwaig

Ein Hof mit 14 Pferden und einem Hund

Mitterschwaig – Familie Knappich lebt mit 14 Pferden und einem Hund in Hohenpeißenberg-Mitterschwaig. Ein Besuch auf dem mehr als 450 Jahre alten Hof...

Es sind nur zwei Din-A4-Zettel, oben links zusammengetackert. Doch Johannes Knappich hält sie so in der Hand, wie man etwas ganz Besonderes eben hält. Vorsichtig – und voller Stolz. „Sie sind einfach Gold wert“, sagt er. Denn diese beiden Zettel lassen ihn in die Vergangenheit blicken. Weit zurück. 478 Jahre Hofgeschichte sind darauf zusammengeschrieben. Mit einem Computer. Ein Hohenpeißenberger, den Knappichs Eltern kannten, hat die Informationen einst zusammengetragen. Nun ist auf einen Blick zu sehen: Die Familie hat den Hof in Mitterschwaig seit vier Generationen. Seit 1887. Damals übernahm ihn Josef Knappich. „Er hat ihn vermutlich gekauft“, sagt sein Urenkel, Johannes Knappich. Der erste nachgewiesene Besitzer hieß Caspar Pröbstl, er soll den Hof ab 1538 besessen und den Hausnamen „Claß im Wald“ geprägt haben – später wandelte der sich in „Zum Quari“. Dieser Hausname geht auf Quarinus Resch, dem der Hof von 1741 bis 1778 gehörte, zurück.

Seit 1983 heißen die Besitzer Johannes (61) und Aloisia (57) Knappich. Vier Kinder zogen sie hier, am Hohen Peißenberg, groß. Andreas (34), Antonia (30) und Anna (26) haben das Elternhaus mittlerweile verlassen, wohnen aber in der Umgebung. Johannes (28) ist noch da, lebt mit seiner Freundin auf dem Hof. Er übernimmt ihn später auch – darauf haben sich der große Bruder und er geeinigt. Den Vater macht das stolz. „Ich finde es gut, wenn man da miteinander redet. Einen Streit ist sowas nicht wert“, sagt Johannes Knappich.

Er und sein Sohn Johannes sitzen gerade auf der Terrasse. Bernhardiner-Hündin Rosl hat es sich unter dem Tisch gemütlich gemacht. „Zum Hof gehört einfach ein Hund“, sagt Knappich senior. Einer, der schaut, wer da so vorbeikommt. Denn im Hohenpeißenberger Weiler Mitterschwaig stehen die Häuser nicht dicht an dicht, da ist mal hier, mal da ein bebautes Grundstück.

Früher gehörte das Anwesen zum „Kastenamt Rauenlechsberg“. „Es war ein Viertel-Hof, ein kleiner“, sagt Knappich senior. So steht’s auf einem der Zettel. Bis in die 1970er-Jahre haben sich die Bewohner hier selbst versorgt. Bis 1992 hatten die Knappichs Milchvieh – dann stellten sie auf Pensionspferdehaltung um. Das Futter für die Tiere stellen sie selbst her.

Acht Pferde können hier untergebracht werden. Hinzu kommen sechs weitere, die der Familie Knappich gehören. Die Rassen sind querbeet, unter anderem steht ein Süddeutsches Kaltblut in Mitterschwaig. Auf vier Koppeln sind die Tiere verteilt – es gibt zum Beispiel eine „Rentnerherde“ und eine „Damenherde“. Bei zwei Pferden müssen die Knappichs mit dem Futter aufpassen. „Die werden sonst zu dick“, sagt Knappich junior und schmunzelt.

Die ganze Familie ist pferde-begeistert. Dafür ist sie am Fuße des Hohen Peißenbergs bekannt. Bei der Leonhardifahrt in Peißenberg fahren sie seit Jahrzehnten einen Festwagen. Und wenn in Hohenpeißenberg ein Maibaum aufgestellt wird, dürfen sie ihn mit ihrem Gespann transportieren. Auch bei der Einweihung der Gnadenkapelle kamen Knappichs mit ihren Pferden – und ritten vorneweg. „Mit den Rössern ist man im Ort voll mit eingebunden“, sagt Knappich junior. Auch, wenn der Hof ein wenig außerhalb liegt.

Gerade das genießt die Familie ja. „Ein wunderschönes Platzl haben wir“, sagt Knappich senior und schaut in die Ferne. Die Kirche von Schönberg zeichnet sich ab, das Wettersteingebirge ragt am Horizont auf. Der Blick ist vor zwei Jahren noch ein Stück schöner geworden – da verschwanden die Stromleitungen aus der Landschaft, wanderten in die Erde. Von früher zeugt nur noch ein ausgedientes Trafohäuschen in der Nähe. Und Knappich junior erinnert sich noch gut an die Winter in seiner Kindheit. Wenn der Schnee von den Leitungen fiel und sich durch die Schwingung zwei berührten, „hatten wir häufig Stromausfall“. Diese Zeiten sind vorbei, trotzdem umweht den Hof noch ein sympathisch alter Charme. Die Fensterläden und der Balkon sind aus Holz. Neben dem Haus steht ein riesiger Ahorn-Baum – der Bruder von Benno Knappich, der den Hof in zweiter Generation besaß, hat ihn 1906 gepflanzt. Und dann sind da die zahlreichen Blumen, die rund ums Haus blühen.

Keine Frage, Knappichs investieren viel Zeit in ihr Zuhause – und in die Pferde. „Heim kommen und nichts zu tun zu haben, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Johannes Knappich senior. Er arbeitet bei einem Hausmeisterservice, seine Frau Aloisia bei der Schilderprägestelle in Schongau. Sohn Johannes ist gelernter Bierbrauer – und irgendwann Hofbesitzer in fünfter Generation. Dann gehört auch sein Name auf die Zettel.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Peißenberger fand SS-Flagge mit Totenkopf "cool"

Peißenberg - Wegen Volksverhetzung, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und unerlaubten Waffenbesitzes stand ein 33-Jähriger aus Peißenberg vor …
Peißenberger fand SS-Flagge mit Totenkopf "cool"

Nachbesserungen am Mini-Kreisel

Peißenberg - Am umstrittenen Mini-Kreisel in Peißenberg wird nachgebessert. Die Rathausverwaltung will zusätzliche Schilder anbringen lassen.
Nachbesserungen am Mini-Kreisel

Gemeinde baut Barrieren ab

Peißenberg - Die Peißenberger Rathausverwaltung setzt Vorschläge des VdK zur Barrierefreihet um. Die Empfangstheke wird aber nicht abgesenkt.
Gemeinde baut Barrieren ab

Musiklehrer aus Leidenschaft

Peißenberg - Heinrich Hesel feierte seinen 90. Geburtstag. Der Musiklehrer unterrichtete Generationen von Peißenbergern.
Musiklehrer aus Leidenschaft

Kommentare