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Da will er reiten: Jürgen Schäffer zeigt auf die Forststraße, um die es geht. Neben ihm steht Anwältin Silvia Turansky. 

Forststraße an der Ammer

Peißenberger kämpft gegen Reitverbot

Hohenpeißenberg - Pferde sind auf der Forststraße an der Ammer zwischen Peißenberg und Peiting verboten.  Jürgen Schäffer klagt dagegen.

Hans Peter Schöler fährt langsam den Schotterweg entlang. Nach einigen Kilometern muss er anhalten. Ein Forstarbeiter steht mit seinem Fahrzeug auf dem Weg. „Sehen Sie, hier findet Forstwirtschaft statt“, sagt er und wartet geduldig, bis Platz ist, dann geht’s weiter. Der Weg wird nun steiler und kurviger. An dieser Stelle „sehe ich ein Problem mit Wanderreitern“, sagt der Revierleiter Böbing der Bayerischen Staatsforsten. Die beiden auf der Rückbank – Jürgen Schäffer und seine Anwältin Silvia Turansky – sagen nichts. Ihre Position ist ohnehin klar. Denn die drei sitzen an diesem verregneten Vormittag ja gerade deshalb gemeinsam im Auto, weil sie unterschiedlicher Ansicht darüber sind, ob man auf dem Forstweg südlich von Hohenpeißenberg reiten kann. Hinter Schöler fahren noch ein weiteres Auto mit Vertretern des Landratsamts und ein Bus mit fünf Richtern. Das Bayerische Verwaltungsgericht München hat einen Ortstermin angesetzt. Da die betroffene Forststraße neun Kilometer lang ist, wird sie abgefahren. Sie führt von Schendrich-Wörth östlich von Peißenberg entlang der Ammer zur Schnalzstraße nach Peiting.

Der Weg ist in gutem Zustand. So gut, dass Schäffer, der mit „Wanderreiten beim Buchauer“ auch beruflich auf dem Pferd unterwegs ist, auf ihm unbedingt reiten will. Also offiziell und ohne Bußgeld. Denn einmal, da ist er mit seinem Pferd hier schon unterwegs gewesen – und wurde erwischt. Das war Ende November 2013. Ein Bußgeldbescheid folgte. Er zahlte. Nun will sich Schäffer rechtlich gegen das Verbot wehren. „Es geht darum, dass man Peiting mit dem Pferd erreicht“, sagt der Peißenberger – ohne durch den Ort und Hohenbrand reiten zu müssen, sondern an der Ammer entlang.

Dafür aber gibt es zwei Hürden zu nehmen. Zum einen haben die Bayerischen Staatsforsten Schilder aufgestellt. Der schwarze Reiter im roten Kreis macht klar: Hier darf nicht geritten werden. Zum anderen führt die Route durch Landschaftsschutzgebiet – in der dazugehörigen Verordnung des Landratsamtes steht ein Reitverbot.

Gegen beides muss Schäffer vorgehen, will er den Weg mit seinem Pferd nutzen. Als erstes beantragte er eine Reiterlaubnis für das Gebiet – diese würde nur für ihn gelten. Das Landratsamt lehnte den Antrag ab. Schäffer klagte, das Verwaltungsgericht rückte an. Eine gütliche Einigung wird es nicht geben, das wurde beim Ortstermin klar. „Wir haben einige Reiterhöfe hier“, sagte Friedrich von der Mülbe, Abteilungsleiter für „Bau und Umweltverwaltung“ am Landratsamt. „Wenn wir Herrn Schäffer hier das Reiten erlauben, müssen wir es anderen auch erlauben.“ Dann aber gebe es Probleme, so von der Mülbe. Die Route sei bei Wanderern und Mountainbikern beliebt. Vor allem zwischen Radfahrern und Pferden könnte es zu Problemen kommen, befürchtet von der Mülbe. „Erholung muss sicher durchführbar sein. Wir haben da Sicherheitsbedenken.“

Das schien die fünf Richter nicht so recht zu überzeugen – beim Landschaftsschutzgebiet spielt nur die Wahrung der Natur eine Rolle. „Wir meinen, dass es hier nicht so ist, dass man den Weg aus naturschutzrechtlichen Gründen sperren kann“, sagte der Vorsitzende Richter, Johann Oswald. Die Sperre sei auf der jetzigen Grundlage „fragwürdig“, sagte auch Richter Korbinian Heinzeller beim Ortstermin. Der war vor rund drei Wochen, damals fällten die Richter noch kein Urteil.

Nun aber steht es fest. Das Gericht hat Schäffers Klage abgewiesen – eine Reiterlaubnis helfe nicht weiter, solange der Weg von den Staatsforsten ohnehin gesperrt ist. Oswald hatte beim Termin in Hohenpeißenberg aber angekündigt, einen Aktenvermerk zu machen, damit Turansky und ihr Mandant bei einer Klage gegen das Reitverbot nicht an der fehlenden Reiterlaubnis scheitern.

Der Streit wird wohl weitergehen. Wie genau, konnte Anwältin Turansky gestern noch nicht sagen. Sie will die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, die ihr noch nicht vorliegt. Die Vertreter der Staatsforsten machten beim Termin aber klar, am Reitverbot festhalten zu wollen. Laut Schöler seien immer wieder große Maschinen unterwegs – und es würden auch mal Umlaufseile über den Weg gespannt. „Wenn dann Reiter kommen“, sagte er, „das macht Probleme.“

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