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Verteidiger warnt vor tickender Zeitbombe

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Weilheim - Ob ein Weilheimer (24), Waffennarr und Ex-NPD-Mitglied, dauerhaft in die Psychatrie muss, darüber scheiden sich vor Gericht die Geister.

Ob der 24-jährige Weilheimer dauerhaft in die Psychiatrie muss, der derzeit wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffengesetz und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor Gericht steht, ist noch unklar. Das wird der nächste Verhandlungstag zeigen.

Es gab Momente, in denen es einem kalt den Rücken herunterlief im Sitzungssaal 18 des Weilheimer Amtsgerichts, wo sich Richterin Katrin Krempl zum zweiten Mal mit dem 24-jährigen Weilheimer befasste, bei dem die Polizei bei einer Hausdurchsuchung neben unerlaubten Waffen auch unzählige Nazi-Utensilien gefunden hatte.

Am Ende der Verhandlung war wieder ein solcher Moment. Nachdem der Psychiater sein Gutachten vorgetragen hatte, in dem er zu dem Schluss gekommen war, dass sich der Angeklagte zwar im Grenzbereich zu einer Persönlichkeitsstörung und an der Grenze zu einer schizophrenen Psychose befinde, er ihn aber dennoch für schuldfähig halte, schaltete sich der Verteidiger des Mannes ein: Er würde zu dieser Frage gerne noch die Ärztin hören, bei der der Weilheimer in Behandlung war. „Es wäre fahrlässig, wenn wir nicht alles getan hätten, um einen möglichen Schaden abzuwenden“, sagte der Verteidiger. „Etwas zu unterlassen, dafür ist die Sache zu gefährlich.“ Wenn die Ärztin beim nächsten Verhandlungstermin zum gleichen Ergebnis gelangt wie der Gutachter, kommt der Mann wahrscheinlich mit einer Geld- oder kurzen Haftstrafe davon und kann nicht in die Psychiatrie eingewiesen werden, was laut Verteidiger fatal sein könnte.

Wer die Äußerungen des erklärten Waffenliebhabers und ehemaligen NPD-Mitglieds ernst nimmt, muss davon ausgehen, dass er eine tickende Zeitbombe ist: „Dass ich diese Sachen besitze, ist für mich höherwertiger als alles andere“, sagte er über die Waffen, die bei der Durchsuchung sichergestellt worden waren: „Ich werde niemals darüber hinwegkommen und es niemals hinnehmen, dass man mir das Recht auf den Besitz wegen so einer Kleinigkeit abspricht.“ Es sei ihm egal, was bei der Verhandlung herauskomme: „Es ist für mich nicht relevant, weil ich mich im Recht fühle.“

Dem Prozess folgte er mit einem süffisanten Lächeln, oder er starrte mit hasserfülltem Blick in die Runde. Der Angeklagte ist Sportschütze und hatte bis vor rund einem Jahr einen Waffenschein. Nachdem er sich unglücklich in eine junge Frau verliebt und diese bedrängt hatte, hatte diese sich an die Polizei gewandt, und der 24-Jährige war ins Visier der Ermittler geraten. Nachdem ihm daraufhin Waffen und Waffenschein weggenommen worden waren, kaufte er sich mit einem gefälschten Schein eine neue Pistole, die er nach eigenem Bekunden ständig mit sich herumtrug.

Als er damit verhaftet wurde, hatte er sie durchgeladen am Gürtel getragen. „Ich habe sie gekauft, weil mir die anderen Waffen weggenommen worden waren“, sagte er. Früher hatte er immer wieder geäußert, dass er sich bedroht fühle und verteidigen können müsse, doch vor Gericht sagte er, dieses Gefühl habe er nicht mehr.

Er umgebe sich einfach gern mit diesen Gegenständen. „Waffen, Militärsachen, nationalsozialistische Dinge interessieren mich.“ Aus seiner Verachtung gegenüber dem Rechtsstaat machte er keinen Hehl – weder bei der Vernehmung noch vor Gericht. Bei der Polizei hatte er auch immer wieder gesagt, dass es ihm nichts ausmachen würde, wenn er oder andere bei einem Schusswechsel umkommen würden. Als Richterin Krempl diese Passage des Protokolls vorlas, war wieder so ein Moment, in dem es einem kalt den Rücken hinunterlief. Der Prozess dauert an.

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