+
Im Kreise seiner Unterstützer und Fußballkameraden vom SVL Weilheim: Mohamed Soumah (Bildmitte), der seit zwei Jahren hier lebt und Fußball spielt. 

Senegalese darf nicht weiter arbeiten

Im Abseits

Weilheim - Der 24-jährige Senegalese Mohamed Soumah darf nicht weiter arbeiten, weil sein Asylantrag abgelehnt wurde. Dabei wäre sein Arbeitgeber froh, ihn behalten zu können.

 Mohamed Soumah ist einer von diesen Flüchtlingen, die CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer kürzlich als „das Schlimmste“ bezeichnet hat: Er spielt Fußball und hatte eine feste Arbeitsstelle als Schreiner – bis es ihm untersagt wurde weiterzuarbeiten. Zudem ist der Senegalese bereits seit zwei Jahren in Deutschland. Doch entgegen der Befürchtung des Generalsekretärs „Den bekommen wir nie wieder los“ bekommt Mohamed Soumah wohl keine Chance, in Deutschland ein normales, legales Leben führen zu können. Dabei sah es eine Zeit lang danach aus, als ob der 24-Jährige sich in Weilheim eine Existenz würde aufbauen können, denn Soumah hatte bei einer Schreinerei einen festen Arbeitsvertrag.

„Ich hatte Hoffnung auf ein neues Leben, auf eine vernünftige Existenz. Es hat mir alles bedeutet“, sagt der gelernte Schreiner auf Französisch, das Irina Paloncy-Egle vom Asyl-Unterstützerkreis Weilheim ins Deutsche übersetzt. Heute ist alles anders: Soumahs Antrag auf Asyl wurde abgelehnt, und nun darf er nicht weiter arbeiten. Das teilte ihm das Landratsamt in einem Schreiben mit. Der Schreinerei wurde untersagt, den jungen Senegalesen weiter zu beschäftigen. Er hätte von einem Tag auf den anderen aufhören müssen zu arbeiten, erzählt Paloncy-Egle. Für die Schreinerei war das ein Schock, denn Soumah machte seine Arbeit gut. Er hat sich eingelebt und ist bei Chefs und Kollegen beliebt.

Als die Inhaber der Schreinerei sich bei der Behörde beschwerten, weil es in so einem kleinen Betrieb schwierig sei, auf einen guten Mitarbeiter von einem Tag auf den anderen zu verzichten, sei eine Woche Aufschub gewährt worden. Doch dann war Schluss. Doch am meisten leidet der 24-Jährige unter dem Arbeitsverbot: „Ich habe gerne gearbeitet“, sagt er.

Ihr Schützling habe sich überhaupt sehr bemüht, in Weilheim heimisch zu werden, erzählt Paloncy-Egle. „Er hat alle Angebote genutzt, hat Deutsch gelernt, die Bücherei besucht. Er ist sehr, sehr fleißig.“ Und auch im Verein hat sich Soumah engagiert. Er spielt Fußball beim SVL Weilheim. „Ich bin dort seit zwei Jahren Mittelfeldspieler“, erzählt er. Doch nachdem er nicht mehr arbeiten durfte, habe ihm selbst das Fußballspielen zunächst keine Freude mehr gemacht. Er sei in ein regelrechtes Loch gefallen, sagt Paloncy-Egle.

Der 24-Jährige hat seine Heimat aus persönlichen Gründen verlassen müssen, ist zunächst nach Marokko, dann nach Spanien und schließlich nach Deutschland geflohen. Der Senegal gilt als sicheres Herkunftsland, deswegen werden Asylbewerber von dort eigentlich immer abgelehnt. Doch für Soumah bestehen die Gründe, aus denen er seine Heimat verlassen hat, weiter. Er könne nicht zurückkehren, weil sein Leben in Gefahr sei, sagt er. Zudem habe er keinen Ausweis und somit gar nicht die Möglichkeit, in den Senegal zu gehen.

Soumahs Status ist der eines Geduldeten. Dass Geduldete keine Erlaubnis zum Arbeiten bekommen, bestätigt Hans Rehbehn, der Pressesprecher des Landratsamtes. „An dem Tag, an dem der ablehnende Bescheid kommt, verliert er alle Rechte – unter anderem das Recht zu arbeiten“, so Rehbehn. Der dann nur noch Geduldete erhalte einen Schlafplatz und Sachleistungen. Wenn die Duldung auslaufe, müsse der abgelehnte Asylbewerber auf jeden Fall das Land verlassen.

Derzeit leben 237 so genannte Fehlbeleger in den Asylunterkünften im Landkreis Weilheim-Schongau. Das sind entweder Menschen, deren Antrag auf Asyl abgelehnt wurde und die dennoch bleiben, oder anerkannte Asylbewerber, die keine bezahlbare Wohnung finden und deswegen die Unterkunft nicht verlassen können.

Kathrin Hauser

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

A95: Auto kracht in Leitplanke - Polizei sucht Zeugen

Penzberg/Icking - Die Verkehrspolizei sucht Zeugen für einen Unfall auf der A95. Eine Penzbergerin war mit ihrem Auto in die Mittelleitplanke geschleudert.
A95: Auto kracht in Leitplanke - Polizei sucht Zeugen

Was tun mit historischem Haus?

Weilheim - Abreißen oder sanieren? Diese Frage stellt sich bei dem fast 700 Jahre alten Haus "Töllern 3" in Weilheim, in dem sich das Obdachlosenasyl befindet.
Was tun mit historischem Haus?

„Hier ist alles besser organisiert“

Weilheim - Das  Weilheimer Krankenhaus und die Uni in Tiflis (Georgien) kooperieren. Zwei  Studentinnen lernen und arbeiten in der Chirurgie.
„Hier ist alles besser organisiert“

„Kunst ist eine Rettung“

Weilheim - Vor seiner Lesung in Weilheim beantwortete Marcus H. Rosenmüller unseren Fragebogen. Der bekannte Regisseur (43) über den Luxus des Gedichte-Schreibens und …
„Kunst ist eine Rettung“

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion