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Bleibt am Boden: Stefan Hört aus Penzberg, hier vor einem Flugzeug beim Weltrekordversuch 2014 mit dem Worldteam in Eloy/Arizona.

Interview mit Weltrekord-Fallschirmspringer Stefan Hört

„Unendlich viele Bilder im Kopf“

Penzberg – Der Penzberger Fallschirmspringer Stefan Hört (47) ging  regelmäßig auf Rekord-Jagd, in Teams mit 100 und mehr Springern. Zu den Höhepunkten gehörte der Weltrekord 2015, bei dem Sportler bei einem Sprung zwei Formationen am Himmel bildeten. Der gebürtige Heidelberger, der seit 15 Jahren in Penzberg lebt und bei Roche arbeitet, hat mit diesem Sport aufgehört. Redakteur Wolfgang Schörner sprach mit ihm über das Karriereende.

Herr Hört, der Spätsommer ist die Zeit der Weltrekord-Sprünge. Kribbelt es bei Ihnen?

Stefan Hört: Es ist für mich natürlich noch immer ein faszinierender Sport. Vor ein paar Wochen bin ich zu einem Zehner-Speed-Wettbewerb nach Bad Saalgau in der Nähe von Memmingen gefahren. Dort trat auch mein früheres Zehner-Team an. Ich bin extra mit zum Flugzeug gegangen, habe zugesehen wie sie einsteigen und sie springen. Es war in Ordnung für mich.

Es fiel Ihnen nicht schwer, unten zu bleiben?

Hört:  Es war nicht schwer. Ich habe ja gesagt: Ich höre auf mit dem Formationsspringen, dem Videospringen, dem Zehner-Speed und mit den Kursen, die ich gegeben habe. Also mit diesen ganzen verpflichtenden Sachen.

Wieso ist Schluss?

Hört:  Es gab eine Fülle von Gründen, die Entscheidung ist über ein ganzes Jahr in mir gereift. Ich hätte auch aufgehört, wenn es 2015 nicht mit dem Weltrekord geklappt hätte, aber das war natürlich ein besonderes Zuckerli. Zum einem hatte ich das Gefühl: Jetzt ist es gut. Die Motivation und Lust war nicht mehr so da. Ich wollte immer öfter zuhause bleiben, wenn es wieder losging. Meine Ausrüstung war am Ende – und bei diesen Gedanken machte es keinen Sinn, mal eben zirka 10 000 Euro zu investieren. Es gibt auch hie und da gesundheitliche Probleme und bei diesem Sport möchte ich voll auf der Höhe sein, damit die Sicherheit nicht leidet. Und vor allem wollte ich mehr Zeit für meine Familie haben. Es ist nach wie vor ein toller Sport, aber am Ende hat mir manchmal ein wenig der ganz große Spaß gefehlt.

Bedeutet das: Sie springen überhaupt nicht mehr?

Hört:  Ich war dieses Jahr mit meiner Frau in Dubai. Da bin ich einmal gesprungen. Das war’s dann auch. Aber ich kann nicht versprechen, dass ich solche Besonderheiten in Zukunft sein lasse. Wenn sich etwas ergibt, werde ich das machen. Aber eben nur „Just for Fun“.

Wie viele Fallschirmsprünge hatten Sie in Ihrem Leben?

Hört:  Knapp 2400. Der erste war im Jahr 1991.

Was macht die Faszination aus?

Hört:  Es ist vor allem der freie Fall. Die Bilder, die man während des Steigflugs und im Freifall sieht, aber auch die besonderen Menschen und Situationen, die man erlebt. Ich habe unendlich viele Bilder im Kopf, die unbeschreiblich sind. Wer das noch nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen.

Wenn Sie zurückdenken an die vielen Formationsspringen: Was waren die schönsten Erlebnisse?

Hört:  Natürlich war der Weltrekord im vergangenen Jahr ein unglaublich toller Abschluss. Zu den schönsten Erlebnissen gehört auch mein allererster deutscher Rekord 2008, bei dem ich das erste Mal in einer großen Formation dabei war. Das ist so etwas wie die erste große Liebe. Die großen Sachen, die danach kamen, waren von meiner Seite professioneller, weil ich wusste, was auf mich psychisch und physisch zukommt. Besondere Eindrücke haben aber auch Sprünge hinterlassen, bei denen ich allein oder mit wenigen anderen Springern unterwegs war: Ich bin zum Beispiel einmal mit einem Freund 3500 Meter an der Kante einer Wolke entlang gefallen, ohne dass wir in der Wolke waren. Oder Sprünge aus einem Ballon und aus einem Doppeldecker, der auf dem Rücken flog.

Es gibt aber auch schlimme Momente, wenn andere Springer verunglücken.Wie geht man mit so etwas um?

Hört:  Das war schon auch einer der vielen Gründe, dass ich gesagt habe: Ich möchte mich etwas zurückziehen. Über die Jahre lernt man viele Fallschirmspringer kennen. Und damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass einem Bekannten etwas passiert. Aber wer hört auf, Auto zu fahren, weil jemand, den man kennt, dabei verunglückt ist?

Fallschirmspringen ist gefährlich...

Hört:  Nein, da muss ich widersprechen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Sicherheit kontinuierlich erhöht, durch die Ausrüstung, die Sicherheitseinrichtung am Schirm, durch die Ausbildung. Ich fahre auch Motorrad – das ist gefährlicher, wenn ein Hase von links kommt. Das kann einem da oben nicht passieren.

Trotzdem: Ist Ihre Familie froh, dass Sie mit dem Fallschirmspringen aufgehört haben?

Hört:  Ja. Als ich vor ein paar Wochen nach Bad Saalgau zum Zehner-Speed gefahren bin, hat mich meine Frau – sie ist früher auch gesprungen – gefragt: Aber springen tust Du nicht?

Und was ist dann Ihr Alternativsport?

Hört:  Ich arbeite ja seit 20 Jahren nebenher als Barkeeper in Bars. Irgendwann hatte ich die Idee, das auf Selbständigen-Basis fortzusetzen. Jetzt habe ich in Penzberg einen mobilen Barkeeper-Service eröffnet. Das kann man auch als Ausgleichssport verstehen (schmunzelt).

Dann bleiben Sie jetzt auf dem Boden?

Hört:  Zu 100 Prozent kann ich das nicht garantieren. Wenn sich die Gelegenheit ergeben sollte, dann leihe ich mir einen Fallschirm, steig’ ins Flugzeug und springe raus.

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