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Erfolgreich in Peking: Vor acht Jahren gewann Wolfgang Sacher Gold im Einzel-Zeitfahren (hier ein Foto von der Siegerehrung), Silber in der Einer-Verfolgung und Bronze im 1000-Meter-Zeitfahren. 

Radsportler Wolfgang Sacher

Paralympics: Fast nur noch für Profis

Penzberg - Der Radsportler Wolfgang Sacher holte  2008 in Peking drei Medaillen. Im Interview erzählt der Penzberger, wie sich die Paralympics verändert haben.

 Bronze, Silber und Gold: Seine drei Medaillen von den Paralympics in Peking 2008 hat Wolfgang Sacher immer im Blick. In einer Vitrine im Wohnzimmer seines Hauses in Penzberg bewahrt der heute 49-Jährige die wichtigsten Erinnerungen an seine Laufbahn als Behindertenradsportler auf. „Peking war sicher das absolute Highlight meiner Karriere. Es waren ja noch dazu meine ersten Paralympischen Spiele“, sagt er. Im Interview äußert sich der Penzberger zu den am Mittwoch beginnenden Paralympics in Rio de Janeiro.


Sie haben Ihre Karriere nach den Paralympics in London beendet. Wie ist das nun für Sie, die Paralympis von außen zu beobachten?

Wolfgang Sacher: Das ist total spannend für mich. Ich stehe ja noch mit vielen Athleten in Kontakt und bekomme deshalb auch hautnah mit, was vor Ort passiert. Und klar: Irgendwie wäre man dann selber wieder gerne dabei.

Haben Sie überlegt, die Spiele in Rio als Zuschauer zu besuchen?

Sacher:  Ja, das stand im Raum. Meine Frau Sabine und ich wollten eigentlich fliegen, aber da die Wettkampfstätten dieses Mal sehr weit auseinanderliegen und die Verkehrssituation in Brasilien auch nicht gerade die angenehmste ist, wäre das aber wahrscheinlich zu aufwendig geworden.

Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen im paralympischen Sport allgemein ein?

Sacher:  Das ist schon Wahnsinn, wie das alles gewachsen ist. Man kann wirklich sagen, dass die Paralympics mittlerweile zum Profisport geworden sind. Arbeiten und nebenbei trainieren – so wie ich es meiner Laufbahn gemacht habe – ist heute nicht mehr möglich, wenn man um Medaillen kämpfen will. In diesem Frühjahr habe ich die deutsche Rad-Nationalmannschaft bei den Bahnweltmeisterschaften im italienischen Montichiari besucht. Die schnellsten Handicapradfahrer fahren mittlerweile ähnliche Zeiten wie die Profis ohne Handicap. Ich bin mir deshalb sicher: In Rio werden die Weltrekorde nur so purzeln!

Ist diese Entwicklung Ihrer Meinung nach positiv oder negativ?

Sacher:  Es gibt tatsächlich zwei Seiten: Einerseits ist es toll zu sehen, zu welchen Leistungen Menschen mit Behinderungen fähig sind, andererseits fällt aber der bis dato familiäre Charakter der Paralympics weg – eine Entwicklung, die man in London schon deutlich sehen konnte. Es gibt Verbandsquerelen und Diskussionen um die verschiedenen Klassifizierungen in die unterschiedlichen Handicapkategorien, dazu wird alles mehr und mehr kommerzialisiert. Dabei wird aber der Grundgedanke von Olympia oft vergessen: Dabeisein ist alles. Für mich war immer jeder ein Sieger, der es schafft, zu den Paralympics zu kommen.

Tatsächlich gab es schon im Vorfeld der Paralympics in Rio de Janeiro einige negative Schlagzeilen…

Sacher:  Sie meinen den Dopingfall meines ehemaligen Konkurrenten Michael Gallagher. Mich und viele andere Paralympioniken hat das schwer getroffen. Michel und ich kennen uns viele Jahre, und er hat mir auch die ein oder andere Medaille weggeschnappt. Ich hoffe, dass es ein Einzelfall war und die Dopingkontrollen in Rio greifen.

Sie stehen noch mit vielen aktiven Sportlern in Kontakt. Welche Chancen räumen Sie den deutschen Athleten ein?

Sacher:  Schon bei den Olympischen Spielen gab es ja Diskussionen um die Sportförderung. Manche Behindertensportler haben im Hinblick auf ihren Sport den kleinen Vorteil, aufgrund ihres Handicaps eine monatliche Rente zu bekommen – ansonsten sieht es aber düster aus. Auch fehlt es an richtiger Aufbauarbeit: Wir leben in Deutschland noch von den alten Stars, aber beim Nachwuchs fehlt es an konsequenter Arbeit. Ich wünsche mir trotzdem, dass es viele Medaillen gibt.

Wie werden Sie die Spiele verfolgen?

Sacher:  Ich verfolge alles per Livestream – egal, zu welcher Tages- und Nachtzeit. Insbesondere drücke ich natürlich den deutschen Radsportlern die Daumen.

Wenn Sie nun die Wettkämpfe beobachten: Bekommen Sie eigentlich nicht Lust, selber wieder auf das Rad zu steigen?

Sacher:  Ja, ein bisschen schon. Aber nicht mehr als Rennfahrer, sondern nur noch als Hobbysportler. Ich habe mittlerweile rund zehn Kilo mehr als noch zu meiner aktiven Zeit – und bei meinen Trainingsrunden auf dem Rad kehre ich auch gerne einmal ein (lacht).

Interview: Werner Müller-Schell

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