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Sabine Daikeler aus Baden-Württemberg war die einzige Frau unter den Kettensäge-Schnitzern. Sie verwandelte einen Baumstamm in eine rustikale Bank. 

Gut Hub

Lautstarke Kettensägen-Künstler

Penzberg - Wie wär's mit einer filigranen Stele oder einer Tierskulptur? Bei den vierten Kettensägen-Kunsttagen auf Gut Hub zeigte sich die Szene in ihrer Vielfalt und Lautstärke.

Für zarter besaitete Gemüter oder für lautstärkeempfindliche Menschen waren die dreitägigen Kettensägen-Kunsttage nicht unbedingt geeignet. Laut dröhnten von Freitag bis Sonntag die Werkzeuge der 16 anwesenden Künstler über das weitläufige Gelände, das von hölzernen Fabelwesen, Tierskulpturen, Möbeln und Kleinkunstwerken aller Art bevölkert war. Aus ganz Deutschland, aus Italien und Österreich waren Kettensägen-Schnitzer nach Penzberg gekommen, um ihre Werke auszustellen und über ihre Kunst zu informieren.

„Und um mich mit anderen auszutauschen und etwas Neues zu lernen“, begründete Matthias Widera, warum er extra aus Nordrhein-Westfalen nach Penzberg gekommen war. Zum ersten Mal nahm er an den Kunsttagen teil – und war begeistert. „Es ist so schön hier, und die Leute sind nett“, sagte Widera, der seit zwei Jahren Kunstwerke mit der Kettensäge fertigt – rein hobbymäßig, wie er betonte. Eigentlich studiert er Aboristik, also Baumkunde. „Mich fasziniert vor allem die Geschwindigkeit“, so Widera.

Ebenfalls seit zwei Jahren und auch nur hobbymäßig betätigt sich der Penzberger Andreas Meck als Kettensägen-Schnitzer. Wie es dazu kam? „Vor Jahren habe ich mal an Nachbars Baum einen Ast absägen müssen“, erinnerte er sich. Kurz danach habe er den ganzen Baum fällen müssen. Weil er nicht gewusst habe, wohin mit dem vielen Holz, habe er für seine Frau eine Bank aus dem Stamm gesägt – und war von dieser Kunstform begeistert. Eulen, Bücher, Stelen. Ja sogar riesige Golfbälle und Korkenzieher hat er seitdem aus Baumstämmen geschnitzt. Arbeitszeit: zwischen einer halben Stunde und mehreren Tagen.

Mehrere Tage arbeitete auch Matthias Widera an seiner großen Giraffe, die während der Kunsttage vor den Augen der Besucher aus einem Stamm entstand. „Das ist schon faszinierend“, befand Besucherin Antje Bongartz aus Hohenbirken, die der einzig anwesenden Kettensägen-Schnitzerin Sabine Daikeler aus Baden-Württemberg dabei zusah, wie sie einen massiven Stamm in eine rustikale Bank verwandelte. Inklusive Schnitzmuster an der Lehne. „Wie sie während des Sägens schon weiter denkt und weiter arbeitet.“ Und? Selber mal ausprobieren? „Vielleicht.“

Vollauf zufrieden war Organisator Oliver Kugel. Die Kunstszene des Kettensägen-Schnitzens boome gerade, so der Penzberger. „Es werden immer mehr Künstler.“ Die Zahl der Anfragen von Künstlern, die bei den Kettensägen-Tagen mitmachen wollen, sei groß. „Aber so, wie es jetzt ist, kann ich das alleine gerade noch schaffen“, begründete er, warum nicht noch mehr Kettensägen-Künstler auf Gut Hub vertreten waren. So blieb das Veranstaltungsgelände für die Besucher in jedem Fall übersichtlich. 500 seien zu den Kunsttagen 2014 gekommen, so Kugel. Diesmal werden es mehr, glaubt er.

Unter den Besuchern war auch Familie Kellerer, die zu Viert aus Eggersdorf (Kreis Landshut) kam. „Extra wegen dieser Veranstaltung“, betonte Anton Kellerer. Er hat sich selbst schon mal als Kettensägen-Schnitzer versucht. Auf Gut Hub erhoffte er sich Anregungen. Und die bekam er: Für seine Frau soll er eine Bank schnitzen. Seine Tochter wünscht sich ein Regal. Und wenn er in zwei Jahren neue Anregungen braucht, kann er wieder kommen. Kugel plant nämlich weitere Kettensägen-Kunsttage 2018.

Franziska Seliger

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