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Zu Besuch im „KinoP“: (v.l.) Produzent Nils Dünker, Angelika Nachtmann, Regisseur Hans Steinbichler. 

filmpremiere in penzberg  

Mutige Mutter, starkes Kind

Penzberg - Hans Steinbichler stellte im „KinoP“ seinen neuen, ergreifenden Film vor. Er heißt „Eine unerhörte Frau“.

 „Muss ich sterben?“, fragt Magdalena ihre Mutter. „Suppenkaspar“ habe die Oma sie genannt, weil sie nichts aß, und prophezeit, dass sie ebenso enden würde. Doch Hanni, die Mutter, ist sicher: Mit dem Kind stimmt etwas nicht. Wenn das doch nur jemand ernst nehmen würde. Ein heftiges Thema geht Hans Steinbichler in seinem neuen Film „Eine unerhörte Frau“ an, der am Dienstag in Penzberg bei der Vorpremiere erstmals im Kino gezeigt wurde.

Die Bäuerin Hanni (fantastisch und ergreifend: Rosalie Thomass) sucht verzweifelt jemanden, der Magdalena (grandios: Romy Butz) endlich genau untersucht. Sie stößt auf Ablehnung, Abwiegelung, vorgefertigte Meinungen. Etwa bei Ärzten, die Magdalenas ständige Migräne als Überforderung und die Sehschwäche als kindliche Geltungssucht abtun, die ständige Übelkeit als Ursache für Wachstumsstörungen diagnostizieren. Oder die Schwiegermutter, die nur Drückebergerei erkennen will. Der Ehemann, der sich und den Hof vernachlässigt sieht und dies mit Bier und der Bedienung der Dorfwirtschaft kompensiert. Und Magdalenas Brüder wünschen sich die kleine Schwester weg, damit sie endlich auch wieder etwas von der Mutter haben.

Doch die lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Geprägt von ihrem eigenen Schicksal, einer Mutter, die ihr nicht glauben wollte, um den Schein zu wahren, beißt sich Hanni unbeirrt durch, liest sich ein in medizinisches Vokabular und verfolgt stur ihr Ziel – bis vor die Staatsanwaltschaft. Das klingt nach großem Tränendrüsenkino, was es einerseits natürlich ist – wer kann dieses Thema ohne Taschentuch überstehen? Doch ist die Geschichte nicht nur vorstellbar, sondern wahr, und Steinbichler erzählt sie unaufgeregt, erdet traurige Szenen durch leichte, gar fröhliche Momente.

Etwas anderes hätten Angelika Nachtmann, die echte Hanni, und ihre Tochter auch nicht verdient. Im Gespräch mit den Besuchern berichtete die Bäuerin aus Höhenrain gradraus, wie wichtig ihr und noch mehr der Tochter der Film ist. Das Drehbuch dazu entstand eher zufällig. Privat hatte sie dem Produzenten Nils Dünker einst einiges erzählt, woraufhin ihr dieser seinen alten Laptop gab mit dem Rat, die Geschichte aufzuschreiben. Drei Jahre später kam eine SMS: „I war dann fertig“. Ein toll erzähltes Manuskript habe er da bekommen, sagte Dünker, an dem ganz nah der Film entwickelt werden konnte. Er erzählt von einer mutigen Frau und dem ebenso starken Kind, von Vorurteilen, unsensiblen Ärzten und Lehrern – und dass man sich nicht beirren lassen darf. „Den Kopf heben und nie ergeben“, das sei ihr Motto, sagte Nachtmann: „Und immer nach vorn schauen.“ 

Zu sehen

ist „Eine unerhörte Frau“ täglich (außer So, 9.10.) um 18 und 20.30 Uhr im „KinoP“. Info: 08856/8020 882.

Katrin Fügener

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