Sechs Monate und drei Monate Fahrverbot

Bewährung nach tödlichem Unfall

Penzberg - Ein Eichenauer (21) war auf der A 95 mit seinem 420-PS-Wagen in ein stehendes Fahrzeug gerast, zwei Menschen wurden getötet. Er erhielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe.

Wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung wurde ein 21-Jähriger aus Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck) gestern vom Amtsgericht Weilheim zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er den Führerschein für drei Monate abgeben und als Bewährungsauflage 40 Stunden soziale Dienste leisten, 800 Euro an die „Brücke Oberland“ zahlen und einen Verkehrskurs absolvieren.

Der Unfall, der am 31. März 2015 auf der A 95 bei der Ausfahrt Penzberg passiert war und dessentwegen sich der junge Mann vor Gericht verantworten musste, erregte damals Aufsehen, weil dabei auch der Fahrer eines Transporters ums Leben kam und ein Sanitäter später an den Unfallfolgen verstarb.

Der Angeklagte war bei Graupel und glatter Fahrbahn mit seinem 420 PS starken Fahrzeug mit mindestens 135 km/h über die Autobahn gerast, ins Schleudern geraten und gegen einen Transporter geprallt, der nach einem Unfall auf dem Pannenstreifen stand. Vor dem Unfallwagen stand ein Rettungswagen.

Die beiden Sanitäter seien zufällig an dem Unfall vorbeigekommen, hätten geschaut, ob es dem Fahrer gut gehe, und die Polizei verständigt. Sie hätten nur noch warten wollen, bis die Beamten da waren, und dann zum nächsten Einsatz weiterfahren wollen, schilderte der Rettungssanitäter vor Gericht, der den Einsatz am 31. März überlebte.

Doch dazu kam es nicht mehr, denn wenig später wurden sie selber Unfallopfer: Der eine Sanitäter stellte sich mit dem Fahrer des Transporters zwischen den Transporter und den Rettungswagen, um dort auf die Polizei zu warten. Sein Kollege hatte ein Warndreieck aufgestellt und war gerade auf dem Weg zurück zum Rettungswagen, als er ein schleifendes Geräusch hörte. „Ich habe das Auto quer rutschend auf mich zukommen sehen“, sagte der Sanitäter. „Dann weiß ich nichts mehr.“  Laut Polizeibericht versuchte er, sich durch einen Sprung zur Seite zu retten, erlitt aber dennoch einen Wadenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung. Der Angeklagte krachte nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit seinem Fahrzeug mit solcher Wucht gegen den stehenden Transporter, dass dieser gegen das Heck des Rettungswagens knallte. Weil der Aufprall so heftig war, wurde der Krankenwagen acht Meter nach vorne geschleudert.

Der Fahrer erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Der Rettungssanitäter aus Bad Heilbrunn wurde ins UKM gebracht, 19-mal operiert und starb am 23. Juli an den Unfallfolgen. Der Angeklagte hatte sich in einem Brief bei den Angehörigen entschuldigt und wiederholte das vor Gericht: „Ich möchte mich entschuldigen und mein Beileid aussprechen.“

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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