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Das Max-Hirth-Trio wechselte kreativ die Jazz-Register.

"Ammertöne"

Am Ende war Dauerklatschen

Weilheim - Das Max-Hirth-Trio und Johannes Enders eröffneten Weilheims Jazztage mit viel Elan. Das Publikum war begeistert.

Zeit für ungewöhnliche Instrumental-Kunst: Johannes Enders (r.) spielte gar Tenor- und Sopransaxofon geleichzeitig. "Baby" Sommer bearbeitete sein  Schlagzeug mit Verve.

 Johannes Enders war nicht nur als Organisator, sondern auch als Co-Musiker bei den zwölften „Ammertönen“ angekündigt, doch dies bedeutete keineswegs Unveränderlichkeit. Im Gegenteil: Die Jazztage fanden erstmals im Weilheimer Stadttheater statt – und auf Enders’ Einladung begegneten sich gleich am ersten Abend einer der jüngsten Profi-Saxofonisten Weilheimer Provenienz und einer der ältesten sächsischen Profi-Schlagzeuger.

Zum Auftakt spielte das Max Hirth-Trio, dessen Namensgeber den Fußstapfen von Johannes Enders folgt und aus der Weilheimer Jugendzeit ins Saxofon-Profifach nach Leipzig wechselte. Das Trio bestach durch einen extrem melodiös aufklingenden Kontrabass (wunderbare Soli: Carl Wittig) und durch eine hoch intellektuelle Schlagzeugarbeit, die Max Stadtfeldt sogar durch ein zart aufklingendes Xylophon ergänzte.

Musikalisch wechselte das Leipziger Trio kreativ die Register. Manche Passagen folgten einer beinahe klassischen Rhythmik und schienen Echos auf alte Märsche, und ein Motiv konnte gar als die Näherung an eine Bach’sche Chromatik gedeutet werden. Immerhin die Anleihe bei Schubert wurde freimütig eingeräumt. Diese „Neo-Romantik“ zerstob rasch mit dem druckvollen Saxofon, mit schnellen Motiven, intelligent und frisch, oder mit der prägnanten Bassklarinette. Höhepunkt war eine lange, staunenswert reif durchgestaltete Jazz-Suite voller thematischer Verflechtungen.

Das Publikum im gut besuchten Stadttheater war somit bereits zur Halbzeit bestens gelaunt, und in der Rolle des Moderators sagte Johannes Enders witzig-bescheiden: „Maxi Hirth hat schon alles gespielt, ich weiß gar nicht, was wir jetzt noch machen sollen.“ Die als gezogener Hut des Jazzprofessors deutbare „Verlegenheit“ zerstob, als der 73-jährige Dresdener Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer mit einer derartigen Verve die Trommeln und Becken bearbeitete, dass sich ein Spektrum auftat von zarten indischen Klangschalen über folkloristisch wattierte Klöppel bis hin zur Anmutung einer rasanten Wildpferdegruppe – all dies stets eingebunden in ein ausgefuchstes jazziges Rhythmusgeflecht.

Enders formulierte dazu knackige, doch nie zu scharfe Einwürfe auf Tenor- oder Sopransaxofon, und als Besonderheit spielte er auch mal ganz cool beide Instrumente zugleich, jedes aus einem der Mundwinkel. Pianist Peter Madsen faszinierte zunächst durch im Klavierkasten gezupfte atmosphärische Expositionen, bis er zuletzt auch staunenswert tempowütige Soli abfeuerte.

Es bedurfte der beruhigenden Worte von „Baby“ Sommer ins Auditorium, um die dauerklatschenden Zuhörer von ihrer Forderung nach immer weiteren Zugaben abzubringen.

Andreas Bretting

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