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Eines der Aushängeschilder der SG Wilzhofen: Luftgewehrschütze Johannes Ulbrich (17) ist auf dem Sprung in den deutschen C-Kader. 

SG Wilzhofen feiert Jubiläum

Von den Zimmerbichslern zur Talentschmiede

Wilzhofen - Die SG Wilzhofen ist einer der erfolgreichsten Schützenverein im Gau - und feiert am Samstag ein Jubiläum.

Nicht lange nachdem sich die Bayern im deutschen Bruderkrieg gegen die Preußen eine blutige Nase geholt hatten, erwachte in Wilzhofen der Wille zum Widerstand. Auch wenn von den steifen Nordlichtern keine nennenswerte Gefahr mehr ausging, beurkundete das Königlich Bayerische Bezirksamt in Weilheim am 17. November 1866 die Gründung einer Zimmerstutzengesellschaft im Dorf vor den Toren der Stadt. 37 Jahre später – das Königreich befand sich in seiner Blütezeit – bekam der Verein seinen heutigen Namen: SG Wilzhofen.

Der Verein von heute hat wenig mit den Zimmerbichslern von einst gemeinsam. Zwar wird mit der Waffe noch geschossen, aber eher aus Tradition, wenn auch mit erheblichem Ehrgeiz. Die vergangenen 150 Jahre brachten es mit sich, dass die Büchsen immer moderner wurden und in den Ständen das Luftgewehr Einzug hielt. Auch der Verein änderte sein Gesicht, das heute einen sehr frischen und äußerst sportlichen Eindruck macht. Wilzhofen ist nicht nur die Talentschmiede im Gau, sondern auch für den Deutschen Schützen-Bund.

Diese bahnbrechende Entwicklung bedurfte einer weisen Entscheidung des Vorstandes, der sich dazu entschloss, in seinen Nachwuchs zu investieren. „Das hat Geld gekostet“, erinnert sich Alois Ulbrich. Es dauerte jedoch nicht lange und der Schützenmeister der SG durfte sich für den mutigen Schritt bestätigt fühlen. Von den 98 Mitgliedern sind 15 Jugendliche und Junioren. Und die sind überaus treffsicher. Allein sechs Jungschützen gehören den verschiedenen Kader-Mannschaften an. Die beiden Jüngsten, Florian Ulbrich (11 Jahre) und Chiara Heinrich (13), stehen genauso in Diensten des Schützengaus Weilheim wie Tabea Heinrich (15). Raphael Schwarz (16) gehört zu den besten Nachwuchsschützen des Bezirks Oberbayern, während Maximilian Ulbrich (16) schon in der Jugendverbandsrunde schießt. In dieser Liga versuchen vielversprechende Schützen aus der bayerischen Auswahl, sich für den Sprung in den deutschen Kader zu empfehlen. Johannes Ulbrich (17) hat diesen Schritt bereits vollzogen. Er gehört der DSB-Rangliste und damit der Vorstufe zum nationalen C-Kader an. „Wir haben versucht, ihnen viel beizubringen“, so der Schützenmeister. Er sieht den Weg des Sextetts als Bestätigung für den beträchtlichen Aufwand, den der Verein betrieben hat.

Allerdings weiß auch er, dass diese Entwicklung auch ein wenig „zufällig“ ist. Die Investition in geeignete Jugendgewehre reichte allein nicht aus. Der Nachwuchs benötigte auch den entsprechenden Ehrgeiz und Trainingsfleiß sowie Eltern und Trainer, die Ulbrich kompetent und großzügig unterstützten. Die Rendite für die SG ist hoch: Die Jugend hat die Rundenwettkampf-Mannschaft der SG erstmals in die Bezirksliga geschossen und die ersten deutschen Meisterschaften in der Vereinshistorie eingefahren.

Dieser Prozess der vergangenen Jahre hat die Schützengesellschaft wohl rasanter verändert als all die Jahrzehnte zuvor. Früher waren die Vereinsmeisterschaften der absolute Höhepunkt im Vereinsleben. Heute ist es fast schon eine Randnotiz, dass Dieter Protz den Titel bei den Erwachsenen und Johannes Ulbrich bei der Jugend gewonnen hat. „Natürlich ist uns auch das Gesellige sehr wichtig“, betont Alois Ulbrich den sozialen Auftrag, dem sich die Schützengesellschaft verpflichtet fühlt.

Ungefähr ein Viertel der Mitglieder kommt zwischen November und April regelmäßig zum Vereinsschießen am Freitag ins Gasthaus „Guggemos“ in der Bahnhofsallee. Wenn die Wilzhofener am Samstag, 25. Juni, ab 19 Uhr ihr 150-jähriges Jubiläum gemeinsam mit ihren Nachbarvereinen mit einer Festmesse und einem anschließenden Biergartenfest begehen, fehlen ausgerechnet die beiden erfolgreichsten Schützen.

Johannes und Maximilian Ulbrich befinden sich auf einem Lehrgang in Suhl. „Diesen Spagat müssen wir in Kauf nehmen“, so der Schützenmeister und Vater der beiden Burschen. Den erfolgreichen Kindern sind Flügel gewachsen. Inzwischen schießen Johannes und Maximilian den Rundenwettkampf für den Bayernligisten FSG Dießen. Die vorbildliche Nachwuchsförderung der Wilzhofener hat bei den größeren Vereinen in der Umgebung durchaus Begehrlichkeiten geweckt. Damit konnte im Jahr 1866 noch niemand rechnen.

Text: Christian Heinrich

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