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Beim Masskrugstemmen bewies Lehrer Robert Einberger (l.) mehr Schmalz als Schauspielerin Monika Gruber. Die Moderatorinnen Laura Kärle (hinten l.) und Katharina Schäfer (hinten r.) schenkten eifrig ein.

Gymnasium Penzberg

Monika Gruber und die „Mannsbuida“

Penzberg – Dieser Moment war nicht gespielt: Monika Gruber hat Tränen in den Augen. Sie weint.

Das Publikum in der Aula der Penzberger Realschule hält den Atem an, gebannt von der Offenheit der Schauspielerin. Eine Frage zu ihren Eltern hat die sonst schlagfertige Bayerin verstummen lassen. Es ist ein besonders intimer Moment am Donnerstagabend. Penzberger Gymnasiasten haben die Kabarettistin zum Interview vor Publikum eingeladen – der Auftakt von insgesamt drei Schüler-Talkshows im Rahmen eines P-Seminars. „Unter Tage – nächste Frage“ lautet das Motto der Reihe, das sich, garniert mit Spielen, wie ein roter Faden durch die Show zieht. Die meiste Zeit ging es aber locker zu. „A bissl Angst hab i vor de lustigen Spiele“, gab Gruber vor dem Interview zu. Kein Wunder, zeigten die Gymnasiasten vor der Show einen kurzen Film, der Grubers Vorgänger zeigte: Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber improvisierte da eine leidenschaftliche Rede über zwei Frösche im Milchtopf und Extrem-Kletterer Thomas Huber bewies sein Talent beim Klötzchen-Spiel. 

Monika Gruber musste zum Masskrugstemmen. Dort übertrumpfte sie zwar mit ihrer bayerischen Sprachgewandtheit den Mathe-Lehrer Robert Einberger. Der war ihr aber kräftemäßig überlegen. „Im Extrinken hätt i eam gschlagen“, scherzte Gruber. Auch mit dem Spiel „Explosion“ hatte sie es zu tun, ein Frage- und Antwortspiel, bei dem sie in 90 Sekunden so viele Fragen wie möglich zu ihrer Person beantworten musste. Was mag sie lieber: Meer oder See? Meer! Prosecco oder Bier? Beides! Biergarten oder Restaurant? Biergarten! Tag oder Nacht? Immer Nacht! Erster Freund? Mit 21. Was bringt dich auf die Palme? Politik! Trotz Nervosität beantwortete sie drei Fragen mehr als die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die vor vier Jahren bei der Show war. „I woas ned, ob des a Kompliment is“, so Gruber. Dass Gruber mit Politik nicht viel am Hut hat, wissen die Zuschauer der Talkshow spätestens seit Donnerstag. Gruber sieht sich nicht als Kabarettistin – zu politisch. „Eher als Komikerin oder weiblichen Clown.“ Und doch wurde sie schon bei der Aufnahme an der Schauspielschule gefragt, ob sie nicht Kabarett machen wolle – weil sie eine „sehr niedrige Hemmschwelle“ habe. Auch wenn Gruber am Donnerstag eine redselige Gesprächspartnerin war, die das Publikum gelegentlich mit Einlagen unterhielt – über die gründliche Recherche der Schüler war auch sie erstaunt. Per Videobotschaft aus Kalifornien erzählte da eine Verwandte, dass Gruber mit den Männern kein Glück habe. „Ja wie hobt’s denn de auftriebn?“, wunderte sich Gruber. Auch dass sie sehnige Unterarme bei Männern anziehend findet und sie einen Landwirt einem Künstler vorziehe, erfuhren die Zuhörer. „A Mannsbuid, des zuabacka ko, is sexy.“ Gruber kam keinesfalls geradlinig zu ihrem jetzigen Beruf, wie sich im Gespräch zeigte. Zuvor war sie Fremdsprachensekretärin, doch irgendwann sei der Punkt gekommen: „Wenn ich hier bleibe, verrate ich meine Ideale.“ Eine englische Arbeitskollegin habe ihr geraten: „Monika, go for it!“ und so bewarb sie sich an der Schauspielschule.

Doch Gruber weiß um die Schattenseiten des Berufs: „Man ist nie ganz von Selbstzweifel befreit, bei einem neuen Programm habe ich jetzt noch eine dramatische Panik.“ Und nächtelang habe sie gekellnert und für 87 Euro pro Abend in der Volksbühne gearbeitet, um über die Runden zu kommen – dies habe sie ihren Eltern nie erzählt. „Ich habe sie oft in emotionale Turbulenzen gestürzt.“ 

Am Ende der eineinhalbstündigen Show lobte Gruber die Schüler: „Ihr ward erschreckend gut vorbereitet.“ Sogar Fragen aus dem Publikum beantwortete sie noch. Auch dort überraschte Gruber mit Ehrlichkeit, der sie keinerlei witzige Pointe nachschickte. Was ihr größter Rückschlag im Leben war? „Ich hätte gerne Kinder gehabt“, sagte Gruber. Das persönliche Scheitern sei härter als das Berufliche, „da hat man lange zu knapsen.“

Talkshow-Reihe

Die Reihe geht weiter mit den „Well-Brüdern“ Michael und Christoph Well am Dienstag, 24. Januar, 14.30 Uhr, in der Aula der Penzberger Realschule. Schauspieler Rick Kavanian kommt am Dienstag, 31. Januar.

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