+
Er kam als Frühchen zur Welt: Christian Auernhammer (Mitte) kämpft noch immer mit den Folgen seiner Frühgeburt.Seine Eltern Michael und Magdalena sind stolz auf ihn. 

Zum Welt-Frühgeborenen-Tag

Der Kampf ins Leben

Fast jedes zehnte Kind kommt zu früh zur Welt, so wie Christoph Auernhammer aus Seeshaupt. Heute ist er 34 und kämpft noch mit den Folgen seiner frühen Geburt.

Christoph Auernhammer lässt sich nicht kleinkriegen. Das ist seit seiner Geburt so. Weil es seiner Mutter in der Schwangerschaft nicht gut ging, sie immer wieder Schwindelanfälle hatte, holten ihn die Ärzte in der 27. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Damals wog er gerade 840 Gramm. Doch er war fit, erinnert sich seine Mutter Magdalena Auernhammer. „Ich habe ihn begrüßt und ihm im Inkubator meinen Zeigefinger hingehalten. Er hat ihn mit seiner winzigen Hand umklammert und so fest zugedrückt, dass mein Finger blau wurde.“

Dennoch musste Christoph operiert werden: Er konnte nicht alleine atmen. Bei der Operation sollte der Duktus geschlossen werden. Das ist eine Verbindung zwischen Lungen- und Körperschlagader von Embryonen, die sich normalerweise nach der Geburt von selbst verschließt. „Nach der OP ging es ihm immer schlechter“, erinnert sich die dreifache Mutter. „Ein Arzt hat mir im Krankenhaus gesagt, dass mein Sohn nie sprechen und laufen können und immer behindert bleiben wird.“

Glücklicherweise lag der Arzt falsch: Christoph Auernhammer ist heute ein aufgeschlossener und lebenslustiger Mann. Er lebt in Seeshaupt (Kreis Weilheim-Schongau). In seiner Freizeit fährt er gerne Radl, schwimmt und klettert in der Halle, obwohl er in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Er hat eine Zerebralparese. Das ist eine Bewegungsstörung, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. „Er läuft etwas ungelenk“, erzählt Magdalena Auernhammer. Dazu kommt eine Gleichgewichtsstörung. „Ich kann halt keinen Tango tanzen“, sagt er selbst. Doch was er heute kann, ist ein großer Erfolg. Denn als Kind konnte Christoph anfangs gar nicht laufen. „Er stand auf Zehenspitzen mit zusammengepressten Knien da“, erzählt seine Mutter. Erst mit sieben Jahren lernte er das Gehen.

Doch nach all diesen Erfolgen muss Christoph immer noch kämpfen: Er will arbeiten, findet aber keine Stelle. „Wenn heute am Welt-Frühgeborenen-Tag über unsere Frühgeborenen und deren Schicksale gesprochen wird, denken die meisten Menschen nicht an die Kinder, die vor vielen Jahren zu früh geboren wurden“, sagt Silke Mader aus Karlsfeld (Kreis Dachau). Sie ist Vorsitzende der Europäischen Stiftung „European Foundation for the Care of Newborn Infants“, die sich für Frühchen und deren Familien einsetzt. Auch mit ihr hat Christoph Auernhammer Kontakt aufgenommen – aus Verzweiflung darüber, dass er keine Arbeit findet. „Er ist so ein engagierter Mann“, sagt Mader. „Sein Beispiel zeigt, dass es an entsprechenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und Arbeitgebern fehlt, die sich bereit erklären, Menschen mit einer Behinderung eine Chance zu geben“, sagt die 44-Jährige.

Christoph Auernhammer hat 2005 seine Ausbildung zur Bürokraft im Spastikerzentrum München beendet. Doch einen festen Job hatte der 34-Jährige noch nie. „Bis 2012 bin ich von einem Praktikum ins nächste geschlittert“, berichtet er. Etwa 300 bis 400 Bewerbungen hat er verschickt. „Ich wurde auch immer wieder zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber dann wurde mir abgesagt“, sagt der Seeshaupter traurig. Er bekommt Hartz IV. Seit 2012 arbeitet er ehrenamtlich für den Verein „Bäume für Menschen“, er organisierte bereits ein Wohltätigkeits-Golfturnier.

Am 1. Dezember startet wieder eine neue Maßnahme des Integrationsfachdienstes. Viel lieber hätte Christoph Auernhammer eine richtige Arbeit. Damit sein lebenslanger Kampf sich endlich auszahlt.

von Conny Kirmaier

Auch interessant

<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz</center>

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz
<center>Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Meistgelesene Artikel

Mit 107 Jahren "an der Spitze Bayerns"

Seeshaupt - Erna Rödling feierte ihren 107. Geburtstag. Damit  hat sie es laut Ministerpräsident Seehofer  an die Spitze der bayerischen Bevölkerung geschafft. 
Mit 107 Jahren "an der Spitze Bayerns"

Kommentare